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Migräne, die häufigste Kopfschmerzform

Volkskrankheit Migräne - Wie alternative Behandlungsmethoden helfen können.
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Migräne, die häufigste Kopfschmerzform

Über zehn Prozent der Menschen in Österreich leiden an Migräne. Dabei handelt es sich um primäre, periodisch-wiederkehrende Kopfschmerzen, von denen mittlerweile etwa 25 Formen existieren und die nicht selten einseitiger, pulsierender Natur sind. Zu den Begleiterscheinungen zählen unter anderem Übelkeit, Erbrechen, neurologische Ausfälle oder Licht- und Lärmempfindlichkeit. Menschen zwischen 30 und 50 sind am häufigsten betroffen, allerdings kann diese Kopfschmerzform auch schon im Kindesalter auftreten.

Ist die Diagnose „Migräne“ eindeutig, müssen sich Betroffene mit verschiedenen Behandlungsformen auseinandersetzen, denn heilbar ist sie nicht. Sie kann medikamentös sowohl prophylaktisch als auch akut behandelt werden, beispielsweise in Form von Schmerzmitteln oder Betablockern. Des Weiteren besteht die Möglichkeit, sie mit Hilfe des Nervengifts Botox (Botulinum Toxin Typ A, Anmerkung) oder chirurgisch zu therapieren.

Botox gegen Migräne

© Veith Moser / Dr.med.univ. Veith Moser / Zum Vergrößern auf das Bild klickenWährend Botox bis vor einigen Jahren vor allem als „Faltenkiller“ bekannt war, ist es heute ein anerkanntes Medikament, das auch in der Migränetherapie durchaus seine Daseinsberechtigung hat. „Botulinum hemmt die Erregungsübertragung von Nerven auf die Muskulatur. Patienten, bei denen konservative Methoden wie Physiotherapie oder Medikamente nicht anschlagen, sollten Botox als Alternative in Erwägung ziehen.“, rät der Facharzt für Plastische, Ästhetische und Rekonstruktive Chirurgie, Dr. Veith Moser. „Botox ist selbstverständlich nicht das erste Mittel der Wahl bei Migräne oder Spannungskopfschmerz, birgt aber für die genannten Personen die Chance auf ein schmerzfreies oder schmerzreduzierteres Leben.“ Die Substanz könne die Attackenfrequenz, -dauer und –intensität deutlich reduzieren.

In Österreich ist Botox als Medikament gegen Migräne seit Ende 2012 zugelassen, allerdings nur für Patienten mit chronischer Migräne, also jenen, die mindestens 15 Tage im Monat unter dieser Kopfschmerzform leiden. „Verabreicht wird es in diesen Fällen von Neurologen, die eine weit höhere Dosis spritzen als Plastische Chirurgen.“, weiß Dr. Moser. „Wir behandeln mit Botox ja keine neurologischen Erkrankungen, sondern verwenden es primär zur Faltenreduktion. Bemerken Patienten danach, dass ihre Migräneattacken verschwinden oder weniger werden, ist das quasi ein Zusatzbefund, mit dem man gezielt arbeiten kann.“ Auch unter Fachärzten für Plastische, Ästhetische und Rekonstruktive Chirurgie seien Migräneexperten zu finden, weshalb Betroffene nicht selten nur aus diesem Grund bei ihnen vorstellig würden, allerdings müsse der Patient die Kosten meist komplett selber tragen. „Unser Vorteil ist, dass unsere Erfahrungswerte in Bezug auf Botox sehr hoch sind, da wir es im ästhetischen Bereich anwenden. Wir injizieren zwar niedrigere Dosen, können es aber dennoch sehr gezielt einsetzen. Im Rahmen jeder Behandlung wird mit den Patienten genau besprochen, welche Punkte behandelt werden sollten – wir folgen keinen Richtlinien, sondern wissen aufgrund unserer Erfahrungen, welche Punkte an der Stirn, der Schläfe und im Nacken behandelt werden sollten, damit es den Betroffenen besser geht.“

Geeignet ist diese Form der Migränebehandlung sowohl für Männer als auch Frauen, ausgeschlossen von einer Botoxbehandlung sind für den Mediziner und seine Partnerin Dr. Shirin Milani-Helletzgruber aber schwangere und stillende Patientinnen. „Erfolgreich ist es bei beiden Geschlechtern.“, so der Mediziner. „Die Wirkung setzt nach etwa drei bis zehn Tagen ein und hält circa drei bis sechs Monate an. In seltensten Fällen können sich Antikörper bilden, was das Botox unwirksam, also die Therapie sinnlos macht. Botox ist keine Garantie für Schmerzfreiheit oder –reduktion, kann von Betroffenen aber durchaus als Chance gesehen werden. Ein Ausprobieren ist sicher empfehlenswert.“

Die Behandlung selbst ist zwar unangenehm, aber auszuhalten. Botulinum wird im Bereich der Stirn (Haaransatz, Schläfen, Zornesfalte, oberhalb der Augenbrauen) und im Nacken injiziert – individuell abgestimmt auf den Patienten, der vorher seine Triggerpunkte genau benennt. Es kann kurzzeitig zu minimalen Schwellungen im Bereich der Einstichstellen kommen, die nach kurzer Zeit wieder verschwinden. Langzeitnebenwirkungen sind keine bekannt.

Skalpell gegen Migräne

Weitaus einschneidender ist die chirurgische Migränebehandlungsform. „Vor einigen Jahren erkannte man, dass die Entfernung von Muskeln am Hinterkopf und im Stirnbereich (Zornesfalte) für eine Entlastung eingeengter Nerven sorgt und somit die Migräne verbessert oder eliminiert.“, so Dr. Veith Moser. Das Botox habe allerdings den gleichen Effekt, nämlich die Dekompression der Nerven, was diese Art der Operation praktisch überflüssig mache. „Die Botoxbehandlung muss zwar regelmäßig erfolgen, hat aber den Vorteil, sich dafür nicht unters Messer legen zu müssen und mimisch nicht so extrem eingeschränkt zu sein wie nach einer Muskelentfernung.“ Für Patienten, die Antikörper gegen das Gift gebildet haben oder die nicht immer wieder „botoxen“ gehen wollen, ist eine Operation vermutlich durchaus eine Option. „Allerdings sind derartige Eingriffe immer mit Risiken verbunden.“, gibt Dr. Moser zu bedenken. Im Rahmen der Operation könnten feinste Nerven verletzt werden, was die Bildung von Neuromen (schmerzhafte Nervenfaserbündel, Anmerkung) zur Folge hätte, die chronische Nervenschmerzen verursachen – weit schlimmer als jeder Migräneanfall.

Ob sich ein Patient für diesen Eingriff eignet, wird mit Hilfe eines Lokalanästhetikums, das während eines Migräneanfalls gespritzt wird, getestet. Ein Spitalsaufenthalt ist nicht zwingend notwendig, die Operation dauert ein bis zwei Stunden und findet unter Vollnarkose statt.

Die Behandlungsmethoden und Möglichkeiten, der Migräne zu Leibe zu rücken, sind vielfältig und leider nicht immer erfolgversprechend. Es gilt, sich keine falschen Hoffnungen zu machen, sondern mit entsprechenden Experten alle Szenarien durchzuspielen und sämtliche Optionen genau zu besprechen. Wichtig ist, sich kompetenten, erfahrenen Medizinern anzuvertrauen, die zum Wohle des Patienten agieren – unabhängig von ihrer Fachrichtung.

Nähere Informationen:
www.milani.at
www.medspa.cc
www.nervenschmerz.com

Ein Gesundheitsbeitrag von Mag. Sonja Streit.
 
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