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Lass mich nicht alleine im unbekannten Land

Wenn sich geliebte Menschen immer mehr verändern.
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Lass mich nicht alleine im unbekannten Land

Jeder kennt solche Momente hin und wieder: Sie spazieren durch die Stadt und plötzlich begegnen Sie jemanden, dessen Namen Ihnen beim besten Willen nicht mehr einfällt. Sie sind sich aber absolut sicher, dass Sie Ihnen diese Person vertraut ist. Nun beginnen Sie nach Situationen in Ihrem Gedächtnis zu suchen, in denen diese Person vorkam. War es ein geschäftliches Ereignis? Auf der letzten Grillparty? Aber nichts. Es fällt Ihnen einfach nicht ein und Sie sind frustriert.

Der Prozess des Erinnerns ist komplex. Es ist mehr als nur das reine Abrufen von Informationen. Dieser Aspekt ist wichtig, wenn man sich mit dem Thema Demenz auseinandersetzt. Bei einer Demenz handelt es sich um sogenannte „Aussetzer“ des Gedächtnisses. Die Schwierigkeiten, welche ein Demenzkranker erfährt, werden zunehmend stärken und können sogar so weit führen, dass der Betroffene seine Liebsten nicht wiedererkennt.

Gemäß dem Bundesministerium für Gesundheit gibt es gegenwärtig 1,7 Millionen Menschen mit Demenz. Experten gehen davon aus, dass sich diese Zahl bis 2030 auf 3 Millionen Menschen erweitert. Bei einer Demenz sinkt die geistige Leistungsfähigkeit eines Menschen durch Zellveränderung. Aus diesem Grund spricht die Weltgesundheitsorganisation auch von einer Beeinträchtigung des „leistungsfähigen Gedächtnisses“ und nicht des „emotionalen“ Gedächtnisses.

Es gibt verschiedene Arten dieser Krankheit, welche auch unterschiedliche Symptome aufweist. Unter dem Begriff "Demenz" sammeln sich 50 verschiedene Formen. Darunter unter anderem die wohl bekannteste Form Alzheimer sowie das Morbus Pick. Bei letzterem weisen die Betroffenen ein stark unsoziales Verhalten auf.

Bloße Vergesslichkeit oder der Beginn einer Demenz?

Demenz tritt in verschiedenen Stadien auf. Zu Beginn ist Vergesslichkeit nicht unüblich. Mit fortschreitender Krankheit können das Verlernen gewohnter Tätigkeiten, Orientierungslosigkeit für Zeit und Ort sowie Stimmungsschwankungen, sozialer Rückzug und Wahrnehmungsstörungen hinzukommen. In den allermeisten Fällen laufen Personen mit Demenz ruhelos umher. Der Grund dafür ist einfach: Die Körperwahrnehmung nimmt ab. Damit Betroffene ihren Körper wahrnehmen, bewegen sie sich.

Allgemein gilt, dass ein Besuch bei Ihrem Hausarzt nicht verkehrt ist, um eine Demenz frühzeitig zu diagnostizieren. Zwar gibt es bisher keine Heilung für Demenz, jedoch Medikamente, die den Fortschritt verlangsamen können.

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Eine häufige Begleiterscheinung – Inkontinenz

Bei geistig gesunden Menschen tritt eine Inkontinenz zwar auch auf, jedoch deutlich geringer als bei Demenz-Patienten. Weitere mögliche Ursachen neben einer Demenz sind eine vergrößerte Prostata, Tumore, Nervenverletzungen und neurologische Erkrankungen. Hierbei ist zu beachten, dass eine Inkontinenz keine Krankheit per se ist. Es handelt sich vielmehr um ein Symptom einer Krankheit.

Inkontinenz beschreibt die Unfähigkeit Urin und Stuhl zurückzuhalten. Es ist ein sehr schambehaftetes Thema. Es bedarf ein besonders großes Maß an Feingefühl und Geduld, da Betroffene oftmals nicht darüber sprechen.

Die Behandlung einer Inkontinenz ist einfacher, als die einer Demenz. So unterscheidet man zwischen operativer und konventioneller Behandlung. Der operative Eingriff wird jedoch erst bei einem fortgeschrittenen Stadium in Erwägung gezogen, wenn konventionelle Methoden versagen. Zu Letzterem gehören zum Beispiel leichtes Beckenbodentraining, um die Muskulatur zu stärken. Weiterhin gibt es die Möglichkeit einer Elektrotherapie. Unabhängig des Schweregrades einer Inkontinenz können Hilfsmittel den Alltag einer Betroffenen Person immens verbessern. Ob Windelhosen, Pants oder Einlagen – Diese Hilfsmittel können großen Einfluss auf die Lebensqualität eines Betroffenen nehmen. Sprechen Sie einfach Ihren Arzt darauf an, denn die Inkontinenzprodukte gibt sowohl für Selbstzahler, als auch auf Rezept.

Unterstützungen im Alltag eines Demenzkranken

Der Einsatz der oben erwähnten Medikamente kann zu Nebenwirkungen führen, daher muss die Entscheidung dazu gut überlegt sein. Eine Psychotherapie, wie zum Beispiel Bewegungsübungen, können den Erhalt bestehender Fähigkeiten unterstützen. Für den Alltag gibt es ein paar kleine Handgriffe, die es Betroffenen einfacher gestalten, mit der Krankheit umzugehen:

  • Vermerken Sie wichtige Telefonnummern sichtbar
  • Aufgaben des Alltags sind für Demente einfacher zu bewältigen, wenn sie in Form von Checklisten für sie sichtbar sind
  • Beugen Sie Gefahrenstellen wie Stolperfallen, Dunkelheit oder gefährliche Gegenstände vor, auch die Installation eines Brandmelders ist sinnvoll
  • Dementen Personen fällt ein gleichmäßig strukturierter Alltag einfacher – Versuchen Sie diesen zu bewahren
  • Stellen Sie sicher, dass Reinigungsmittel und Medikamente nicht frei zugänglich sind
  • Türschilder ermöglichen es Demenzerkrankten sich zu orientieren.
  • Lassen Sie die demente Person ein Notfallarmband oder –kette tragen, in welcher sich eine Telefonnummer sowie Name und Anschrift befinden. Falls der Demente plötzlich die Orientierung verliert oder nicht mehr weiß wer er ist, oder wohin er will, ist somit Abhilfe geschaffen

Trotz aller Herausforderungen darf man als Angehöriger nicht vergessen, dass die gemeinsame Zeit sehr wertvoll ist. Versuchen Sie eine einfache Gesprächsführung bestehend aus Ja- oder Nein-Fragen und seien Sie geduldig. Geben Sie dem Betroffenen Zeit und stecken Sie in Streitfällen zurück, um nicht zu viel Ärger bei der erkrankten Person hervorzurufen.

Ein 55PLUS-Gesundheitstipp.
 

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