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Poetovio - das Ptuj der Antike

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Eine der größten und mächtigsten Städte in der römische Spätantike zwischen Adria und Donau. Heute das slowenische Ptuj.
Ptuj, Slowenien - Römische Spiele - Altstadt mit Draubrücke und Römern - © Johann Varga

Poetovio - das Ptuj der Antike

Wie überall im antiken römischen Weltreich, folgte auch die Entwicklung von Poetovio, wie Ptuj damals hieß, einem logischen Muster. Aus einem Militärlager entwickelte sich im Laufe der Zeit eine zivile Ansiedlung, die zur Stadt wuchs. Poetovio war für damalige Verhältnisse riesig und zählte zur Blütezeit 40.000 Einwohner. Zum Vergleich, Ptuj hat heute rund 18.000 Bewohner.

Ptuj, Slowenien - Römische Spiele - Steininschrift Poetovio bei Draubrücke - © Johann Varga

Mit der Expansion Roms gegen Norden und Nordost zu Zeiten von Augustus (63 v.Chr. bis 14 n.Chr.) wurden zur Absicherung der eroberten Gebiete und der neuen Grenzen, Militärlager errichtet. So auch am rechten Drauufer beim heutigen Vorort von Ptuj, Hajdina. Als erste Legion bezog die 8. „Augusta“ hier Stellung, die später, um 45 n.Chr. von der 13. „Gemina“ abgelöst wurde. Die Ausmaße der damaligen Militärbefestigung waren gewaltig. 4 Meter hohe, 400 x 500 Meter große Wälle mit 8 Meter hohen Türmen waren unüberwindliche Bollwerke. Drinnen im Lager gab es eine Infrastruktur vergleichbar wie in modernen Kasernen. Die beste Armee der antiken Welt war angemessen stationiert.

Ptuj, Slowenien - Römische Spiele - lautstarke Legionäre im Lager - © Johann Varga

Ein Ptuj wie wir es heute kennen, gab es damals noch nicht. Doch entstand rund im die Militärfestung (in Hajdina) sehr schnell eine Siedlung mit allen möglichen Zeitgenossen, die im Sog der Armee angezogen wurden. Händler, Handwerker, Waffenschmiede, Wirte und Köche, Heiler und Priester, Prostituierte und auch zahlreiche dubiose Typen, die dem unredlichen Handwerk frönten. Und eine Heerschar an Sklaven, denn das Imperium Romanum schöpfte nun mal seine schier unendliche Macht und seinen unermesslichen Reichtum aus Unterdrückung und Ausbeutung anderer Völker und Menschen.

Ptuj, Slowenien - Römische Spiele - Barbaren im Lager - © Johann Varga

Doch Poetovio wurde durch ein anderes Ereignis bekannt und berühmt. Im Jahre 69 n.Chr., nach dem Tod Neros, wetteiferten 3 Männer um dessen Nachfolge. Einer davon war Vespasian, der letztlich das Rennen machte. Dank eines anderen Mächtigen seiner Zeit, des Kommandanten der 7. Legion, Marcus Antonius Primus, der im Winterquartier der 13. Legion Gemina, hier in Poetovio, alle Befehlshaber vereinte, um Vespasian zum Kaiser zu küren. Verewigt wurde dieses kühne Unterfangen durch den römischen Historiker Tacitus in seinem Werk „Historiae“, von dem alle, die in der Schule Latein hatten, ein Lied singen können. Heute erinnert auch das Grand Hotel Primus in Ptuj an den schillernden Feldherrn und Kaisermacher.

Ptuj, Slowenien - Römische Spiele - Marcus Antonius Primus mit Familie im Lager - © Johann Varga

Den ganz großen Aufstieg schaffte Poetovio rund 100 n.Chr., als ihr von Kaiser Trajan der Status einer sogenannten Kolonie zuteil wurde, Colonia Ulpia Traiana Poetovio. Poetovio wurde zum Sitz der Steuerverwaltung und der illyrischen Zollbehörden und somit zur größten und bedeutendsten Stadt zwischen Adria und Donau, zu einer kosmopolitischen Metropole mit Prunkbauten, Luxusvillen, Thermen, Tempel und einem gesellschaftlichen Leben von Glanz und Gloria mit allen Annehmlichkeiten der damaligen Welt, inklusive Zentralheizung, fließend Wasser und Kanalisation. Städtisches Zentrum war das linke Drauufer, insbesondere jener Hügel, nordwestlich des Schlosses Ptuj, Panorama genannt. Leider braucht man heute ein sehr gutes Vorstellungsvermögen, wenn man durch den archäologischen Park von Poetovio spaziert. Aber damals muss alles großartig gewesen sein.

Ptuj, Slowenien - Römische Spiele - III. Mithräum - Tempel innen - © Johann Varga

Ein bisschen mehr zu sehen gibt es in der Altstadt von Ptuj, insbesondere die fotogene Orpheus-Säule, die 5 Meter hohe Marmorstele des reichen Marcus Valerius Verus aus dem 2. Jahrhundert n.Chr., sowie der anschließende Stadtturm (Kirchturm), in dem viele römische Steine verbaut wurden und somit der Nachwelt erhalten blieben. Sehenswert sind auch die Ausgrabungen der Tempel zu Ehren des Gottes Mithras, die wir noch gesondert vorstellen wollen.

Ptuj, Slowenien - Römische Spiele - Orpheussäule mit Stadtturm - © Johann Varga

Eine gute Zeit lang florierte das politische, wirtschaftliche und gesellschaftliche Leben in Poetovio und die Bewohner lebten mitunter im Überfluss. Doch das Ende kam dann schnell und in einer Intensität, die noch heute erschreckt. Der Zusammenbruch des Weströmischen Reiches - historisch mit 476 n.Chr. datiert - war beispiellos und löschte letztlich mit einem Akt nahezu alles aus, was in der Antike als Inbegriff an Zivilisation, Fortschritt und Rechtsstaatlichkeit galt. Aus einer der größten und reichsten Städte des Imperium Romanum wurde faktisch Ödland, und es dauert sehr lange, bis sich aus dem ehemaligen Poetovio Pettau (deutsch für Ptuj) entwickelte und es langsam wieder aufwärts ging. An die glorreiche Epoche des antiken Poetovio erinnern heute die Römischen Spiele, die alljährlich im August stattfinden und Ptuj 3 Tage lang in Feierlaune versetzen.

Ptuj, Slowenien - Römische Spiele - Panorama - Infotafel aus Glas - © Johann Varga

Vom Mithras-Kult in Poetovio

Wie immer und überall, spielte auch im antiken Poetovio die Religion eine tragende Rolle. Trotz profanem Luxus und (zeitspezifisch) top modernen Annehmlichkeiten, die allen römischen Bürgern zuteil wurden, brauchte es mehr, um die Gesellschaft zusammen zu halten. Dieser unsichtbare Leim war das Mystische, das Religiöse.

Ptuj, Slowenien - Römische Spiele - I. Mithräum - Steinsäulen innen - © Johann Varga

Im flächenmäßig riesigen Imperium Romanum gab es viele Götter, die angebetet wurden, und die Römer waren relativ liberal, was andere Religionen anlangte, sofern diese nicht, wie etwa das Christentum, einen Alleinstellungsanspruch anmeldeten und zudem die Autorität des Kaisers untergruben. Da das zahlenmäßig ebenso gigantisch große Heer, das in Legionen unterteilt war, regelmäßig innerhalb des Reiches rochierte, kamen mit den Soldaten auch andere Sitten, Bräuche und Religionskulte in andere Teile des Imperiums.

Ptuj, Slowenien - Römische Spiele - Legionäre vor Orpheus Säule - © Johann Varga

Einer der geheimnisvollsten Kulte war der des Lichtgottes Mithras, dessen Ursprung in Persien lag. Im Zentrum der Anbetung stand immer die Tötung des Welten-Urstiers durch Mithras, aus dessen Blut neues Leben entstand. Real war der Mithras-Kult weniger (für alle) „offene“ Religion als viel mehr Geheimbund. Elitäre Männerverbindungen, die unter strengster Geheimhaltung, deren Bruch mit dem Tode bestraft wurde, in ebenso geheimen Heiligtümern zusammenkamen um Mithras zu huldigen. Immer in Form eines Festmahls, das liegend eingenommen wurde.

Ptuj, Slowenien - Römische Spiele - I. Mithräum - Mithras Statue - © Johann Varga

Poetovio galt als wichtiges Zentrum dieser Mysterienreligion. Heute, im modernen Ptuj, können noch zwei rekonstruierte Tempel besichtigt werden. Insgesamt wurden hier fünf sogenannte Mithräen entdeckt. Das I. und das III. Mithräum vermitteln mit ihren gut erhaltenen Altären, Reliefs und Inschriften einen anschaulichen Einblick, in die damalige Welt mystischer Kulte und exklusiver, sozialer Verbindungen.

Ptuj, Slowenien - Römische Spiele - III. Mithräum - Tempel aussen - © Johann Varga

Die beiden Tempel (I. und III.) des römischen Mithras-Kultes in Ptuj Hajdina sind aber nicht frei zugänglich. Interessierte müssen sich im Regional Museum Ptuj-Ormož dafür anmelden, am besten gleich eine geführte Tour buchen. Denn die gesamte, dahinter steckende Geschichte ist gleichermaßen hoch interessant wie extrem komplex und schwierig zu durchblicken, sodass eine professionelle Einführung in die Geheimnisse dieses Mysteriums sehr empfehlenswert ist. Erst dann wird aus einer Ansammlung von alten Steinen, eine lebendige Story!

Ptuj, Slowenien - Römische Spiele - I. Mithräum - Tempel aussen - © Johann Varga

Christentum - brutal verfolgt, dann Staatsreligion

Im liberalen Rom, war das Christentum in seinen Anfang unerwünscht, wurde sogar brutal verfolgt. Denn die neue, monotheistische Religion mit ihrer strikten Ablehnung der Kaiseranbetung und ihrem „Gleich-Mache-Grundsatz“, wurde als eine subversive Gefahr für den Staat gesehen. Doch auch das änderte sich, wie so vieles, im alten Rom. Spätestens in der Endphase des weströmischen Reiches, gab es faktisch nur mehr das Christentum als einzige Religion.

Ptuj, Slowenien - Römische Spiele - Panorama - Steinreliefs Richtung Hügel - © Johann Varga

Und auch da nahm das spätantike Poetovio eine Sonderstellung ein, als eines der bedeutendsten frühchristlichen Zentren Europas. Untrennbar verbunden ist die Stadt mit dem Heiligen Victorinus, dem ersten Bischof von Poetovio und Märtyrer, der kurz vor der offiziellen Anerkennung des Christentums durch Konstantin dem Großen (313), hingerichtet wurde. Ihm wird der erste lateinische Bibelkommentar zugeschrieben und er gilt als einer der wichtigsten Wegbereiter der lateinisch-sprachigen, christlich-westlichen Kirche. Hinter der Stadtpfarrkirche Ptuj ist dem Heiligen heute ein Denkmal gesetzt.

Ptuj, Slowenien - Römische Spiele - Musik-Mosaik im Museum - © Johann Varga

Abschließend möchte ich noch der bekannten slowenischen Archivarin und Historikerin Marija Hernja Masten danken, die mir mit ihrem unerschöpflichen Wissen und ihrer liebevollen eloquent-witzigen Weise - nach Kurentovanje - nun auch die Römischen Spiele und das alte Poetovio wissenschaftlich präzise und gleichzeitig sehr verständlich näher gebracht hat. Danke auch an die Archäologin Aleksandra Nestorović vom Regionalmuseum Ptuj-Ormož, für die Einführung in den Mithras-Kult und die Führung durch die beiden Tempel (I. und III. Mithräum). Ein extrem komplexes Thema, an dem man ohne solch kompetenter Begleitung wohl scheitern würde. Und last but not least auch ein großes Dankeschön an Vilma Angel, die nicht nur im Hintergrund die organisatorischen Fäden gezogen hat, sondern mich auch vor Ort tatkräftig unterstützt hat.

Ptuj, Slowenien - Römische Spiele - Römer im Ptuj-Bogen - © Johann Varga

Wer sich noch intensiver mit der römischen Antike, insbesondere mit der Römischen Armee beschäftigen möchte, der/dem sei das aktuelle Buch von Ivan Tušek ans Herz gelegt. Das Buch wurde in slowenischer und englischer Sprache herausgegeben und beschreibt das römische Heer und Militärwesen (original Titel in Englisch: The Roman Army in the Republic and the Roman Empire, and Roman Soldiers Tombstones from Poetovio). Herausgeber Verein POETOVIO LXIX. ISBN 978-961-290-340-4.

JV

Ptuj, Slowenien - Römische Spiele - Adler Säule im Lager - © Johann Varga

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Anmerkung:

Die redaktionelle Recherchereise wurde unterstützt von:
Tourismusbüro Ptuj https://visitptuj.eu/de/
Slowenisches Tourismusbüro Wien https://www.slovenia.info/de

 

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