Potsdam und Lehde - vorweihnachtliches Brandenburg
Adventsmärkte gibt es ja viele, doch zwei Brandenburgische sind besonders reizvoll. Königlicher Weinberg Potsdam und Museumsdorf Lehde.
WEINnacht im Königlichen Weinberg
Kein Rechtschreibfehler, sondern Programm. Im Park Sanssouci, dem Lieblingsort von Friedrich dem Großen, werden im Königlichen Weinberg seit 1769 Trauben kultiviert und Wein gekeltert. In bescheidenen Mengen aber es reicht, um an einem Wochenende im Advent einen kleinen, sehr feinen Weihnachtsmarkt abzuhalten, der unter dem tiefsinnigen Motto WEINnacht steht.
Friedrich der Große soll mal gesagt haben: „ Tue den Menschen Gutes, und sie werden dich segnen. Das ist wahrer Ruhm!“ Ein kulinarischer Segen sind fürwahr die Angebote, die das leibliche Wohl fördern. Traditionelle Speisen und Glühwein, oder auch klassisch kredenzter Wein vom Königlichen Weinberg. Bezahlt wird in „harter“ Währung, die man in eine Art „Münzgeld“ eintauschen kann, das dann vor Ort als Zahlungsmittel dient. Kurs 1:1. Macht Sinn, denn es erleichtert das Handling an den Ständen deutlich.
An Stehtischen, Langtischen mit Bänken oder relaxt herumstehend genießt man den Abend mit Freunden oder neuen Bekannten, denn hier am Königlichen Weinberg zu Potsdam geht es unkonventionell gemütlich zu. Trotz der Kälte im Freien. Ein unbedingtes Muss!
Lehde ist ein bekanntes Reiseziel im Spreewald. Ein Museumsdorf auf einer Insel in den schier unendlich vielen Fließen und Kanälen der Spree. Die meisten kennen Lehde von einer Sommerreise. Aber ein Weihnachtsmarkt auf der Museumsinsel? Ja, und welcher noch dazu!
Vom Großen Hafen in Lübbenau, einer Hochburg der bekannten Spreewald-Gurken, schifft man sich quasi ein. Mit einem der traditionellen Spreewaldkähne, die vom Fährmann bloß mit einer Stange manövriert werden, schippert man zusammen mit unüberschaubar vielen Besuchern entlang der Spree nach Lehde. Das dauert rund 30 kurzweilige Minuten, in denen der Fährmann, oder auch die Fährfrau, interessante Infos über die Region und so manchen amüsanten Schwank aus dem Spreewald erzählt. Währenddessen wärmt man sich mit schmackhaftem Glühwein, der gegen einen kleinen Betrag auf den Holz- oder Alukähnen zur Selbstausschank in großen Thermoskannen angeboten wird. Alles sehr nett und dank der dicken Decken auch kuschelig.
In Lehde angekommen wähnt man sich in einem Weihnachtsdorf aus der Vergangenheit. Alles ist festlich geschmückt und es duftet nach Weihnachtsleckereien. Fein säuberlich sind die Pfade durchs Museumsdorf mit frischem Stroh ausgelegt, damit sich die vielen Besucher trittfest dem sorbischen Weihnachtszauber hingeben können.
Lehde verkörpert ein altes sorbisches Dorf. Die Sorben, von ihrer Herkunft Slawen, siedelten einst hier in der Lausitz und machten mit viel Geschick und harter, entbehrungsreicher Arbeit das Sumpfland urbar. Noch heute leben die Nachkommen der damaligen Siedler hier in der Lausitz und halten ihre traditionellen Bräuche aufrecht. Und einer dieser Bräuche ist etwas ganz besonderes, ein uralter Weihnachtsritus, das sogenannte Bescherkind oder Dźěćetko (sprich: Dscheschetko).
Das sorbische Christkind, das Bescherkind, ist ein junges Mädchen in traditioneller Kleidung, mit aufwändigem Kopfschmuck und weißen Handschuhen, dessen Gesicht mit einem ebenfalls weißen Tuch vollkommen verhüllt ist. Sie spricht kein Wort. In ihren Händen hält sie einen Bund Birkenzweige, einem symbolischen Zeichen für Kraft und Vitalität, mit dem sie die Menschen, die sich vor ihr aufstellen, an den Schultern berührt und ihnen dadurch Glück und Gesundheit fürs kommende Jahr vermittelt. Teils berührt das Bescherkind die Menschen auch sanft mit ihren Händen an den Wangen.
Begleitet wird das Dźěćetko (Dscheschetko) von einer oder zwei, in Tracht gekleideten jungen Frauen, die sie mit Glöckchen ankündigen und aus einem Sack kleine (gesunde) Gaben verteilen. Die Begleiterinnen sprechen auch mit den Menschen und erklären insbesondere die Handlungen des Bescherkindes und deren segensreiche Bedeutung. Eine Zeremonie, die hier in Lehde großen Anklang bei den BesucherInnen gefunden hat und alle ausnahmslos begeisterte.
Neben all den beeindruckenden baulichen Exponaten des Museumsdorfes waren es aber dann doch wieder die vielen Punsch- und Glühweinstände, die wie ein Sog auf die Besucher wirkten. Dazu so manche lokale Spezialität zum Schmausen. Aber keine Frage, Advent ist nur einmal im Jahr und die Spreewaldweihnacht überhaupt nur an zwei Wochenenden. Wer will, kann übrigens auch zu Fuß von Lübbenau nach Lehde wandern, oder umgekehrt. Wer langsam geht, wird wohl zeitgleich mit den Kähnen ankommen. Der Weihnachtsmarkt in Lehde ist ein echtes Unikat und unbedingt einen Besuch wert.
Anmerkung:
Die Recherche zu diesem redaktionellen Artikel fand im Rahmen einer internationalen Pressereise der Deutschen Zentrale für Tourismus Ende November 2025 statt.