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Wechselwirkungen bei Johanniskraut & Co

Auch pflanzliche Arzneimittel können die Wirkung von anderen Medikamenten beeinflussen.
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Johanniskraut
hellt die Stimmung auf – bei Kombination mit anderen Mitteln sollte man jedoch aufpassen.

Wer würde nicht gerne seine Beschwerden mit einer Kräutertinktur beheben, und dabei keine unangenehmen Nebenwirkungen verspüren?

Ob als Einschlafhilfe, zur Stärkung des Immunsystems oder bei müden Beinen: Heilpflanzen erfreuen sich wachsender Beliebtheit. Sie gelten als milde Alternativen zu synthetischen Präparaten und daneben noch als gut verträglich. Das trifft auch meistens zu. Doch manchmal lohnt es sich, beim Arzt oder Apotheker einmal nachzufragen, ob das pflanzliche Mittel die Wirkung anderer Medikamente beeinflusst.

Prinzipiell gilt: Phytopharmaka sind Arzneimittel auf pflanzlicher Basis. Das heißt, sie müssen wie alle anderen Medikamente durch das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte zugelassen werden. Damit weisen die Hersteller auch die Wirksamkeit, pharmazeutische Qualität und Unbedenklichkeit nach. Allerdings bestehen die Pflanzen-Produkte nicht nur aus einer einzelnen Substanz, sondern vielmehr aus einem Gemisch von verschiedenen Inhaltsstoffen. Und wie sich dieses im Körper letztendlich verhält, ist oft nicht ausreichend geklärt. Klinische Studien am Menschen sind aufwendig und teuer. Die meisten Erkenntnisse über Wirkung, Nebeneffekte oder Wechselwirkungen beruhen auf Laborversuchen sowie Fallmeldungen und Anwendungsbeobachtungen durch Ärzte.

Pflanzliche Arzneimittel können durch zwei unterschiedliche Mechanismen die Wirkung anderer Medikamente verändern. Erstens, indem sich diese direkt am Wirkort und aufgrund ihrer Wirkweise gegenseitig verstärken oder abschwächen (pharmakodynamisch). Und zweitens, indem sie Enzym- und Transportsysteme in Leber und Darm beeinflussen und somit Abbau und Ausscheidung anderer Arzneistoffe verändern (pharmakokinetisch).

Johanniskraut erhöht die Aktivität von bestimmten Leberenzymen sowie Transportern in der Darmschleimhaut und beschleunigt so die Ausscheidung bestimmter Medikamente. Das schwächt deren Wirkung ab. Diese Wechselwirkung ist in Studien gut untersucht worden und betrifft unter anderem das Immunsuppressivum Ciclosporin, das HIV-Mittel Indinavir, sowie Cholesterinsenker, die Pille und weitere Arzneimittel.

Knoblauchknollen / Zum Vergrößern auf das Bild klickenKnoblauch soll ebenfalls Leberenzyme in ihrer Wirkung verstärken und daneben die Blutungsneigung erhöhen. Er sollte vorsichtshalber nicht zusammen mit blutverdünnenden Mitteln wie Phenprocoumon gegeben werden.

Pfefferminzöl soll Leberenzyme hemmen und damit Abbau und Ausscheidung anderer Arzneistoffe vermindern.

Heilpflanze Valeriana Saxatilis (Berg-Baldrian) / Zum Vergrößern auf das Bild klickenBaldrian
verstärkt wegen seines einschlaffördernden Effekts die Wirkung von anderen Schlafmitteln.

Ginkgo soll die Blutungsneigung erhöhen und deshalb lieber nicht mit blutverdünnenden Mitteln wie Phenprocoumon eingenommen werden.

Des Weiteren gibt es Hinweise darauf, dass Ginseng, Echinacea, Mariendistel und Sägepalme Abbau und Ausscheidung von bestimmten Arzneimitteln verändern.

Außer bei Johanniskraut und Baldrian sind die Effekte auf andere Medikamente noch nicht ausreichend gesichert. Um aber unerwünschte Wirkungen durch die Einnahme verschiedener Präparate zu vermeiden, sollten Sie ihren Arzt über alle eingenommen Mittel informieren.

Quelle: GesundheitPro 2008

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