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100 Jahre Salzburger Festspiele

Es lebe das Sterben!
Ausstellung zu 100 Jahre Salzburger Festspiele im Salzburg Museum.
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© Archiv der Salzburger Festspiele / Foto Ellinger / Großes Welttheater, Salzburger - Jedermann 1920 / Zum Vergrößern auf das Bild klicken

Es lebe das Sterben!
100 Jahre Festspiele Salzburg

Vor 100 Jahren brüllte zum ersten Mal eine todesbringende Stimme zu unheilvollem Glockengeläute über den Domplatz in Salzburg. Sie rief damit Festspiele ins Leben, die mit kurzen Unterbrechungen den wohl größten internationalen Künstlern aus Theater und Oper bis heute eine prachtvolle Bühne bieten.

© Archiv der Salzburger Festspiele / Ellinger / Großes Welttheater, Salzburg - Jedermann 1926 / Zum Vergrößern auf das Bild klickenDieses Kultur-Säkulum, gepackt voll mit Tragödien, Intrigen, politischem Wahnsinn, reizbaren Egos, sensiblen Sängern und schillernden Schauspielern hat jetzt seine eigene Bühne bekommen: Eine Landesausstellung (die dritte in Salzburg in wenigen Jahren), die in Zeiten wie dieser zu einer unübersehbaren Masse an Material eine zusätzliche Komponente zu bewältigen hat, die fehlenden Zuschauer und die Beschränkungen bei Personal, an Platz und durch Hygienemaßnamen. So lässt man der Ausstellung auch genügend Zeitraum, sie läuft vom 26.07.2020 bis 31.10.2021.
 
© Salzburger Festspiele / Forster / Großes Welttheater, Salzburg - Jedermann 2013 / Zum Vergrößern auf das Bild klickenVielleicht wäre sie etwas kleiner ausgefallen, hätte man Corona einplanen können, aber nun hat man die wunderbare Gelegenheit, ungestört von Menschenmassen intensiv zu hören, schauen und entdecken, was an Film- und Tonmaterial zusammengetragen wurde – denn höchsten 180 Besucher werden eingelassen, um Distanz zu ermöglichen. Motto des Konzepts der Ausstellung ist der Dialog. Gespräche über Leben und Tod mit Partnern ihrer Wahl zum Beispiel, bei dem viele bekannte Künstler offenbar gerne mitgemacht haben. Wie man hört waren sie nach anfänglicher Zurückhaltung sehr verblüfft, wie schnell eine Stunde um sein kann. Cornelius Obonya unterhält sich zum Beispiel mit seiner langjährigen Garderobefrau, Tobias Moretti mit Helga Rabl-Stadler, Elisabeth Trissenaar mit ihrem Mann, dem Regisseur Hans Neuenfels.
 
Auch der Dialog mit bildenden Künstlern wird gezeigt, etwa eine Figur des Papageno, dem die Vögel entkommen sind, von Yinka Shonibare. Oder eine völlig rätselhafte Installation von John Bock, für die alle Bestandteile, von der Bierflasche im Sandbett bis zur Maggi Fertigsuppenschachtel und dem Alufolienknäuel neben hängendem Styropor-Donut millimetergenau nach Fotos aufgebaut werden mussten. Zitate wichtiger Proponenten hängen anderswo auf blauen Druckfahnen von der Decke. Und ein Schweizer Künstler, Lionel Favre, hat berühmte Bühnenbilder weitergedacht und als Phantasie-Architekturzeichnungen technisch-akribisch zu Papier gebracht.
 
© Archiv Setzer-Tschiedel/Imagno/picturedesk.com / Großes Welttheater, Salzburg - Max Reinhardt / Zum Vergrößern auf das Bild klickenEin Blick auf Leopoldskron, das Schloss, das Max Reinhardt 18 Jahre bewohnte, bevor er es den Nazis überlassen musste, ist bühnenbildnerisch perfekt nachgebaut. Immer wieder und überall wird er zitiert und gezeigt, schließlich gilt er mit Hugo von Hofmannsthal als mutiger Gründer der Festspiele knapp nach dem ersten Weltkrieg. Auch der Blick auf die Zeit des Nationalsozialismus, kuratiert in Zusammenarbeit mit dem Jüdischen Museum in Wien, wird aufgearbeitet. Ein weiteres Thema: Die Mode der Besucher, die sich in Salzburg gerne in allen möglichen Phantasietrachten zeigten (und zeigen), was übrigens Juden in der Nazizeit streng verboten war. Auch Promis wie Marlene Dietrich und Hans Albers sieht man in Lederhose und Trachtenkostüm.
 
Und natürlich klingt überall Musik - aus Kopfhörern, als Klanginstallationen und sogar aus Ladenkästchen. So kann man die verschiedenen Inszenierungen und Dirigenten vergleichen, und die Entwicklung der Festspiele verfolgen: 1920 gab es sechs Vorstellungen – 2019 waren es 191. Dazu einige Zahlen: Die meistgespielten Oper waren „Le Nozze die Figaro“ (54 Saisonen), „Cosi fan tutte“ (45) und „Don Giovanni“ (43). Jedermann schallte es bisher 88 mal über den Domplatz. Christa Ludwig stand in 34 Jahren 183 mal auf der Bühne, Helene Thimig 258 mal in 30 Jahren. Die Herren waren mit Ricardo Muti (270 Vorstellungen in 49 Jahren) und Bernhard Paumgartner (340 mal in 41 Jahren) ebenso Salzburg-affin und rekordverdächtig.
 
© Salzburger Museum / Melanie Wressnigg / Großes Welttheater, Salzburg - Salzburg Museum / Zum Vergrößern auf das Bild klickenSchriftliches und (frei nach Peter Greenaways „100 Objects to represent the World”) 100 Objekte, die jedes einzelne Jahr der Festwochen illustrieren, findet man in der angeschlossenen Max Gandolph Bibliothek. Die 36 (!)m Archivschränke dürfen gegen Anmeldung an Sonntagnachmittagen geöffnet werden und enthalten 4000 Originalschriften, von Regieanweisungen bis Zeitungskritiken und Besucherzuschriften.
 
All das haben über 300 Mitarbeiter gefunden, gesammelt, geordnet, kuratiert, inszeniert und zu einer sehr lebendigen Schau installiert, in der man ganze Tage verbringen könnte (und sollte). Wer noch nicht genug hat, ergänzt im DomQuartier sein Wissen um die Hintergründe vieler Opernlibretti mit der Betrachtung der Gemälde, die die Griechischen Heldensagen zum Thema haben, ergänzt durch Fotos und Texte der gleichlautenden Operninszenierungen.
 
Öffnungszeiten: ​26. Juli 2020 bis 31. Oktober 2021
​​​26. Juli – 30. September 2020 täglich von 9h – 17h
1. Okt. 2020 bis 31. Okt. 2021 montags geschlossen​​​

Weitere Informationen:
www.salzburgmuseum.at

Ein 55PLUS-Kulturtipp von Elisabeth Hewson.
 
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