Triest erweckt auf den ersten Blick vor allem durch seine Geschichte als einst wichtigste Hafenstadt der Donaumonarchie, durch seine klassizistischen Paläste aus dem 18. und 19. Jahrhundert, durch sein literarisches Leben und seine Kaffeehauskultur das Interesse des Besuchers und wird manchmal auch als „Wien an der Adria“ bezeichnet. Bei näherem Hinsehen ist das Besondere an Triest aber der Stimmungswandel, der sich seit einiger Zeit bei den Bewohnern dieser Stadt vollzieht.

In den Jahrzehnten nach dem Zweiten Weltkrieg pflegten die Triestiner den nostalgisch verklärten Blick auf die glamouröse k.u.k.-Vergangenheit, um ihre geschwundene Bedeutung in einem toten Winkel Italiens, direkt am Eisernen Vorhang, leichter ertragen zu können. Die politischen Entwicklungen des letzten Jahrzehnts haben aber dazu geführt, dass neue Hoffnung erwacht ist und der Blick wieder mehr auf die Zukunftsperspektiven gerichtet wird, die ja angesichts der jetzt offenen Grenzen und des schon erfolgten bzw. bald erfolgenden Beitritts der Balkanstaaten zur EU durchaus viel versprechend sind.
Vor allem die jüngere Generation sieht in der kosmopolitischen Tradition der Stadt, in der italienische, österreichische, slawische, levantinische und jüdische Bewohner zusammen lebten, ein Modell für die Zukunft, das Triest aus der vergangenheitsorientierten wieder zu einer modernen Stadt machen könnte. Nachdem sich die unerbittliche „Bora der Geschichte“ gelegt hat, durch die die einstige Weltstadt im 20. Jahrhundert zu einer Provinzstadt am Rande Europas wurde, könnte Triest nun wieder zu einer bedeutenden Stadt an einem Schnittpunkt des zusammenwachsenden Kontinents werden.
Von 1382 bis 1918 war Triest mit Österreich verbunden – abgesehen von kurzen Unterbrechungen am Beginn des 16. Jahrhunderts und während der napoleonischen Besetzung – und verdankte dem österreichischen Kaiserhaus den Aufstieg zur erfolgreichen Handels- und Finanzmetropole, der mit der Erklärung zum Freihafen durch Kaiser Karl VI. (1719) begann. Die große Bedeutung, die Triest im Welthandel hatte, drückte sich etwa darin aus, dass von hier aus der Suez-Kanal mitfinanziert wurde und die Weltmarktpreise etwa für Kaffee wesentlich mitbestimmt wurden. Trotz der Verbundenheit mit Österreich waren viele Triestiner leidenschaftliche Anhänger der italienischen Freiheitsbewegung Irredenta und planten 1882 ein Attentat auf Kaiser Franz Joseph, das dann allerdings scheiterte.
Nach dem Ersten Weltkrieg fiel Triest zusammen mit Istrien an Italien und verlor damit als Hafen das riesige Hinterland der Donaumonarchie, was den wirtschaftlichen Niedergang unvermeidlich machte. 1947 kam der größte Teil der istrischen Halbinsel zu Jugoslawien, Triest und der schmale Küstenstrich bis Muggia kamen als „Freies Territorium Triest (Zone A)“ zunächst unter englisch-amerikanische Verwaltung und 1954 zu Italien. Der Hafen blieb zwar in Betrieb, erlangte aber nie mehr seine einstige Bedeutung. Durch den Zusammenbruch des Kommunismus und die europäische Integration ergeben sich für Triest als Hafenstadt aber neue Zukunftsperspektiven.
Auch die Irredentisten trafen sich hier, wo sie in den Hinterzimmern die unter den Habsburgern verbotene italienische Presse fanden und ihre politischen Pläne schmiedeten. Der damalige Besitzer Marco Lovrinovich war ein glühender Irredentist, der sich Trachomerreger in beide Augen praktizieren ließ, um nicht gegen Italien in den Krieg ziehen zu müssen. In einer Seitengasse der Via Battisti (Via San Francesco Assisi) befindet sich die große Synagoge, die von der lange Zeit bedeutenden jüdischen Gemeinde dieser Stadt zeugt. Parallel zur Via Battisti verläuft die Viale XX. Settembre, einer der schönsten Boulevards Europas. Gesäumt von alten Platanen und fünfstöckigen Gründerzeithäusern, reiht sich hier ein Café ans andere.

Neben diesen beiden Spaziergängen durch Triest ist noch ein Ausflug in das nahe gelegene Castello Miramare empfehlenswert, von wo man schöne Ausblicke auf die triestinische Küste hat. Das Schloss mit seinem großzügig angelegten Park, den exotischen Pflanzen und den terrassierten Gärten wurde 1858 von Erzherzog Ferdinand Maximilian Joseph von Habsburg (genannt Maximilian, 1832 bis 1867) für sich und seine Frau Charlotte errichtet. Der jüngere Bruder von Kaiser Franz Joseph konnte den schönen Wohnsitz aber nur kurz genießen, denn er wurde 1864 zum Kaiser von Mexiko ausgerufen und dort 1867 von den Republikanern hingerichtet.
Berühmte Caffès in Triest:
Piazza dell`Unità 7
In der Casa Stratti. Unvergleichlich die zentrale Lage am Hauptplatz, umgeben von einer herrlichen Kulisse aus Meer und Prachtbauten. Sehen und gesehen werden, lautet hier die Devise.
Piazza Tomaseo 4c
Das älteste Kaffeehaus der Stadt wurde 1827 gegründet und liegt nur ein paar Schritte von der Piazza dell`Unità beim Teatro Verdi. Der üppige Stuck ist noch aus der Gründungszeit, das Mobiliar allerdings nicht mehr. Die langsamen, oft arroganten Kellner erinnern an manche Kaffeehäuser in Wien.
Via Battisti 18
Gehört zu den schönsten Jugendstil-Kaffeehäusern der Welt, in dem berühmte Literaten wie James Joyce und Italo Svevo zu Gast waren und das nach wie vor ein Treffpunkt für Intellektuelle und Künstler ist. Auch die Irredentisten trafen sich hier, wo sie in den Hinterzimmern die unter den Habsburgern verbotene italienische Presse fanden und ihre politischen Pläne schmiedeten.
Ein Reisetipp von Gustav Schatzmayr.
Web-Video von Hans Varga.

Video - Triest, Weltstadt an der Adria
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