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Heute ist Sonntag, der 12.10.2008

Triest, Italien

Wien an der Adria mit wechselvoller Geschichte, vielen Schätzen und Kaffehaustradition.

55PLUS: Piazza dell`Unità
Triest
(tv-symbol klick zum TV/Web-Video) erweckt auf den ersten Blick vor allem durch seine Geschichte als einst wichtigste Hafenstadt der Donaumonarchie, durch seine klassizistischen Paläste aus dem 18. und 19. Jahrhundert, durch sein literarisches Leben und seine Kaffeehauskultur das Interesse des Besuchers und wird manchmal auch als „Wien an der Adria“ bezeichnet. Bei näherem Hinsehen ist das Besondere an Triest aber der Stimmungswandel, der sich seit einiger Zeit bei den Bewohnern dieser Stadt vollzieht.

In den Jahrzehnten nach dem Zweiten Weltkrieg pflegten die Triestiner den nostalgisch verklärten Blick auf die glamouröse k.u.k.-Vergangenheit, um ihre geschwundene Bedeutung in einem toten Winkel Italiens, direkt am Eisernen Vorhang, leichter ertragen zu können. Die politischen Entwicklungen des letzten Jahrzehnts haben aber dazu geführt, dass neue Hoffnung erwacht ist und der Blick wieder mehr auf die Zukunftsperspektiven gerichtet wird, die ja angesichts der jetzt offenen Grenzen und des schon erfolgten bzw. bald erfolgenden Beitritts der Balkanstaaten zur EU durchaus viel versprechend sind. Vor allem die jüngere Generation sieht in der kosmopolitischen Tradition der Stadt, in der italienische, österreichische, slawische, levantinische und jüdische Bewohner zusammen lebten, ein Modell für die Zukunft, das Triest aus der vergangenheitsorientierten wieder zu einer modernen Stadt machen könnte. Nachdem sich die unerbittliche „Bora der Geschichte“ gelegt hat, durch die die einstige Weltstadt im 20. Jahrhundert zu einer Provinzstadt am Rande Europas wurde, könnte Triest nun wieder zu einer bedeutenden Stadt an einem Schnittpunkt des zusammenwachsenden Kontinents werden.

55PLUS: Römisches Theater, Triest / Zum Vergrößern auf das Bild klickenDie Ursprünge der Stadt liegen auf dem Hügel San Giusto, wo im 3. Jahrhundert v. Chr. die erste Besiedlung erfolgte. Als die Römer 177 v. Chr. von Aquileia aus die ersten Feldzüge nach Istrien im damaligen Illyrien unternahmen, erhielten sie Unterstützung durch die Bewohner von Tergeste, der ersten Ortschaft in Illyrien, dem Gebiet östlich der Adria. Tergeste, später Trieste, wurde ab der Mitte des 1. Jahrhunderts v. Chr. eine römische Militärkolonie und nach dem Untergang des römischen Reiches, wie andere Städte im Nordosten Italiens, nacheinander von Goten, Byzantinern, Langobarden und Franken besetzt. Im Mittelalter war Triest eine freie Kommune italienischer Prägung.

Von 1382 bis 1918 war Triest mit Österreich verbunden – abgesehen von kurzen Unterbrechungen am Beginn des 16. Jahrhunderts und während der napoleonischen Besetzung – und verdankte dem österreichischen Kaiserhaus den Aufstieg zur erfolgreichen Handels- und Finanzmetropole, der mit der Erklärung zum Freihafen durch Kaiser Karl VI. (1719) begann. Die große Bedeutung, die Triest im Welthandel hatte, drückte sich etwa darin aus, dass von hier aus der Suez-Kanal mitfinanziert wurde und die Weltmarktpreise etwa für Kaffee wesentlich mitbestimmt wurden. Trotz der Verbundenheit mit Österreich waren viele Triestiner leidenschaftliche Anhänger der italienischen Freiheitsbewegung Irredenta und planten 1882 ein Attentat auf Kaiser Franz Joseph, das dann allerdings scheiterte.

Nach dem Ersten Weltkrieg fiel Triest zusammen mit Istrien an Italien und verlor damit als Hafen das riesige Hinterland der Donaumonarchie, was den wirtschaftlichen Niedergang unvermeidlich machte. 1947 kam der größte Teil der istrischen Halbinsel zu Jugoslawien, Triest und der schmale Küstenstrich bis Muggia kamen als „Freies Territorium Triest (Zone A)“ zunächst unter englisch-amerikanische Verwaltung und 1954 zu Italien. Der Hafen blieb zwar in Betrieb, erlangte aber nie mehr seine einstige Bedeutung. Durch den Zusammenbruch des Kommunismus und die europäische Integration ergeben sich für Triest als Hafenstadt aber neue Zukunftsperspektiven.

55PLUS: Casa Stratti, Triest / Zum Vergrößern auf das Bild klickenDas Herz der Stadt bildet die Piazza dell’Unità, die auf einer Seite zum Meer hin offen und auf den anderen drei Seiten von Palästen gesäumt ist. Von der Meerseite aus sieht man im Uhrzeigersinn links den Palazzo del Governo und die Casa Stratti (beherbergt heute die Assicurazioni Generali und  das berühmte Caffè degli Specchi), gegenüber der Meerseite den Palazzo Comunale und auf der rechten Seite den Palazzo Pitteri, das Hotel Duchi d’Aosta (mit dem formidablen Restaurant Harry’s Grill) und den Palazzo del Lloyd Triestino. Die monumentalen klassizistischen und historistischen Bauten sowie die Größe des Platzes verleihen diesem eine Atmosphäre nobler Repräsentanz, die so gar nichts von einer beschaulichen Piazza mit mediterranem Flair vermittelt. Wenn die kalte Bora vom Karst herunter weht, kann es selbst in der warmen Jahreszeit im Freien recht ungemütlich werden.

55PLUS: Palazzo del Governo, Triest / Zum Vergrößern auf das Bild klickenZur Erkundung der Stadt empfehlen wir zwei Spaziergänge. Der erste Spaziergang führt von der Piazza dell’Unità durch eine Passage im Palazzo Comunale, hinter dem die Altstadt beginnt. Man geht durch die kleinen Gassen zum römischen Theater, von wo der Weg über die Via Battaglia auf den Colle di San Giusto (mit der römischen Basilika, dem Castello di San Giusto und dem Dom San Giusto) führt. Wer nicht auf den Hügel gehen will, kann vom römischen Theater zum nahe liegenden Corso Italia gehen, einer beliebten Einkaufsstraße zwischen Piazza Goldoni und Piazza della Borsa. Hier, am unteren Ende des Corso Italia, befindet sich die Borsa Vecchia (alte Börse), die vom Glanz der wirtschaftlichen Vergangenheit zeugt und in der heute die Handelskammer residiert. Von der Piazza della Borsa sind es nur ein paar Schritte zurück zur Piazza dell’Unità.

55PLUS: Canal Grande, Triest / Zum Vergrößern auf das Bild klickenDer zweite Spaziergang ist etwas länger und führt in die nordöstlichen Stadtviertel Borgo Teresiano und Borgo Franceschino. Man verlässt die Piazza dell’Unità an der Hafenseite in nordöstlicher Richtung und gelangt nach wenigen Schritten zum Teatro Verdi und zum bekannten Caffè Tommaseo. Ein Stück weiter den Hafen entlang gelangt man zum Canal Grande, der am unteren Ende vom Palazzo Carciotti und am oberen Ende von der Kirche Sant’Antonio Nuovo dominiert wird. Hinter der Kirche kommt man zur Piazza San Giovanni, wo sich die Gran Malabar befindet, eine Traditionsvinothek mit einem beeindruckenden Angebot an Qualitätsweinen, vor allem aus einheimischer Produktion. Man quert dann die Via Carducci, eine belebte Hauptstraße, die man quert, um in die Via Battisti zu kommen. Hier findet man das wunderschöne Caffè San Marco (Via Battisti 18), das nach wie vor als Treffpunkt von Künstlern und Intellektuellen beliebt ist und von illustren Gästen wie James Joyce und Italo Svevo frequentiert wurde.

Auch die Irredentisten trafen sich hier, wo sie in den Hinterzimmern die unter den Habsburgern verbotene italienische Presse fanden und ihre politischen Pläne schmiedeten. Der damalige Besitzer Marco Lovrinovich war ein glühender Irredentist, der sich Trachomerreger in beide Augen praktizieren ließ, um nicht gegen Italien in den Krieg ziehen zu müssen. In einer Seitengasse der Via Battisti (Via San Francesco Assisi) befindet sich die große Synagoge, die von der lange Zeit bedeutenden jüdischen Gemeinde dieser Stadt zeugt. Parallel zur Via Battisti verläuft die Viale XX. Settembre, einer der schönsten Boulevards Europas. Gesäumt von alten Platanen und fünfstöckigen Gründerzeithäusern, reiht sich hier ein Café ans andere.

55PLUS: Schloss Miramare, Triest
Neben diesen beiden Spaziergängen durch Triest ist noch ein Ausflug in das nahe gelegene Castello Miramare empfehlenswert, von wo man schöne Ausblicke auf die triestinische Küste hat. Das Schloss mit seinem großzügig angelegten Park, den exotischen Pflanzen und den terrassierten Gärten wurde 1858 von Erzherzog Ferdinand Maximilian Joseph von Habsburg (genannt Maximilian, 1832 bis 1867) für sich und seine Frau Charlotte errichtet. Der jüngere Bruder von Kaiser Franz Joseph konnte den schönen Wohnsitz aber nur kurz genießen, denn er wurde 1864 zum Kaiser von Mexiko ausgerufen und dort 1867 von den Republikanern hingerichtet.

Berühmte Caffès in Triest:

55PLUS: Caffe degli Specchi, Triest / Zum Vergrößern auf das Bild klickenCaffè degli Specchi
Piazza dell`Unità 7

In der Casa Stratti. Unvergleichlich die zentrale Lage am Hauptplatz, umgeben von einer herrlichen Kulisse aus Meer und Prachtbauten. Sehen und gesehen werden, lautet hier die Devise.

55PLUS: Caffe Tomaseo, Triest / Zum Vergrößern auf das Bild klickenCaffè Tomaseo
Piazza Tomaseo 4c

Das älteste Kaffeehaus der Stadt wurde 1827 gegründet und liegt nur ein paar Schritte von der Piazza dell`Unità beim Teatro Verdi. Der üppige Stuck ist noch aus der Gründungszeit, das Mobiliar allerdings nicht mehr. Die langsamen, oft arroganten Kellner erinnern an manche Kaffeehäuser in Wien.

55PLUS: Caffe San Marco, Triest / Zum Vergrößern auf das Bild klickenCaffè San Marco
Via Battisti 18

Gehört zu den schönsten Jugendstil-Kaffeehäusern der Welt, in dem berühmte Literaten wie James Joyce und Italo Svevo zu Gast waren und das nach wie vor ein Treffpunkt für Intellektuelle und Künstler ist. Auch die Irredentisten trafen sich hier, wo sie in den Hinterzimmern die unter den Habsburgern verbotene italienische Presse fanden und ihre politischen Pläne schmiedeten.

Mehr über die Geschichte Friauls, Winzer & Weine sowie Restaurants finden Sie im Weinreise-Führer Auf historischen Spuren zu großen Weinen. Friaul
von Dr. Herbert Voglmayr.

Ein Reisetipp von Gustav Schatzmayr.
Web-Video von Hans Varga.

Triest Webfoto
Video - Triest, Weltstadt an der Adria

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