Heute ist Dienstag, der 08.09.2026 Mail Newsletter | Geschenk Gewinnspiel
Drucken

Nürnberg - eine historische Städtereise

Video laden
Ein Spaziergang durch Glanz und Gloria, Weltverbrechen, Untergang und geläutertem Neubeginn.
Nürnberg, DE - Stadtimpression - © Edith Spitzer, Wien

Nürnberg – eine historische Städtereise

Kaiserburg und Bratwurst, Dürer und Rotbier, Weltgeschichte und Wochenmarkt: Kaum eine deutsche Stadt verdichtet so viel auf so engem Raum wie Nürnberg. Ein Streifzug durch einen Ort, den man nicht bloß besichtigt, sondern entdeckt – Schicht für Schicht. Und eine Region, die den Reisenden im Sommer ihre schönsten Seiten offenbart.

Nürnberg, DE - Stadtmauer - © Edith Spitzer, Wien

Man kann Nürnberg an einem verlängerten Wochenende erkunden, doch reicht selbst kaum eine Woche, um es auszuschöpfen. Das liegt an der Dichte dieser Stadt: An kaum einem Ort in Deutschland liegen die Epochen so nah beieinander wie hier, wo eine mittelalterliche Kaiserburg über roten Dächern thront, wo Albrecht Dürer lebte und wirkte, wo eine Diktatur ihre Aufmärsche inszenierte und wo nach dem Krieg eine ganze Altstadt aus Trümmern wiedererstand. Wer sich darauf einlässt, entdeckt eine der reizvollsten Reisestädte Deutschlands.

Nürnberg, DE - Burg_aussen - © Edith Spitzer, Wien

Die Kaiserburg

Am Anfang steht der Fels. Und darauf die Burg. Die Kaiserburg ist das Wahrzeichen Nürnbergs, und sie erzählt vom Rang, den die Stadt einst im Heiligen Römischen Reich Deutscher Nation einnahm. Fast fünf Jahrhunderte lang machte hier jeder deutsche König und römisch-deutsche Kaiser Station; die Goldene Bulle von 1356 bestimmte sogar, dass jeder neu gewählte Herrscher seinen ersten Reichstag in Nürnberg abzuhalten habe. Von 1424 bis 1796 wurden die Reichskleinodien, die Krönungsinsignien des Reiches, hier verwahrt.

Nürnberg, DE - Burg_Ausstellungsraum mit Reichsutensilien - © Edith Spitzer, Wien

Um die Altstadt zog sich ein über fünf Kilometer langer Ring aus Mauern, Wehrgängen und mächtigen Rundtürmen – eine Befestigung, die als uneinnehmbar galt. Kein Wunder, dass man Nürnberg einst bewundernd „des Reiches Schatzkästlein“ nannte. Von der Burg schweift der Blick heute über ein rotes Dächermeer, das genau diese Bedeutung noch erahnen lässt.

Nürnberg, DE - Stadtmauer - © Edith Spitzer, Wien

Dürers Stadt

Kein Name ist mit Nürnberg so verwoben wie der von Albrecht Dürer. Der Maler, Zeichner und Denker – der erste deutsche Künstler von europäischem Rang – wurde hier geboren und verbrachte hier den Großteil seines Lebens. Sein Wohnhaus am Fuß der Burg, das Albrecht-Dürer-Haus, ein spätmittelalterliches Fachwerkhaus, ist heute ein vielbesuchtes Museum.

Nürnberg, DE - Adalbert Dürer-Haus - © Edith Spitzer, Wien

Doch Albrecht Dürer war nur ein Teil einer ganzen Nürnberger Kunstepoche: In der Reichsstadt der Renaissance schufen Bildhauer wie Veit Stoß, Adam Kraft und der Rotschmied (= Messing- und Bronzegießer) Peter Vischer der Ältere Werke, die man bis heute vor Ort bewundern kann – etwa den „Englischen Gruß“ von Veit Stoß und Adam Krafts fast neunzehn Meter hohes Sakramentshaus in der Lorenzkirche oder das Grabmahl der Familien Schreyer und Landauer in St. Sebald. Zugleich war Nürnberg eine Werkstatt des Erfindergeists: Hier entstand mit Martin Behaims „Erdapfel“ der älteste erhaltene Globus der Welt, und die frühe Taschenuhr aus dem 16. Jahrhundert ging als „Nürnberger Ei“ in die Geschichte ein. Wer heute vor dem Dürer-Haus auf dem Tiergärtnertorplatz sitzt, sitzt mitten in diesem Erbe mit Weltstatus.

Nürnberg, DE - Adalbert Dürer-Haus_Selbstportrait - © Edith Spitzer, Wien

Die Nürnberger Quartiere

Die Altstadt teilt sich, getrennt von der Pegnitz, in zwei Hälften: die nördliche Sebalder Seite mit Burg und Hauptmarkt, die historische Keimzelle der Stadt, und die südliche Lorenzer Seite mit den großen Einkaufsstraßen. Drei gewaltige Kirchen prägen das Bild – St. Sebald, St. Lorenz und die Frauenkirche am Hauptmarkt, von deren Balkon alljährlich das Nürnberger Christkind den weltberühmten Weihnachtsmarkt eröffnet. Auf dem Hauptmarkt selbst lässt sich am „Schönen Brunnen“ das goldene Ringlein drehen, das Glück bringen soll, und täglich um zwölf Uhr mittags erinnert das „Männleinlaufen“ (= die 7 Kurfürsten huldigen dem römisch-deutschen Kaiser) an der Frauenkirche an die Goldene Bulle.

Nürnberg, DE - Brunnen_Goldenes Ringlein - © Edith Spitzer, Wien

Doch Nürnberg lässt sich auch anders entdecken. Unter dem Namen „Nürnberger Quartiere“ hat die Stadt ihre Altstadtviertel für Besucher neu erschlossen – vom Burgviertel über den Handwerkerhof, Unschlittplatz, Jakobsmarkt, Augustinerhof, Lorenzerplatz bis zum Weinmarkt. Die Web-App Nürnberger Quartiere, die bloß via Web-Browser funktioniert, also keinen Download erfordert, führt abseits der großen Sehenswürdigkeiten zu kleinen inhabergeführten Läden, Cafés, Bars und Galerien und erzählt die Geschichten hinter den Häusern. Neben den weltbekannten Mainstream Attraktionen Nürnbergs tun sich mit den Nürnberger Quartieren neue und überaus reizvolle Seiten der Stadt auf.

Nürnberg, DE - Quartiere - © Edith Spitzer, Wien

Die dunkelste Zeit Nürnbergs

So glanzvoll die Geschichte, so dunkel ist ihr Kapitel im 20. Jahrhundert. Ausgerechnet das mittelalterliche Image der Stadt missbrauchten die Nationalsozialisten für ihre Zwecke und machten Nürnberg von 1933 bis 1938 zur „Stadt der Reichsparteitage“; 1935 wurden hier die Rassengesetze verkündet, die Millionen Menschen entrechteten und letztlich zu ihrer Massenermordung führten. Nürnberg stellt sich diesem Erbe heute offen und proaktiv – am Dokumentationszentrum Reichsparteitagsgelände und am Memorium Nürnberger Prozesse. Diesem so wichtigen Thema haben wir einen eigenen Artikel gewidmet. Doch sei hier gesagt, dass eine Reise nach Nürnberg ohne auch diese Orte aufzusuchen, unvollständig bliebe.

Nürnberg, DE - Doku-Zentrum_Reichsratsgebäude aussen - © Edith Spitzer, Wien

Neubeginn aus den Trümmern

Ein Umstand verdient eine besondere Aufmerksamkeit, gerade weil er beim Flanieren durch die Gassen leicht übersehen wird. In der Nacht zum 2. Jänner 1945 legte ein Angriff der britischen Luftwaffe die Altstadt in weniger als einer Stunde in Schutt und Asche. Rund neunzig Prozent aller historischen Bauten wurden zerstört, mehr als 1.800 Bewohner starben, Zehntausende verloren ihr Zuhause. Alles, was über Jahrhunderte organisch gewachsen war, wurde in kürzester Zeit dem Erdboden gleich gemacht. Der Volksmund nannten die verwüstete Altstadt bitter „Sebalder Steppe“ (= nach der nördlichen Stadthälfte St. Sebald). Nicht wenige zweifelten damals, ob sich die Stadt überhaupt je wieder aufbauen ließe.

Nürnberg, DE - Gebäudeensemble - © Edith Spitzer, Wien

Doch das schier Unmögliche gelang. In den Jahrzehnten nach dem Krieg wurde Nürnberg Stück für Stück rekonstruiert – nicht als moderne Neugründung, sondern bewusst auf dem alten Grundriss, in der alten Silhouette, mit Sandstein und Ziegel. Das meiste, was heute mittelalterlich wirkt, ist also sorgfältiger Wiederaufbau. Dieses Faktum verändert den Blick: Wer durch die Altstadt geht und die Fachwerk-Fassaden, die Kirchen und die Burg bestaunt, sollte sich bewusst machen, dass er das Ergebnis einer enormen Rekonstruktionsarbeit vor sich sieht – und gleichzeitig eine bedrückende Mahnung, was Krieg bedeutet.

Nürnberg, DE - Quartier Augustinerhof - © Edith Spitzer, Wien

Sommer in Nürnberg

Am schönsten zeigt sich die Stadt im Sommer. Dann füllen sich die Plätze bis in den Abend, allen voran der Tiergärtnertorplatz unterhalb der Burg, wo sich Einheimische und Gäste bei einem Bier auf dem Kopfsteinpflaster niederlassen. Aber auch entlang der Pegnitz laden unzählige Biergärten und Uferwege zum Verweilen, und am Wöhrder See, einem künstlich angelegten Stausee der Pegnitz, beginnt gleich hinter der Altstadt die sommerliche Naherholung. Auch der Veranstaltungskalender ist gut gefüllt: Das Bardentreffen verwandelt die Innenstadt Ende Juli / Anfang August in eine riesige Open-Air-Bühne und gilt als eines der größten Weltmusik-Festivals, und beim Klassik Open Air im Luitpoldhain, dem größten Open-Air-Klassik-Festival Europas, spielen die Staatsphilharmonie Nürnberg und die Nürnberger Symphoniker unter freiem Himmel vor zehntausenden Musikenthusiasten. Wer es kurioser mag, stöbert auf dem Trempelmarkt, einem der größten Innenstadt-Flohmärkte Deutschlands.

Nürnberg, DE - Vergnügungsviertel - © Edith Spitzer, Wien

Von der Bratwurst bis zum Lebkuchen

Eine Städtereise nach Nürnberg ist auch eine kulinarische. Im Mittelpunkt steht ein kleines, aber weltberühmtes Würstchen: die Nürnberger Rostbratwurst. Nur sieben bis neun Zentimeter lang, aus Schweinefleisch und Speck, mit Majoran gewürzt und traditionell über Buchenholzglut gegrillt, ist sie als geschützte Spezialität an ihre Stadt gebunden. Gerne isst man sie an Straßenständen „Drei im Weggla“ – drei Stück in einem Brötchen mit Senf – oder als „Saure Zipfel“ in einem Sud aus Essig und Zwiebeln. Am besten genießt man sie aber dort, wo Geschichte mitschwingt: etwa im Bratwursthäusle bei St. Sebald, im Bratwurstglöcklein im Handwerkerhof, im Bratwurst Röslein am Rathausplatz oder in der Historischen Bratwurstküche „Zum Gulden Stern“, die ihre Wurzeln bis ins Jahr 1419 zurückführt und als eine der ältesten Bratwurstküchen der Welt gilt.

Nürnberg, DE - Nürnberger Bratwürste mit Sauerkraut und Kartoffelsalat - © Edith Spitzer, Wien

Dazu gehört das passende Getränk, nämlich das Nürnberger Rotbier. Dieses malzig-rötliche, untergärige Bier, war über Jahrhunderte das Alltagsgetränk der Stadt und erlebt heute eine Renaissance. Bereits 1303 wurde das Nürnberger Gerstengebot festgelegt, ein Reinheitsgebot, das älter ist als das bayrische. In der Hausbrauerei im Altstadthof etwa wird das „Original Nürnberger Rotbier“ noch in kupfernen Kesseln und in Handarbeit gebraut – zu deftiger fränkischer Bierküche. Wer es ein wenig feiner mag, findet in Wirtshäusern wie dem Restaurant im historischen Heilig-Geist-Spital fränkische Klassiker wie Schäufele und Sauerbraten.

Nürnberg, DE - ehemals Bürgerspital - © Edith Spitzer, Wien

Und schließlich der Lebkuchen. Kaum ein Genussmittel ist so eng mit einer Stadt verbunden wie der Nürnberger Lebkuchen mit Nürnberg, wo er seit dem Mittelalter aus Waldhonig und den exotischen Gewürzen, die die Händler mitbrachten, produziert wird. Die Königsklasse ist der Elisenlebkuchen, der besonders viele Nüsse und Mandeln und wenig Mehl beinhaltet. Man bekommt ihn das ganze Jahr über – doch seine große Bühne ist der Christkindlesmarkt, wenn der unwiderstehliche Duft von Lebkuchen und Glühwein betörend über den Hauptmarkt zieht.

Nürnberg, DE - Burggarten - © Edith Spitzer, Wien

Fazit:

Nürnberg ist eine Stadt, die aufgrund ihrer gigantischen, die Blicke fokussierenden Kulisse oft nur auf ihre mittelalterlich-historischen Schätze reduziert wird. Doch Nürnberg hat so viel mehr zu bieten. Nürnberg zu besuchen heißt, in eine lebendige, lebensfrohe Genusswelt einzutauchen, die einen weiten Bogen von der Vergangenheit in das Hier und Heute spannt. Mit all den Facetten von Macht, Glanz und Reichtum, bis hin zu Weltverbrechen, kompletten Niedergang und leidvollen Wiederaufbau aus den Trümmern der Schuld. Nürnberg ist ebenso gelebte Geschichte, wie gelebte Kunst und gelebte Kulinarik. Und Nürnberg ist ein gutes Beispiel eines positiven Wandels an Gesinnung und Weltanschauung: Vom NS-Mitverantwortlichen zum Vorreiter für Frieden und Menschenrechte. Heute ist Nürnberg eine wunderbare Reisestadt, die es lohnt, sie gesamtheitlich zu erkunden.

JV

Nürnberg, DE - Kettensteg - © Edith Spitzer, Wien

Die Recherchen zu diesem redaktionellen Artikel wurden freundlicher Weise von der Congress- und Tourismus-Zentrale Nürnberg www.tourismus.nuernberg.de unterstützt.

Lesen Sie auch:

Diesen Artikel teilen
Teilen
Ihr Kommentar

Was meinen Sie zu diesem Artikel?
Schreiben Sie einen Kommtentar!

Reisen & Genuss

Reisen & Genuss

Blick ins Thayatal, CZ
© Edith Spitzer, Wien
Ausflugsziele rund um Znaim
Znaim, CZ - Blick auf Stadt
© Edith Spitzer, Wien
Genuss - Bier und Wein in Znaim
Schloss Hof, NÖ - mit Brunnen
© Elisabeth Hewson, Wien
Marchfelder Schlösserreich
Bern, CH - Altstadt
© Edith Spitzer, Wien
Die große Bern-Radrundfahrt
Salzburg - Blick vom Müllner Steg auf die Altstadt von Salzburg
© SalzburgerLand Tourismus / Markus Greber
Salzburg entdecken auf dem Mozartradweg
Chur, Schweiz - Brunnen
© Edith Spitzer, Wien
Chur - Zentrum von Graubünden
Fichtelgebirge, Bayern
© Roja Delarami
Tradition im Fichtelgebirge
Bad Ischl, OÖ - Adventmarkt
© Edith Spitzer, Wien
Bad Ischl - Salzkammergut Advent
Gmunden, OÖ - Adventzeit
© Edith Spitzer, Wien
Gmunden - Salzkammergut Advent
Vietnam - silver ringvee
© Silver Ringvee auf Unsplash
Vietnam auf einer klassischen Tour erleben
Trentino, Südtirol - Garda-See-Region
© Elisabeth Hewson, Wien
Trentino in Südtirol
eSiM App
© Edith Spitzer, Wien
Digitale Freiheit im besten Alter
elderly couple taking selfie with phone
© freepik - kostenloses Foto
Reisen für Menschen Ü50 - die besten Ideen
Heute ist Dienstag, der 08.09.2026 Mail Newsletter | Geschenk Gewinnspiel