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Rügen - Insel der weißen Perlen

Insel der weißen Perlen und tanzenden Hyparschalen.
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© TMV / Süß / Rügen, DE - Binz / Zum Vergrößern auf das Bild klicken

Rügen - Insel der weißen Perlen und tanzenden Hyparschalen

Die größte Insel Deutschlands wurde zum mondänen Badeparadies. An diese Zeit erinnern die herrschaftlichen Strandvillen, schwungvollen Schalenbauten und ehrwürdigen Seebrücken. Bis heute prägt die Inselbaukunst der „weißen Perlen“ und „tanzenden Hyparschalen“ das Erscheinungsbild der Ostseebäder von Göhren bis Binz und der Orte von Putbus bis Sassnitz.

Sellin: Sommerfrische für die Augen

© TMV / Süß / Rügen, DE - Sellinger Seebrücke / Zum Vergrößern auf das Bild klickenAn der Selliner Wilhelmstraße reihen sich prachtvolle Villen mit Erkern, Türmchen und verzierten Veranden wie Perlen an einer Kette aneinander und prägen das Bild der Stadt. Kurz vor Ende des 19. Jahrhunderts fasste der Fürst zu Putbus den Entschluss, das Fischer- und Bauerndörfchen Sellin in einen mondänen Badeort zu verwandeln. 1896 eröffnete als erstes Hotel, das „Fürst Wilhelm“ in der neuen Wilhelmstraße. Zehn Jahre später kam ein weiteres Prunkstück der Bäderarchitektur hinzu: die Seebrücke, das heutige stolze Wahrzeichen Sellins.

© TMV / Süß / Rügen, Deutschland - Gerhard Parchow / Zum Vergrößern auf das Bild klickenAls gebürtiger Selliner kennt Gerhard Parchow zahlreiche Anekdoten aus der bewegten Geschichte des Ostseebades. So berichtet er von der sittenstrengen Moral, die Anfang des 20. Jahrhunderts herrschte: „Es gab eine Bannmeile rund um das Damenbad. Und wenn doch einmal ein Herr beim Spähen durch ein Astloch im Bretterzaun erwischt wurde, konnte er seinen Namen am nächsten Tag im ‚Badekurier‘ lesen. Sehr, sehr peinlich.“ Oder er erzählt von Albert Einstein, der im Juli 1915 im Haus „Johanneshorst“ mit seiner zukünftigen zweiten Ehefrau Quartier genommen hatte und dem erst nach seinem Aufenthalt in Sellin der Beweis für seine Relativitätstheorie gelang. Gerhard Parchow ist sich sicher: „Das hatte Einstein garantiert der Heilwirkung unserer drei speziellen Zutaten zu verdanken: Selliner Licht, Luft und Wasser.“ Und fügt augenzwinkernd hinzu: „Wer hier Urlaub macht, kommt in eine ganz besondere Stimmung.“

Binz: Zukunft trifft Vergangenheit

Im größten Seebad der Insel begegnet dem Besucher ein ungewöhnlicher Mix aus futuristischen Bauten und mondäner Bäderarchitektur. Herrschaftliche Villen stehen in friedlicher Koexistenz zu den skulpturalen Schalenbeton-Bauten des visionären Binzer Landbaumeisters Ulrich Müther, dessen Entwürfe weltweit Beachtung fanden. Seiner Insel blieb der 2007 verstorbene Baumeister stets treu. So finden sich auf ganz Rügen Zeugnisse seiner Baukunst. Sein 1981 erbauter Rettungsturm am Strandzugang 6 erinnert an ein Ufo und ist heute Kult. Brautpaare lassen sich hier mit Blick auf die imposante Kreideküste von Jasmund trauen. Kann es eine passendere Kulisse für ein Jawort geben? Ebenfalls sehenswert: das wohl schönste der drei denkmalgeschützten Wolgaster Holzhäuser auf Rügen, die Villa „Undine“ an der Binzer Strandpromenade, und das im klassizistischen Stil erbaute Jagdschloss Granitz im angrenzenden Waldgebiet.

Sassnitz: Seebad von Welt

© TMV / Süß / Rügen, DE - Kurmuschel Sassnitz / Zum Vergrößern auf das Bild klickenVom kleinen Fischerdorf zum bevorzugten Badeort der gehobenen Gesellschaft - Sassnitz war immer schon etwas Besonderes. Einerseits Hafenstadt und Tor zur Welt, andererseits Erholungsort für berühmte Persönlichkeiten. Johannes Brahms, Theodor Fontane – von ihm stammt der Satz: „Nach Rügen reisen heißt nach Sassnitz reisen“ – und die deutsche Kaiserin Auguste Viktoria verbrachten hier ihre Sommer. Sie residierte in der Villa „Martha“ in der heutigen Rosa-Luxemburg-Straße.

Das Rathaus in Alt-Sassnitz, 1910 als Gemeindehaus errichtet, und die Villen „Hertha“, „Anna“ und „Fernsicht“ sind weitere Schmuckstücke auf der Tour von Frank Biederstaedt. Der Leiter des Stadtarchivs bringt kulturinteressierten Besuchern Kultur und Geschichte seiner Heimatstadt näher, ein Mix aus alten Fischer- und Bauernkaten, klassizistischen Prachtbauten, herrschaftlichen Villen aus der Bäderarchitektur Ende des 19. Jahrhunderts und modernen Betonbauten wie der „Kurmuschel“ von Ulrich Müther an der Sassnitzer Promenade. Fragt man Frank Biederstaedt nach seinen liebsten Bauwerken, muss der 38-jährige Sassnitzer nicht lange überlegen: „Mein Herz hängt an den alten Fischer- und Bauernkaten.“

Baabe: Klein und fein

© TMV / Süß / Rügen, DE - Inselparadies in Baabe / Zum Vergrößern auf das Bild klickenIm Ostseebad Baabe findet man noch etliche Reetdachhäuser, eine Reminiszenz an die Ursprünge als Fischerdorf mit seiner kleinteiligen Bebauung. Doch ein Gebäude ragt heraus: die ehemalige Gaststätte und Disco „Inselparadies“ – eine weitere Kreation von Ulrich Müther. Heute steht der Glaspalast unter Denkmalschutz. Das lichtdurchflutete, luftige Bauwerk direkt am Strand zählt zu den schönsten des berühmten Baumeisters.

Putbus: Circus und Theater

Mit der Gründung der Stadt Putbus schuf Fürst Wilhelm Malte ein einmaliges Ensemble aus Architektur, Kunst und Landschaft. So wird der Circus, ein vom Fürsten angelegtes Rondell, in dessen Mitte ein neunzehn Meter hoher Obelisk steht, von einer Vielzahl klassizistischer Häuser umsäumt. Von dort führt eine Kastanienallee zu dem im englischen Stil angelegten Schlosspark mit seinen Mammut- und Tulpenbäumen; nur wenige Meter entfernt erstrahlt das ehemalige Residenztheater von 1821 in neuem Glanz. Bis heute ist es das schönste und am längsten durchgängig bespielte historische Theater in Mecklenburg-Vorpommern.

Inselbaukunst – Rügens Architektur 2019 im Fokus

Die Insel Rügen hat mehr als Sandburgen zu bieten. Mit dem Themenjahr zur Inselbaukunst werden unter Anderem ein Ufo am Strand, ein UNESCO-Welterbezentrum mitten im Wald, Seebrücken zum Heiraten sowie einige der ältesten Bauwerke Mecklenburg-Vorpommerns gezeigt. Auf einer Reise durch Zeit und Raum widmet sich die Tourismuszentrale Rügen jeden Monat einem architektonischen Highlight der Ostseeinsel. Dieser Querschnitt porträtiert herausragende Bauten ebenso wie historische und zeitgenössische Baumeister, die auf der Insel ihre Handschrift hinterließen.

Weitere Informationen:
www.ruegen.de/inselbaukunst

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