Der Trentino in Südtirol ist abwechslungsreich - von schroffen Felsen, historischen Städten, glitzernden Seen, sportlichen Aktivitäten und einmaligem Genuss.
Eine Landschaft wie von Riesen ausgegraben, aufgetürmt, wieder zerschmettert; wie zerschnitten, verschoben, abgerundet oder spitz gefeilt. Dazwischen sieben Seenspiegel und darüber ein Himmel, der meist strahlt wie von Kitsch-Malern erfunden. Es ist das Trentino in Südtirol mit dem Gardasee als quirligem Auffangbecken mit Meeresflair.
Wer den größten See Italiens, immerhin 51 km lang, hinter sich lässt, und sich in Richtung Dolomiten orientiert, in den teil breiten, teils schmalen Tälern, vom Atesino-Gletscher gestaltet, sollte Arco als Ausgangspunkt einer Entdeckungsreise auf den Spuren der Eiszeiten wählen. Was diese einst mehrere hundert Meter dicke Eisschicht abwechselnd beim Abtauen und wieder Auftürmen aus dem Felsen geschürft hat, was Dinosauriern Lebensraum bot und schließlich von wagemutigen Menschen besiedelt wurde, ist bizarre Kulisse für Burgen, Ruinen, kurvigste Straßen, in den Hang geklebte Dörfer und Weinstöcke, die auch das kleinste Plateau begrünen.
Wie ein Finger, der deutet „hierher!“ ragt der Burgberg von Arco, auf den man eine talbeherrschende Burg setzte, aus der Schwemmebene empor, die sich neben wein-, auch obst- und olivenbaumbepflanzt Richtung Gardasee ausbreitet. Inspiration für Rainer Marie Rilke, der die Gegend in Gedichten pries, einst Kurort und Heilbad, Liebling der Habsburger und eleganter „Winterfrischler“, die sich hier Jugendstilvillen leisteten, ein Kasino beehrten und das milde Klima genossen: den in das Tal hineinblasenden Südwind Ora, den in Gegenrichtung wehenden Nordwind Sowa, die beide die Trauben sauber halten und ein wunderbares Mikroklima schaffen. Um eine prachtvolle Marmor-Piazza mit Kirche und barockem Marien-Brunnen, wo man dank dem steilwandigen Monte Colodri zwei Mal den Sonnenuntergang erleben kann, tummelt sich eine kleine, romantische Altstadt, in der ein wunderbares Lokal neben dem anderen die Wahl schwer macht – im Zweifelsfalle ins Alla Lega mit Weinblätterdach.
Wandern, klettern, auf den Burgberg mit unvergleichlicher Aussicht (auch nachts!) spazieren, natürlich segeln und surfen im 5 km entfernten Gardasee – und schwimmen, vielleicht im Ledrosee im Valle di Ledro, Radfahren oder Wandern, und damit die verzauberten Täler rund um Arco entdecken.
Das Valle di Ledro, entweder über die alte Fahrstraße, die heute Radweg ist, oder durch zwei Tunnels erreichbar, führt von Ost nach West, wird länger von der Sonne gestreichelt als zum Beispiel Riva am Gardasee, hat aber auch seine „dunklen Seiten“, wie das Dorf Pré, bekannt als Dorf der Schmiede, die am Abfluss des Ledro-Sees ihre Mühlen bauten und in Tirol begehrte Handwerker waren. Dorthin verirrt sich drei Monate lang kein Sonnenstrahl, und so feiert man dann begeistert am 5. oder 6. Februar das Sonnenfest, wenn es wieder Licht wird im dunklen Tal.
Am Ufer des Ledro-Sees fand man 1929, als der Wasserspiegel sank, weil man einen Zufluss zum Kraftwerk in Riva baute, Reste von Pfahlbauten, gut konservierte 11.000 Pfähle, die im Ufermuseum ihre Geschichte erzählen. Auch einige Pfahlbauten mit ihren strohgedeckten Dächern (die hier übrigens bis 1939 üblich waren, dann wegen Brandgefahr von der Regierung verboten wurden) kann man betreten.
Im Ledro-Tal hat eine junge Käserin den Hof ihres Vaters übernommen, um liebevoll Heumilchkäse herzustellen, ein echter Familienbetrieb. Die von ihr geschaffene Marke „Latte Ledro“ hat es schon in viele Restaurants geschafft, sie produziert je nach Hanglage mit drei Sorten Heu verschiedenen Käsegeschmack und hat noch viele Pläne, wie sie wo was ausbaut, vielleicht Pferde dazu nimmt. Im Hofladen kann man das verkosten und den Geschmack des Ledro-Tales mitnehmen.
Es gibt viel Holz in diesem Tal, vieles davon trägt als Pfähle die Palazzi Venedigs, und auch die Tischler von hier waren begehrt und wurden gerne in Venedigs „Arsenale“ beschäftigt. Ein wirklich einzigartiges, unerklärtes Naturschauspiel ist im Mai im angrenzenden Dromaé-Tal zu erleben: dort, und sonst nirgends, sprießen riesige Felder von Pfingstrosen, ein rosa Teppich. Auch die Kulinarik ist hier ungewöhnlich: Im Lokal Maggjorina gibt es echt böhmische Germknödel, von der Großmutter, die nach Böhmen ausgewandert war, als Spezialität mitgebracht und in vielen Varianten, süß, pikant, deftig, nicht nur von den Einheimischen geliebt.
In Ledro am See kann man auch ein kleines Apotheker-Museum, Fam Foletto, besuchen, ebenfalls ein Jahrhunderte alter Familienbetrieb, der Heilung und Kräuterkunde in das Tal brachte.
Ein anderes Tal, eine andere Landschaft: durch das Valle del Sarca zum Hochplateau Comano am Fuß der Brenta-Dolomiten. Vorbei an den Marocche di Dro, einem riesigen Felssturzgebiet, dem größten der gesamten Alpen. Ganze Felspakete brachen in der letzten Eiszeit von den Bergen, liegen bis heute wie eine Urlandschaft im Sarca-Tal. Ein ungewöhnliches Naturdenkmal, Fundort vieler Fossilien, mit Gletschermühlen und Strudeltöpfen, auf einem Rundwanderweg mit interessanten Infotafeln erklärt. Und der nächste See wartet, Lago di Cavedine. Weiter nach Madruzzo, wo die junge Winzerin Erika mit ihrer Schwester Giulia auf dem Weingut Pravis grandiose Weine produziert, nach der Tradition ihres Vaters und mit vielen neuen Ideen und Techniken. Ganz nett auch der Nussbauer in Pra Cavai, dessen Mutter eine g‘schmackige Brettljause serviert. Auch dort: Hofladen. Die eingelegten Nüsse, süß oder in Essig, mitnehmen, wunderbar zum Käse.
Oder man erkundet das Valle dei Laghi, das Tal der vielen Seen, wo die Nosiola-Rebe gedeiht, aus der der wertvolle „Vino Santo“ gekeltert wird. Unbedingt auch die vielen Grappa-Sorten probieren, die hier in Destillerien angeboten werden. Besonders romantisch: das Schloss Toblino am gleichnamigen See, von März bis Oktober als Restaurant geöffnet.
Hier liegt auch eines der schönsten, viele meinen das schönste der Dörfer des Trentino, Rango. Enge Gässchen, Steinhäuser mit Holzbalkonen, gewölbte Durchgänge und Brückchen zwischen den Häusern, steile Gassen, Treppen und wunderschöne Durchblicke - durch viele Rettungsinitiativen von einer fast verlassenen Dorfruine zu einem Denkmal der sinnvollen, praktischen Baukunst unserer Vorfahren gemacht.
Zurück in Arco, vielleicht im Klosterhotel Arx Vivendi, ein renoviertes, revitalisiertes, mit minimalistischem, grandiosem italienischen Design zu einer Ruheoase umgebaut. Im Klostergarten locken Pool und Sauna/Hamam-Glaskuben, man liegt unter Zypressen und Orangenbäumen und die Welt ist weit, weit weg.
Und noch ein Restaurant-Tipp, nur 5 km entfernt von Arco, direkt am Ufer des Gardasees, La Terrazza in Torbole, freundlich und einfach köstlich: http://www.allaterrazza.com/de/
Ein Südtirol-Beitrag von Elisabeth Hewson.
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von Franz Schambergervor mehreren Monaten
Der Titel Trient in Südtirol ist irreführend, das oder der Trentino liegt nicht in Südtirol. Trentino-Südtirol ist eine autonome Region im Norden Italiens und teilt sich in die Autonome Provinz Bozen und die Autonome Provinz Trient. Hauptstadt ist Trient, wobei Bozen auch eine Hauptstadtfunktion hat und Südtirol einen eigenen Landeshauptmann. Die im Artikel beschriebenen Orte liegen im Trient und nicht in Südtirol.