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Städtereise Mannheim, Deutschland

Mannheim - Geheimtipp in Baden-Württemberg.
Mannheim, DE - Springbrunnen mit Wasserturm - © Elisabeth Hewson, Wien

Bald staun‘ ich am Neckar, 

bald schlemm‘ ich am Rhein...

Größer als Versailles. Ein Straßenplan wie in New York. Ein Wasserturm von monumentaler Größe. Die Lieblingsstadt von Schiller und vieler Erfinder, gerne besucht von Mozart und Heimat der ersten Kunstprofessorin. Darüber staunt der Besucher in - Mannheim

Mannem, wie man hier sagt, kennt man vielleicht als „Quadratestadt“ – so wurde sie von Kurfürsten Friedrich IV. von der Pfalz angelegt, der das Dorf am Zusammenfluss von Neckar und Rhein 1607 als starke Festung zur Sicherung der Kurpfalz in 144 Quadraten aufbauen ließ: die geraden Straßen sollten den Kanonen freien Schuss auf Eindringlinge ermöglichen.

Mannheim, DE - Schloss - © Elisabeth Hewson, Wien

Um dringend gesuchte Arbeiter und Bewohner in die geplante Stadt zu locken, verteilte man im ganzen Land Flugzettel „Wir suchen und fordern alle und jede ehrliche Leute, Handwerker und andere, die sich unterstehen und Lust haben, in unserer neuen Stadt Mannheim zu wohnen, sich bei uns zu melden“. Viele kamen, oft ungelernt, konnten kaum lesen, und um ihnen die Orientierung zu erleichtern, wurde, statt Straßennamen zu verwenden, jeder Häuserblock, also jedes Quadrat, mit einer Kombination aus Buchstaben und Zahlen bezeichnet, die einzelne Adresse mit einer Hausnummer gekennzeichnet, z.B. D6 18. Klingt ziemlich verwirrend, Einheimische finden es selbsterklärlich. 

Die Stadt wuchs - durch Pfälzerwald und Odenwald klimatisch geschützt. Mit nur wenig Niederschlag, aber dank der beiden Flüsse mit hoher Luftfeuchtigkeit, die sich besonders im Sommer bemerkbar macht. Immer wieder wurde sie zerstört, immer wieder aufgebaut. 1720 zur Residenzstadt gewählt, ließ der Kurfürst Carl Theodor als Symbol seiner Größe und als Mittelpunkt der Stadt das Mannheimer Schloss errichten, ehrgeizig und etwas großmannssüchtig mit einem Fenster mehr als Versailles. Mozart kam oft zu Besuch, wie auch Schiller, dessen „Räuber“ hier uraufgeführt wurden - zum Entsetzen des Adels, zur Freude des Bürgertums. Goethe, Lessing und Herder waren gerne gesehene Gäste des Kurfürsten, der ein großzügiger Förderer vieler KünstlerInnen war, wie der Kabinettmalerin Catharina Treu, die später in Düsseldorf zur ersten Professorin für Malerei in Deutschland ernannt wurde.

Mannheim, DE - Binnenhafen - © Elisabeth Hewson, Wien

Hier wurde einer der ersten Blitzableiter Deutschlands an einem Haus montiert, am 2. August 1776. Eine längere Zeit war es eher still um Mannheim, doch der Erfindergeist war emsig, der Unternehmergeist wach. Karl von Drais erfand 1816 das Zweirad, eine hölzerne Laufmaschine, die viel Spott erntete: „Ein zwecklos lächerliches Ding“. Der erste Hafen am Rhein wurde  gebaut (heute der zweitgrößte Binnenhafen Deutschlands), die Eisenbahnstrecke nach Basel eröffnet, die Gasbeleuchtung eingeführt.

Der Wasserturm, gespeist aus dem Käfertaler Wald, heute Wahrzeichen und Treffpunkt inmitten eines Parks mit Springbrunnen und Wasserspeiern, brachte 1889 sauberes Wasser zu den bald 100.000 Einwohnern.

Mannheim, DE - Wasserturm - © Elisabeth Hewson, Wien

Mannheim wurde mehr und mehr zu einem Ideen-Hotspot

Carl Benz baute das erste Auto, den dreirädrigen „Benz-Patent-Motorwagen“, Werner von Siemens den ersten elektrischen Aufzug der Welt.
Der erste Hafen am Rhein wurde mit 52 km Hafenmauer 1835 angelegt.
Und der erste Radweg – weltweit – im Mannheimer Schlosspark. 
Die Stadt am anderen Ufer des Rheins, Ludwigshafen, war bald wirtschaftlich ebenfalls höchst erfolgreich - mit der „Badischen Anilin & Sodafabrik“ BASF, gegründet 1865 von Friedrich Engelhorn. Architektonisch war sie es eher nicht. „Was ist schön an Ludwigshafen? Der Blick auf Mannheim.“ Sie hat bis heute den Spitznamen „hässlichste Stadt Deutschlands“. 

Doch nicht nur Köpfchen ist wichtig in der heutigen Universitätsstadt, im „pfälzischen Florenz“, wie man Mannheim im 18. Jahrhundert nannte. Man trifft sich gerne in den vielen Lokalen, sinniert und babbelt mannemerisch sehr gemütlich und schmackhaft im „Gasthaus am Fluss“, vielleicht bei einem Wurstsalat mit Pommes, einer hier beliebten Kombination. Oder man gönnt sich ein „Fine Dining“ auf dem netten Museumsschiff, fest am Neckar verankert, von einsatzbereiten Liebhabern vor dem Verschrotten gerettet, vom entspannten Michelin-Koch Denis Maier mit seinem Lokal „Tourist Trap“ seit einigen Wochen kulinarisch veredelt. Später vielleicht noch eine Bierverkostung im „Taproom Jungbusch“ im Szenenviertel Jungbusch in der Innenstadt? Auch Bier ist hier ein Thema. 

Mannheim, DE - Gasthaus am Fluss - © Elisabeth Hewson, Wien

Zwischendurch ein Sprung in die Konditorei Herrdegen

Zum Kaffee gibt‘s „Mannemer Dreck“ nach einem Originalrezept von 1822, ein besonderer „Protest-Lebkuchen“. Er wurde einst in Kack-Form von einem Konditor gebacken und ins Schaufester gelegt, der sich darüber ärgerte, dass man nach einer  Polizeivorschrift zwei Reichsthaler Strafe zahlen sollte, wenn man „...den im Haus gesammelten Koth mit dem Kehricht auf die Straße bringt.“ Die Familie Herrdegen bäckt diese Spezialität, heute allerdings in normaler Lebkuchenform, seit 150 Jahren. 

Mannheim, DE - Mannheimer Dreck - © Elisabeth Hewson, Wien

Oder man gönnt sich ein Spaghetti-Eis, wenn nicht hier – wo sonst? Denn diese weltbekannte Eiskreation wurde genau hier, im Eiscafé  Fontanella, am denkwürdigen 6. April 1969 von Dario Fontanella Gregori erfunden, als er für seinen Vater mit einer Kartoffelpresse aus Vanilleeis Nudeln, aus Erdbeersoße Sugo und aus weißen Schokoraspeln Parmesan imitierte - auf Schlagobers angerichtet. „Damals waren die ersten Gäste nicht sehr begeistert, Kinder waren enttäuscht, dass es keine echten Spaghetti waren“. Heute werden sie jährlich 50 Millionen mal allein in Deutschland gelöffelt. „Patent gab es keines“, seufzt Dario Fontanella heute.

Noch ein Tipp für Mannheim-Besucher, ungewöhnlich, unerwartet, etwas außerhalb, geschäftsmäßig perfekt neben der Dualen Hochschule gelegen, von der Pausenwillige sich ständig Stärkung holen: Die Kaffeerösterei AGÁTA. Die quirlige Rösterin Elisabetta Rossi hat auch damit eine gute Nase bewiesen. Sonst nützt sie sie für ihre besondere, „mittelhelle“ Rösttechnik, mit der sie schon Röstmeisterschaften gewonnen hat. Und, um in Barista-Kursen ihr Wissen weiterzugeben. Man kann hier lernen, wie man Kaffee professionell testet, den Schaum, den Duft, und natürlich einen der speziell gerösteten Kaffees probieren.

Mannheim, DE - Kaffeerösterei Agàta - © Elisabeth Hewson, Wien

Wenn schon in Mannheim, dann sollte man doch gleich im Mannheimer Hof absteigen, vom bekannten Architekten Fritz Becker im eleganten Flair der 1930er Jahre durchgestylt. Gleich neben dem Wahrzeichen Mannheims, dem fontänenumsprudelten Wasserturm auf dem Friedrichsplatz. Erst kürzlich behutsam und liebevoll, „geschichtsbewusst aber nicht altmodisch“ renoviert, sollte man die vielen wohldurchdachten Details optisch genießen. Wie die Aufzüge. Oder die kunstvollen Handläufe im Stiegenhaus. Wie die passenden neuen Deko-Akzente und die nette Bar mit Ausblick auf den neuen Innenhof, der mit Brunnen und Schirmen ein Stück Italien nach Mannheim bringt. Etwas ganz Besonderes findet man im Keller. Ja, Fitness Studio und Sauna - aber auch eine Kleinkunstbühne namens „Schatzkistl“. Davon gibt es in Mannheim etwa 10, und immer wieder Pop-Up-Veranstaltungen in den 38 (!) Stadtvierteln. Seit über 400 Jahren ist immer etwas los in Mannheim.

Mannheim, DE - Hotellobby Mannheimer Hof - © Elisabeth Hewson, Wien

Weitere Tipps:

Gasthaus am Fluss:
https://www.rheinterrassen.info

Casual Fine Dining Gastronomie „The Tourist Trap”:
https://the-tourist-trap.de

Taproom Jungbusch:
https://www.taproomjungbusch.de

Konditorei Herrdegen:
https://herrdegen.de

Eismanufaktur Fontanella “Intermezzo”:
https://www.eisfontanella.de

Rösterei und Café AGÀTA:
https://agata-kaffee.de

Hotel Mannheimer Hof:
https://www.leonardo-hotels.de/mannheim/hotel-mannheimer-hof-leonardo-limited-edition


Nähere Informationen:
www.mannheim.de

Ein Beitrag von Elisabeth Hewson.

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