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Vergrößerung der Prostata

Therapeutische Maßnahmen bei der Prostatavergrößerung.
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Männergesundheit: Benigne Prostatahyperplasie

Wie belastend eine gutartige Erkrankung sein kann, zeigt die Prostatavergrößerung. Sie ist zwar nicht lebensbedrohlich, kann aber die Lebensqualität drastisch einschränken. Zwei Experten erläutern im Interview, was die Diagnose bedeutet und welche therapeutischen Maßnahmen zur Verfügung stehen.

Was versteht man ganz allgemein unter BPH?

© Markus Margreiter / Markus Margreiter / Zum Vergrößern auf das Bild klickenProf. Dr. Markus Margreiter: Bei der benignen Prostatahyperplasie (BPH) handelt es sich wörtlich übersetzt um eine gutartige Prostatavergrößerung. Wir verstehen unter Hyperplasie die Vergrößerung von Geweben oder Organen aufgrund vermehrter Zellteilung. Nachdem damit eine gewisse Raumforderung verbunden ist, kann das zu erheblichen Schwierigkeiten führen.

Welche Folgen hat diese Veränderung?

Prof. Dr. Markus Margreiter:
Anatomisch gesehen umgibt die Prostata oder Vorsteherdrüse den Anfangsteil der männlichen Harnröhre. Vergrößert sich die Prostata, kann es zu einer Einengung der Harnröhre kommen, was wiederum mit Funktionsstörungen der Blase verbunden ist. Manche Patienten können nicht mehr normal Wasser lassen, müssen aufgrund vermehrten Harndrangs nachts öfter aufstehen, leiden unter Harntröpfeln, können die Blase nicht mehr vollständig entleeren oder sind mit plötzlich auftretendem Harndrang konfrontiert. Ein normales, entspanntes Leben ist aufgrund dessen kaum mehr möglich.

Ist jeder Patient von den genannten Auswirkungen betroffen?

Prof. Dr. Markus Margreiter:
Nein, es gibt durchaus Patienten, die keinerlei Symptome haben. Diese sollten regelmäßig untersucht bzw. beobachtet werden, sind aber ansonsten nicht therapiebedürftig, solange sie keine Beschwerden haben. Alle anderen müssen sich unbedingt in medizinische Behandlung begeben, da in der Blase verbleibender Restharn beispielsweise zu Harnwegsinfekten führen kann. Des Weiteren können die Nieren im Laufe der Zeit in Mitleidenschaft gezogen werden.

Wie wird die BPH behandelt?

Prof. Dr. Markus Margreiter: Die Diagnose betrifft in Österreich jeden Dritten über 50. Einerseits kann die Optimierung des Lebensstils präventiv wirken und zur Linderung der Symptome beitragen. Des Weiteren stehen uns medikamentöse, chirurgische und minimalinvasive Methoden zur Verfügung. Wer sich für welche Behandlung eignet, hängt vom Grad der Beschwerden ab und wird individuell nach entsprechender Abklärung entschieden. An erster Stelle steht meist die orale Behandlung mittels verschiedener Präparate. Schlagen diese nicht an, muss der Einsatz anderer Optionen in Erwägung gezogen werden. Chirurgisch können wir das Gewebe im Rahmen einer Enukleation, Resektion oder mittels Laser entfernen. Allerdings steht uns seit einiger Zeit mit der Prostata-Arterienembolisation (PAE) eine alternative, schonende Methode zur Verfügung.

Man ist also nicht mehr ausschließlich auf chirurgische Maßnahmen angewiesen?

Prof. Dr. Florian Wolf:
Genau, mittlerweile können auch spezialisierte Radiologen helfen. Da es sich um ein Verfahren der Interventionellen Radiologie handelt, bedarf es hierbei der Zusammenarbeit meines Fachbereichs mit der Urologie. Markus Margreiter und ich arbeiten derzeit daran, dieses Verfahren in Österreich zu etablieren und sind diesbezüglich Vorreiter. Ohne die interdisziplinäre Komponente wäre das undenkbar. Es wird seit 2009 angewendet, ist hierzulande allerdings noch relativ unbekannt. Wir führen die Methode seit 2014 am AKH durch.

Worum handelt es sich bei einer Embolisation genau?

© Prof. Dr. Florian Wolf / Prostata - Vor Embo Übersichtsangio / Zum Vergrößern auf das Bild klickenProf. Dr. Florian Wolf: Mit Embolisation bezeichnet man in der Medizin einen künstlichen Gefäßverschluss. Wir bringen im Rahmen dieses Verfahrens beispielsweise Kunststoffkügelchen oder kleine Metallspiralen mittels Katheter in den entsprechenden Bereich ein, um z.B. Blutungen zu stillen oder Tumoren am Wachsen zu hindern. Die PAE erlaubt es uns, Betroffene schonend und ohne großen Eingriff zu behandeln, was ein Schrumpfen des gutartig vergrößerten Organs zur Folge hat.

Was genau passiert im Rahmen einer PAE?

© Prof. Dr. Florian Wolf / Prostata - Selektive Angio vorher_detail / Zum Vergrößern auf das Bild klickenProf. Dr. Florian Wolf: Ich bringe unter Röntgendurchleuchtung einen Führungskatheter in die Leistenarterie ein und gehe danach weiter bis zur inneren Beckenarterie. Dort wechsle ich auf einen speziellen, sehr dünnen Mikrokatheter und dringe bis zu den Arterien vor, welche die Prostata mit Blut versorgen. Durch diesen Mikrokatheter werden kleinste Kunststoffpartikel in die Gefäße eingebracht, die die Prostata mit Blut versorgen. Dadurch wird der Blutfluss unterbrochen, was eine Schrumpfung der Vorsteherdrüse zur Folge hat. Während des Eingriffs ist der Patient wach und wird bei Bedarf mit Beruhigungs- und Schmerzmitteln versorgt.

Eignet sich jeder Patient für dieses Verfahren?

© Prof. Dr. Florian Wolf / Prostata - CT vorher Coronal / Zum Vergrößern auf das Bild klickenProf. Dr. Florian Wolf: Wir müssen da natürlich genau und gemeinsam abwägen. Es gibt Patienten, die auf die medikamentöse Behandlung schlecht bis gar nicht ansprechen und einen chirurgischen Eingriff nicht überstehen würden. Unser Verfahren erspart den Betroffenen die lebenslange Einnahme von Präparaten, die mitunter starke Nebenwirkungen haben. Das Verfahren ist sowohl alternativer als auch ergänzender Natur. Wer sich dafür eignet, wird von beiden Disziplinen gemeinsam entschieden.

Inwieweit ist die dauerhafte Röntgendurchleuchtung während der PAE bedenklich?

Prof. Dr. Florian Wolf:
Das Verfahren dauert zwar bis zu drei Stunden, die dadurch entstehende Strahlenbelastung stellt aber für einen Patienten mittleren oder höheren Alters kein wirkliches Problem dar. Natürlich ist dauerhafte Röntgenstrahlung nicht empfehlenswert, allerdings ist das für die durchführenden Mediziner weitaus problematischer als für die BPH-Patienten. Es besteht also für die Patienten kein Grund zur Sorge.

© Prof. Dr. Markus Margreiter / Markus Margreiter / Zum Vergrößern auf das Bild klickenProf. Dr. Markus Margreiter ist Facharzt für Urologie und Andrologie sowie Leiter der Ambulanz für Andrologie und Erektile Dysfunktion der Universitätsklinik für Urologie an der Medizinischen Universität Wien.

© Prof. Dr. Florian Wolf / Florian Wolf / Zum Vergrößern auf das Bild klickenProf. Dr. Florian Wolf ist Facharzt für Radiologie und spezialisiert auf Interventionelle Radiologie. Er ist stellvertretender Leiter der Abteilung für Kardiovaskuläre Bildgebung und Interventionelle Radiologie am AKH Wien. Neben ihren Jobs am AKH bzw. der MUW sind beide Mediziner privatärztlich in Wien tätig.

Nähere Information:
www.dr-margreiter.at
www.florianwolf.at

www.intervent-akhwien.at
www.meduniwien.ac.at/hp/urologie/

Ein Gesundheitsbeitrag von Mag. Sonja Streit.
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