Waterford, IRL - Hafen - © Edith Spitzer, Wien
Waterford - Wikinger, Glasschleifer und Mister Congreve
Waterford, die ehemalige Wikinger-Siedlung im Südosten der Insel, gilt als älteste Stadt Irlands. Am Fluss Suir, unweit seiner Mündung in den Atlantik gelegen, ist Waterford eine touristische Mischung aus Geschichte, Glasindustrie und Natur.
Waterford, IRL - Medieval Museum - © Edith Spitzer, Wien
The Viking Triangle
Seine Gründungsgeschichte ist in Waterford allgegenwärtig und wird von jenem Teil der Stadt repräsentiert, der den Beinamen das Wikinger Dreieck, The Viking Triangle, trägt. Um diese faszinierende Geschichte näher kennen zu lernen, sollte man auf jeden Fall das Medieval Museum besuchen, in dem wissenschaftlich fundiert, aber dennoch leicht verständlich, die Zeit der großen Wikinger Eroberungen und die Gründung von Waterford akribisch aufbereitet werden.
Waterford, IRL - Medieval Museum_Ausstellung - © Edith Spitzer, Wien
In dem magischen Wikinger-Dreieck finden sich noch weitere Relikte aus dieser Epoche, allen voran der Reginald’s Tower, ein markanter, runder Steinturm direkt am Stadtkai, der Teil der alten Stadtmauer war. Vor dem Turm sind heute ein Wikingerschiff und die Attrappe eines Wikingerkriegers platziert, der zu Selfies einlädt. Gleich dahinter befindet sich das bekannte Pub The Reg.
Waterford, IRL - Viking Triangle_Wikingerschiff - © Edith Spitzer, Wien
Thomas Francis Meagher
Ein berühmter Sohn der Stadt ist Thomas Francis Meagher, der dort 1823 geboren wurde und aufgrund dessen Initiative die irische Flagge in Anlehnung an die französische, eine Trikolore aus den Farben grün (für die Katholiken), orange (für die Protestanten) und dazwischen weiß (für Frieden und Harmonie zwischen den beiden Religionsgruppen) geworden ist. Meagher’s revolutionärer, irischer Freiheitsdrang wurde ihm beinahe zum Verhängnis, da er von den Engländern gefangen genommen und zum Tode durch Vierteilen verurteilt wurde, was generelles Entsetzen auslöste. Auf Druck der Öffentlichkeit wurde seine brutale Hinrichtung ausgesetzt und in eine lebenslange Haft in Tasmanien/Australien umgewandelt. Von dort floh er in die Vereinigten Staaten und machte in Amerika bis zu seinem frühen Ableben als Anwalt und Offizier der US (Nordstaaten) Army Karriere. Noch heute genießt Meagher in Waterford große Verehrung.
Waterford, IRL - Glasmanufaktur - © Edith Spitzer, Wien
Glas, das Gold von Waterford
Waterford ist für sein Kristallglas weltbekannt. Seit 1783 wird in der Stadt am Suir Glas im großen Rahmen produziert, jedoch mit wechselhaftem Erfolg. Mehrere Pleiten gefährdeten den Wirtschaftsstandort und die große Glastradition. Seit 2010 produziert Waterford Crystal am nunmehrigen Standort in der City wieder im größeren Stil. Ergänzend zur eigentlichen Glasproduktion stützt sich das Unternehmen auf den touristischen Aspekt von Führungen im Rahmen seiner Waterford Crystal Tour.
Waterford, IRL - Glasmanufaktur_Glasbläser - © Edith Spitzer, Wien
Dabei gewinnen die Besucher interessante Einblicke in den handwerklichen Produktionsprozess, bei dem neben klassischer Verkaufsware auch international hochgelobte und preisgekrönte Einzelstücke hergestellt werden. Von den ersten Skizzen über die Holzschablonen bis zum fertigen Endprodukt wird bei den Führungen die gesamte Produktionskette präsentiert. Auch Laien wie uns wird dabei schnell klar, wie unglaublich aufwendig und schwierig die Herstellung hochwertiger Kristallgläser ist. Sollte man an der handwerklichen Glaskunst Gefallen gefunden und einen guten Kontorahmen haben, kann man im anschließenden Verkaufsraum die Glasobjekte seiner Begierde käuflich erwerben.
Waterford, IRL - Mount Congreve Garden - © Edith Spitzer, Wien
Exkurs: Am Greenway zum Mount Congreve
Irland wird bei Radurlaubern zunehmend beliebter und präsentiert mit dem Waterford Greenway eines seiner besten Fahrrad-Projekte. Auf 46 Kilometern verbindet dieser einzigartige Radweg die historische Hafenstadt Waterford mit dem malerischen Küstenort Dungarvan und bietet nicht nur beeindruckende Landschaften, sondern auch kulturelle und historische Highlights. Für uns Grund genug, bei Waterford Greenway Bike Hire e-Bikes zu leihen und los zu radeln. Jedenfalls die rund 8 Kilometer zu Mount Congreve Gardens.
Waterford, IRL - Greenway nach Dungarven - © Edith Spitzer, Wien
Der exzentrische Ambrose Congreve, letzter Sproß jener ehrwürdigen englischen Familie, die seit dem 18. Jahrhundert dieses Landgut innehatte, schuf aus wilder Natur ein weltweit anerkanntes Gartenparadies. Zeit genug hatte Ambrose, denn er war nicht nur zeitlebens ein fanatischer Workoholic, sondern erlag bei bester körperlicher und geistiger Konstitution einem Sekundentod. Am Blumenmarkt mit sage und schreibe 104 Jahren.
Waterford, IRL - Mount Congreve Garden_Azalee - © Edith Spitzer, Wien
Congreve war nicht nur ein Freund von Queen Elizabeth II., die seine Gartenkünste bewunderte und ihm dafür den prestigeträchtigen Order of the British Empire verlieh, er erfuhr zahlreiche nationale und internationale Ehrungen und Auszeichnungen für sein Lebenswerk, die Gärten seines Anwesens. Ambrose Congreve war aber keinesfalls der menschenfreundliche Gärtner von nebenan. Er war ein gestrenger Landlord mit einer ihm untertänigen Dienerschaft nach altem, extrem hierarchischem Stil. Nichtsdestotrotz hinterließ der kinderlose Ambrose sein Anwesen dem irischen Staat und uns Touristen ein grünes Paradies, mit einer beeindruckenden Sammlung an Rhododendren, Kamelien, Azaleen und Magnolien. Ob Gartenfreak oder nicht, Mount Congreve Gardens sollte man auf jeden Fall besuchen. Am besten mit dem Fahrrad.
Waterford, IRL - River Suir - © Edith Spitzer, Wien
Anreise und Hotel
Mit der Bahn ging es in knappen 45 Minuten von Kilkenny nach Waterford. Vom Bahnhof waren es dann knappe 20 Minuten, gemütlich zu Fuß zum Granville Hotel, in dem wir zwei Nächte verbrachten.
Waterford, IRL - Granville Hotel - © Edith Spitzer, Wien
Das altehrwürdige Granville Hotel ist ein historisches Highlight von Waterford. Ursprünglich im 18. Jahrhundert als Herrenhaus erbaut, ist es heute eines der bekanntesten Hotels in Irland. Es war das Geburtshaus von Thomas Francis Meagher, dem großen irisch-amerikanischen Freiheitskämpfer. Die traditionsreiche Atmosphäre des Granville Hotels spiegelt sich nicht nur im Interieur, sondern auch in der Belegschaft wider, die noch sehr (britisch) traditionalistisch ausgerichtet ist. Ein interessantes Haus in bester Lage aber doch stark mit großen, vor allem US-amerikanischen Reisegruppen ausgelastet, was mitunter das Frühstückserlebnis einschränken kann.
Irland - grüne Insel - © Edith Spitzer, Wien
Resümee
Waterford, die alte Wikinger-Stadt jongliert irgendwie gekonnt zwischen ihren historischen Wurzeln und der irischen Modernen. Deutlich ist das nahe liegende Meer zu spüren und dadurch eine gewisse Weltoffenheit, die sich sowohl in der Bevölkerung als auch in den touristischen Angeboten niederschlägt. Zur Zeit gibt es eine rege Bautätigkeit, die einen weiteren wirtschaftlichen Aufschwung erwarten lässt. Waterford ist zudem ein toller Ausgangspunkt für Radtouren, zum Beispiel entlang des neuen Waterford Greenway. Zudem ist die Stadt sehr gut an den öffentlichen Bahnverkehr angebunden. Ein Besuch lohnt allemal.
JV
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