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Neue Therapie bei Morbus Dupuytren

Wenn jeder Handgriff zum Problem wird.
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Neue Injektionstherapie bei Morbus Dupuytren

Foto © Universitätsklinik für Unfallchirurgie und Sporttraumatologie in Innsbruck / Morbus Dupuytren-1

Bereits im 19. Jahrhundert wurde die Erkrankung schriftlich dokumentiert. Morbus Dupuytren, die nach dem französischen Chirurgen Baron Guillaume Duputren benannt ist, ist keine Erkrankung des Knorpels oder der Haut, sondern des Bindegewebes, d.h. unterhalb der Haut bilden sich Knötchen. Die Genese der Bindegewebsveränderung ist derzeit trotz intensiver Forschung nicht bekannt.

Bekannt ist vielmehr, dass es sich um eine vererbbare Krankheit handelt - wenn Morbus Dupuytren in der Familie auftritt, ist die Wahrscheinlichkeit groß, dass diese in den nächsten Generationen auch ausbricht.

Krankheitsverlauf

Foto © Universitätsklinik für Unfallchirurgie und Sporttraumatologie / Morbus Dupuytren-2 / Zum Vergrößern auf das Bild klickenDer Verlauf der Erkrankung ist progressiv, d.h. vorerst bildet sich ein harmlos wirkender Knoten und eine Hohlhand. Sukzessive kommt es zu einer Kontraktur, der Bildung eines Faserstranges. Der betroffene Finger verharrt in einer verkrümmten Beugestellung und kann nicht mehr ausgestreckt werden. Auf Dauer kann die Fehlstellung des Fingers zu einer irreversiblen Deformierung der Gelenkskapsel führen und die Nerven und Blutgefäße der Hand schädigen.

Am häufigsten betroffen ist der kleine Finger. Die Erkrankung kann sich bis zum Mittelfinger ausdehnen. Kaum bis selten betroffen ist der Daumen von der Kollagenbildung.

Behandlungsmethoden

Chirurgische Entfernung
Bisher wurden die Kollagenstränge chirurgisch entfernt, um die Grifffähigkeit der Hand wieder herzustellen. Bei der Operation wurden neben dem Faserstrang auch das gesamte Bindegewebe und die umliegende Haut entfernt.

Perkutane Nadelfasziotomie
Dabei wird der Faserstrang mit einer speziellen Nadel, die in die Handfläche oder Finger gestochen wird, sägeförmig durchtrennt.

Strahlentherapie
Durch die Bestrahlung des Knotens wird die Kollagenmasse aufgeweicht, so dass das Fortschreiten der Krankheit verzögert wird.

Minimalinvasive Injektionstherapie

In den 80er Jahren des vorigen Jahrhunderts wurde in Amerika die Therapie mittels Kollagenasen entdeckt und bei Morbus Dupuytren angewendet. Kollagenasen sind aus Bakterien gewonnene Enzyme, die den Faserstrang auflösen.

Nach langen und mit strengsten Auflagen versehenen Forschungen wurde das Mittel seit März letzten Jahres auch in Österreich zugelassen und erstmals an der Universitätsklinik für Unfallchirurgie und Sporttraumatologie in Innsbruck an Patienten getestet. Laut EMA (European Medicines Agency) dürfen nur Fachärzte (Hand- und plastische Chirurgen) die Behandlung anwenden, um bei Reaktionen der Patienten - z.B. allergische Schock etc - vor Ort zu sein.

Foto © Edith Spitzer, Wien | 55PLUS Medien GmbH / Glücklicher Patient / Zum Vergrößern auf das Bild klickenPrivat-Dozent Dr. Rohit Arora, Facharzt für Unfallchirurgie an der Universitätsklinik für Unfallchirurgie und Sporttraumatologie in Innsbruck berichtet, dass "die ganze Behandlung von der Injektion in den Faserstrang über das Geraderichten des betroffenen Fingers bis zur endgültigen Heilung rund sechs Wochen dauert. Nach der Spritze ist eine hämotomale Schwellung zu beobachten. Die Behandlung ist durch das Setzen der Injektion mit Schmerzen verbunden, wobei die Sehne und der Strang selbst keine Schmerzempfindung haben. Auch Hauteinrisse nach der Dehnung sind möglich. Diese wird 24 Stunden nach dem Eingriff vorgenommen. Nach 7 Tagen wird die erste Kontrolle durchgeführt, nach 30 Tagen, 3 Monaten, einem halben Jahr und einem Jahr die Folgekontrollen. Nach rund 30 Tagen ist der Patient beschwerdefrei."

Foto © Edith Spitzer, Wien | 55PLUS Medien GmbH / Hand nach Dupuytren-Injektionsmethode / Zum Vergrößern auf das Bild klickenBei der Behandlung ist wichtig, welches Gelenk betroffen ist - ist es das Grundgelenk ist die Heilungschance sehr hoch. Bei den Mittelgelenken ist es so, dass das anatomische Nerven- und Sehnenspiel sehr eng beisammen liegt, so dass das Setzen der Spritzen nur einen sehr kleinen Spielraum zulässt. Da die Sehne unmittelbar unter dem Strang liegt, ist die Gefahr groß, auch die Sehne zu gefährden.

Kontroll-Register

Rund 200 Patienten wurden in Österreich bereits nach der minimalinvasiven Injektionstherapie behandelt. In einem Register werden die Patienten und ihre Reaktionen festgehalten, um die Methode immer mehr zu maximieren. Rund 6% der Patienten haben auf die Kollagenase-Behandlung nicht reagiert und mussten nach der alten Methode behandelt werden.

Ein Beitrag von Edith Spitzer.

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Kommentare
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  von Pedro am 21.01.2017 20:36
Wäre ja sinnvoll, das Erscheinungsdatum unter solche Artikel zu schreiben, oder?
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