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Museum für Angewandte Kunst, Wien - Ausstellung Erde und Feuer

Asiatische Keramik aus der Sammlung Slunecko im MAK, Wien.
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© MAK / MAK, Wien - Ausstellungsansicht Erde und Feuer / Zum Vergrößern auf das Bild klicken

Museum für Angewandte Kunst, Wien - Ausstellung Erde und Feuer

Mit in Europa bisher wenig bekannten Keramiken aus dem südost- und ostasiatischen Raum aus der Sammlung Slunecko gibt die Ausstellung einen eindrucksvollen Blick in die Jahrhunderte alte Tradition der Keramikkunst. Nach Ländern geordnet präsentiert die Schau im MAK DESIGN LABOR rund 120 Objekten, die der Salzburger Sammler im Laufe von 25 Jahren auf zahlreichen Reisen entdeckte. Die Exponate aus Vietnam, Thailand, Kambodscha, Korea und Japan zeigen die Spezifika der einzelnen Regionen auf und vermitteln Heinz Sluneckos Leidenschaft für schöne Glasuren, die Strukturen des Materials und die Hand des Töpfers.

© MAK / Mona Heiß / MAK, Wien - Ausstellungseröffnung Erde und Feuer 2018 / Zum Vergrößern auf das Bild klickenIn seiner Sammlungstätigkeit setzt Heinz Slunecko Schwerpunkte auf jene Länder, die zwar unter starkem Einfluss Chinas standen, aber immer wieder ihre eigene Formensprache suchten und auch fanden. An Keramiken sind kulturelle und technische Entwicklungen wie kaum einem anderen Material ablesbar, und gerade diese Aspekte prägen die Objektauswahl der MAK-Ausstellung "Erde und Feuer". „In jeder Sammlung spielt die persönliche Beziehung zum Material eine wichtige Rolle – ich möchte den Ton, das Feuer, die Individualität spüren“, so der Sammler, dessen Kollektion seit über zehn Jahren Ausstellungen des MAK bereichert.

Vietnam

Ab dem 3. Jahrhundert v. Chr. war Vietnam, bedingt durch die Vereinigung Chinas unter Kaiser Qin Shǐhuángdìs und dessen Expansionsbestrebungen, politischem und kulturellem Einfluss vor allem aus Südchina ausgesetzt. Grabbeigaben lassen darauf schließen, dass chinesische Techniken, Religionen und Kulte übernommen, aber auch künstlerisch eigenständige Ausdrucksformen gesucht wurden. Die typisch vietnamesische Henkeltasse geht auf diese frühe Zeit zurück. Ab dem 7. Jahrhundert n. Chr. intensivieren sich die Handelsbeziehungen zwischen ost- und südostasiatischen sowie zentral- und westasiatischen Ländern, wodurch die Keramikproduktion von Gebrauchswaren zu einem wichtigen Handelsfaktor avancierte.
© MAK / MAK, Wien - Ausstellung Erde und Feuer, Teeschale / Zum Vergrößern auf das Bild klickenFormenvielfalt und variantenreicher Dekor charakterisieren die Keramiken dieser Zeit. Die japanische Oberschicht brachte vietnamesischen Keramiken hohe Wertschätzung entgegen. In der Teezeremonie wurden Schalen aus der nordvietnamesischen Lý-Dynastie (1009–1225) verwendet, deren helle Glasuren und Dekors mit Lotusblättern ganz im Zeichen des Buddhismus standen. In Kunst und Kultur orientierten sich die Herrscher Vietnams an China, was sich in der Keramik sowohl im Stil wie auch in der Technik widerspiegelte.

Thailand und Kambodscha

© MAK / MAK, Wien - Ausstellung Sammlung Slunecko, Kalktopf / Zum Vergrößern auf das Bild klickenFußend auf der Hochkultur des Khmer-Reiches mit seiner Hauptstadt Angkor, errichtete das Volk der Thai ab der 2. Hälfte des 13. Jahrhunderts einen eigenen Staat. Das Zentrum der Keramikproduktion verlagerte sich in die Region um Sukhothai und Si Satchanalai. Hier wurden ein eher graues Steinzeug mit floraler Eisenoxid-Bemalung sowie gehobene Gebrauchsware mit grüner Seladonglasur produziert. Diese Keramiken der siamesischen Halbinsel zeichnen sich durch einen besonders fantasievollen Formenreichtum aus.

Korea

© MAK / MAK, Wien - Ausstellung Erde und Feuer, Reisweinflasche / Zum Vergrößern auf das Bild klickenAnders als in Japan entwickelte sich in Korea eine eigenständige Keramik, deren Formen und Glasuren asienweit hochgeschätzt wurden. Bis zum 13. Jahrhundert ist vor allem Steinzeug mit Seladonglasur zu erwähnen. Formen, die Metallarbeiten entlehnt zu sein scheinen, werden in unterschiedlichsten Techniken dekoriert und olivgrün glasiert. Vor allem die Intarsientechnik (Sanggam), bei der in den Scherben das Dekor eingeschnitten und dann mit hellem oder dunklem Ton aufgefüllt wird, ist nur aus Korea bekannt. Großen Einfluss auf die Entwicklung der japanischen Keramik hatte die sogenannte Buncheong-Keramik, die bis in das 16. Jahrhundert dominierte.

Japan

© MAK / MAK, Wien - Ausstellungsansicht Erde und Feuer, 2018 / Zum Vergrößern auf das Bild klickenNeben einer kleineren Auswahl an historischen Keramiken, die ihren Platz in der Teezeremonie hatten, konzentrieren sich die in der MAK-Ausstellung "Erde und Feuer" gezeigten Stücke großteils auf Keramikerfamilien, zu denen der Sammler Heinz Slunecko über Jahre hinweg freundschaftliche Beziehungen aufbaute. Besonders zu erwähnen sind Keramiker aus der Provinz Yamaguchi in West-Honshū, in deren Arbeiten der koreanische Einfluss immer noch erkennbar ist.
Bizen-Keramiken, die wegen ihrer tiefroten Erde, eigenwilligen Formgebung sowie unregelmäßigen Oberflächengestaltung über die Grenzen Japans hinweg Berühmtheit erlangten, haben seit der Mitte des vorigen Jahrhunderts einen kreativen Aufschwung erlebt. Mit mehreren Objekten ist der als „lebender Nationalschatz“ bezeichnete Töpfer und Kunsthandwerker Yū Fujiwara (1932–2001) in der MAK-Ausstellung vertreten. Auf einer langen Familientradition aufbauend, erlangten seine Arbeiten große Bedeutung für die Weiterentwicklung der Bizen-Keramiken.
 
Gegen die starke Dominanz chinesischer Keramik im europäischen Raum bietet die MAK-Ausstellung "Erde und Feuer". Asiatische Keramik aus der Sammlung Slunecko mit der Konzentration auf Vietnam, Thailand, Kambodscha, Korea und Japan eine Korrektur des europäischen Bildes ost- und südostasiatischer Keramik und eröffnet einen neuen Blick auf die schlichten Objekte aus Erde und Feuer.

Die Ausstellung "Erde und Feuer" der Sammlung Slunecko ist bis 10. Juni 2018 im Museum für Angewandte Kunst, Wien, zu sehen. Öffnungszeiten: Dienstag 10:00 bis 22:00 Uhr, Mittwoch bis Sonntag 10:00 bis 18:00 Uhr, Montag Ruhetag.

Nähere Informationen:
www.MAK.at

Ein Kultur- und Ausstellungstipp von Edith Köchl.
 
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