
Marchfelder Schlösserreich
In den sogenannten Marchfeld-Schlössern - Schloss Hof, Schloss Eckartsau, Schloss Niederweiden und Schloss Orth - kann man Geschichte erleben und Natur entdecken.
Schloss Hof, NÖ - Blick in den Garten - © Elisabeth Hewson, Wien
Gute Geister, ewige Gärtner und glückliche Kröten
Wer sich in das Marchfelder Schlösserreich begibt (zu Schlössern kommt man nicht, dorthin begibt man sich), auf den Spuren von Fürsten, Königen und Prinzen - heute wohl nicht mehr mit der Kutsche, sondern per Auto oder Rad, mit Schiff, Zug oder Bus – der tritt ein in eine wundersame Welt der Prunkbauten, Prachtgärten, geschichtlichen Zeugnisse und Naturereignisse. Drei Schlösser – das vierte, Schloss Niederweiden, wird noch restauriert – machen Geschichte lebendig, jedes auf seine Art.
Schloss Hof, NÖ - Parkanlage - © Elisabeth Hewson, Wien
Schloss Hof
Schloss Hof, von Prinz Eugen auf einem Hügel, den er zu sieben Terrassen planieren ließ, in die weite Landschaft gebaut, prunkt heuer ganz besonders mit seinen Gärten. Auch im Schloss selbst. Eine Ausstellung in den Räumlichkeiten mit prachtvollen Stuckdecken und Goldornamenten, Marmorkaminen und Geheimtüren, Sternenparkett und Blumentapeten zeigt das Geheimnis des Barockgartens, die Entstehung, Erhaltung und die Technik, die ein solches dreidimensionales, blühendes, sprießendes Kunstwerk benötigt: von der Bewässerungstechnik bis zum Anlegen der verspielten Szenerien, in denen sich die Hofgesellschaft ihre Zeit vertrieb.
Schloss Hof, NÖ - Orangerie - © Elisabeth Hewson, Wien
Wie wichtig solche Gärten für Repräsentation und Erholung waren, zeigt zum Beispiel eine kleine Rosenschere, mit der Maria Theresia hochselbst Blüten abzwickte. Aber auch Gemüse- und Obstgärten wurden angelegt, Gewürz-, Heilkräuter und Wein angepflanzt, und als imponierendes Statussymbol Früchte aus anderen Ländern in den Orangerien gehalten. Diese wurden dann oft gar nicht gegessen, sondern als Dekoration auf den Tafelaufsätzen präsentiert, wie Zitronen und Orangen, Feigen, Granatäpfel und Ananas.
Schloss Hof, NÖ - weiße Esel - © Elisabeth Hewson, Wien
Das alles erzählen „barocke“ Damen und Herren, die auch durch die Prunk- und Gemüsegärten und den Gutshof führen. Von ihnen erfährt man, dass es früher 150 Gärtner gab, dass heute 20 ständig beschäftigt sind, dass die Buchsbaumrabatten eine Hand breit und eine Hand hoch sein müssen; und dass im Gutshof alte Tierarten gezogen werden, besonders beliebt bei Kinderführungen.
Schloss Eckartsau, NÖ - © Elisabeth Hewson, Wien
Schloss Eckhartsau
Zum Schloss Eckhartsau, benannt vor 800 Jahren nach einem gewissen Eckehart, ein Jagdschloss der Habsburger, der Jagdgöttin Diana gewidmet, pflegte Maria Theresia auf der Donau per Schiff – eigens dafür gebaut – und Kutsche anzureisen. Ein Damen- und ein Herrentrakt sorgten für Privatsphäre und Bequemlichkeit, wie später auch die sehr früh (1897) eingeleitete Elektrizität. All das erfährt man von den dienstbaren Geistern, die durch dieses geschichtsträchtige Schloss führen, hinter die Kulissen des Hoflebens schauen lassen und den Hofknicks unterrichten.
Schloss Eckartsau, NÖ - Themenführung - © Elisabeth Hewson, Wien
Das letzte Kaiserpaar, Karl und Zita, hatte hier seinen letzten Wohnsitz, bevor es nach Madeira ins Exil ging. Das Schloss gehört heute zum Nationalpark Donauauen, wie auch Schloss Orth.
Schloss Orth, NÖ - © Elisabeth Hewson, Wien
Schloss Orth
Das Schloss Orth, zum Zentrum des Nationalparks ausgebaut, zeigt heuer die Ausstellung „Im Fluss“. Seine Geschichte geht bis zu den Babenbergern zurück, die hier eine viertürmige Wasserburg bauten. Nach vielen Auseinandersetzungen zwischen verschiedenen Landesherren bei der ersten Türkenbelagerung völlig zerstört, wurde es im 16. Jahrhundert als Jagdschloss im Renaissancestil wiederaufgebaut, dann barock umgebaut, schließlich von den Habsburgern gekauft und vom Kronprinz Rudolf, der gerne von hier aus jagte, im späthistoristischen Stil modernisiert. Die außergewöhnliche Wendeltreppe, eine Hohlspindeltreppe, freitragend mit offenem Kern, ein architektonisches Meisterwerk der Renaissance, die größte im deutschsprachigen Raum, ist nach der Restaurierung auch wieder begehbar.
Die Ausstellung, am besten von einer Nationalpark-Rangerin erklärt, zeigt die Entwicklung der Donaulandschaft in Modellen und interaktiven Installationen, und setzt sich im Freien in einem Naturpark fort. Dort kann man das Lieblingstier der Anlage, die Sumpfschildkröte - streng geschützt und von den Rangern bewacht – beobachten und auch, wie sie jeden Mittwoch gefüttert wird. Seltene Kröten quaken, Würfelnattern schlängeln sich durchs Gehege, Biber hinterlassen ihre Spuren. Und im SPÄHikel, einem eigenen Häuschen, kann man selbst ausprobieren, wie man als Ranger Tiere beobachtet, was man hören und spüren kann, wie die Auen leben, vom trinkenden Baum bis zur schnarchenden Haselmaus.
Radtouren
Unter dem Motto „Mit dem Radel zum Adel“ hat man drei verschiedene Rad-Runden angelegt, von 15 bis 60 km Länge, als Ausflug für die ganze Familie oder sportliche Kulturrunde gedacht, mit Rastplätzen und Infostationen: radfahren.schloesserreich.at
Informationen über Öffnungszeiten und Führungen:
Schlosshof: www.schlosshof.at
Eckartsau: www.schlosseckartsau.at
Schloss Orth: www.orth.at, www.donauauen.at
Ein Beitrag von Elisabeth Hewson.
Diesen Artikel teilen
Ihr Kommentar
Was meinen Sie zu diesem Artikel?
Schreiben Sie einen Kommtentar!