Kloster Königsfelden: Von Königsmord und Heldenverehrung
Nach einigen Schwierigkeiten fand unser Navi zum Parkplatz bei der Klosterkirche Königsfelden. Einem privaten Klinikparkplatz einer psychotherapeutischen Einrichtung, die hier schon lange besteht. Der Ort hat Tradition, denn hier stand auch mal das römische Lager Vindonissa. Lange bevor dann die Habsburger 1309 ein Doppelkloster - Klarissen und Franziskaner - errichteten. Viel ist nicht mehr zu sehen, das Verbliebene ist aber beeindruckend, vor allem die Stiftskirche mit ihren Glasfenstern in zum Teil noch Originalzustand.
Doch springen wir mal kurz in der Zeit zurück. Als Albrecht I., der Sohn Rudolfs I., des ersten Habsburgers als deutscher König, nach erfolgreicher militärischer Auseinandersetzung mit dem amtierenden König Rudolf von Nassau, seinerseits 1298 zum deutschen König gewählt wurde, schien die Habsburgische Welt wieder in Ordnung zu sein. Albrecht I. war ein politisch talentierter, strategisch versierter aber auch sehr autoritärer Herrscher, der selbst innerhalb der Familie nicht Halt machte, seine Interessen durchzusetzen. Was ihm aber zum Verhängnis wurde. Denn sein eigener Neffe ermordete den königlichen Onkel wegen eines Erbschaftsstreites am 1. Mai 1308 bei Windisch, dem alten Römerlager Vindonissa.
Elisabeth von Görz-Tirol, die Witwe Albrechts, stiftete daraufhin (1309) unweit des Tatortes ein Kloster, genauer gesagt, ein Doppelkloster. So wie schon einst Muri (1027), war auch Königsfelden ein Eigenkloster, das sich im ausschließlichen Besitz der (mittlerweile) herzoglich-/königlichen Familie befunden hat und nur zwei Zwecken diente, der Grablege und für das Seelenheil der Habsburger zu beten. Auch Agnes von Ungarn, die Witwe des ungarischen Königs Andreas III. und Tochter von Albrecht und Elisabeth, lebte ab 1317 hier und sorgte, steinreich, für den finanziellen Rückhalt von Königsfelden.
Als Agnes 1364 starb, fielen alle ihr davor übertragenen Herrschaftsrechte über das Eigenamt, die riesigen habsburgischen Besitzungen im Aargau, zurück an Habsburg-Österreich, die diese aber ihrerseits wieder 1397 an das Kloster Königsfelden übertrugen. 1415 war dann endgültig Schluss mit Habsburg im Aargau, denn die Eidgenossen eroberten deren Stammlande. Nach der Reformation wurde das Kloster 1528 aufgelöst und enteignet und diente fortan als Amtssitz für die Landvögte (Verwalter) von Bern. Die prächtigen Anlagen dienten nicht mehr dem Seelenheil, sondern als Getreidespeicher und Rumpelkammer und verfielen zusehends. 1804 gelangte das ehemalige Kloster Königsfelden dann in den Besitz des neu gegründeten Kantons Aargau und wurde in den folgenden Jahrzehnten zur kantonalen Heil- und Pflegeanstalt einer psychiatrischen Klinik umgebaut, welche noch heute besteht.
Die Klosterkirche, die letztmalig 1983-1986 aufwendig renoviert und teils rekonstruiert wurde, ist heute ein Besuchsmagnet. Die zum Teil noch originalen Glasfenster zählen zu den bedeutendsten Glasmalereien der europäischen Gotik. Darauf sind neben der Passion Christi, Erzählungen aus dem Leben Christi und der Heiligen, auch die Stifter und die Angehörigen des 1308 ermordeten Königs Albrecht verewigt. Aufgrund der unglaublichen Komplexität der Kunstwerke empfehlen wir jedem interessierten Besucher, unbedingt an einer geführten Tour teilzunehmen, um den Detailreichtum dieser Kunstschätze wenigstens annähernd zu erfassen. Kunstbegeisterte können in der Stiftskirche wahrscheinlich Tage mit dem Studium der Glasfenster verbringen.
Die Gruft, die sich inmitten der Stiftskirche befindet ist hingegen leer. Sämtliche hier zu Grabe gelegten Habsburger, einschließlich Leopold III., der in der berühmt-berüchtigten Schlacht bei Sempach (1386) - die den Anfang vom Ende der Habsburger im Aargau markierte - fiel, wurden 1770 auf Anordnung von Kaiser Joseph II., dem Sohn von Maria Theresia, zuerst in die Benediktinerabtei St. Blasien im Schwarzwald, was damals noch zu Österreich gehörte, und von dort ins Stift St. Paul im Lavanttal (in Kärnten) überführt.
Wenn (im Rahmen einer geführten Tour) möglich, schauen Sie sich unbedingt die historischen Wandmalereien im Archiv nahe der Stiftskirche an. Düster bedrückend, aber dennoch beeindruckend ist hier der Untergang der habsburgischen Armee in der Schlacht von Sempach (1386) dargestellt, und den gefallenen Rittern ein Andenken für die Ewigkeit geschaffen worden.
Der Besuch von Königsfelden ist auf einer Reise zu den Wurzeln der Habsburger im Aargau ein unbedingtes Muss. Ein direkter Vergleich zu Muri ist legitim geht aber ins Leere, weil die neuzeitliche Entwicklung der beiden ehemaligen Habsburger Eigenklöster vollkommen anders verlaufen ist. Muri blieb, jedenfalls bis 1841, geistlich und entwickelte sich zum vermögendsten Kloster der Eidgenossenschaft. Königsfelden hingegen wurde weltliche Vogtei der Berner Herren, und deren reichste Hofgutsverwaltung.
Vom ehemaligen Kloster Königsfelden ist es mit dem Auto nur ein Katzensprung nach Brugg, der einstigen Residenzstadt der Habsburger im Aargau. Und damit beginnt auch unser Besuchsprogramm der Habsburger Städte in ihrem Stammland.
Unsere redaktionelle Recherchereise im Mai 2026 wurde unterstützt von:
Schweiz Tourismus, Aargau Tourismus, Caspar Drei-Häuser-Hotel, Museum Aargau, Kloster Muri, Tourismus Rheinfelden sowie TourismusRegion Baden.
Unser Buchtipp für alle, die mehr über die Anfänge der Habsburger in der heutigen Schweiz erfahren wollen: Ein Königshaus aus der Schweiz. Die Habsburger, der Aargau und die Eidgenossenschaft im Mittelalter.
Dr. Bruno Meier - Verlag Hier und Jetzt - ISBN 978-3-03919-643-2
Zum Aufbau einer engmaschigen, straffen Verwaltung, zum Aufschwung der Wirtschaft aber auch zur militärischen Absicherung gründeten die Habsburger entweder selbst Städte oder bauten bestehende Siedlungen zu Städten aus.
Um diese zu schützen und vor allem die Zoll- und Steuereinnahmen der habsburgischen Herrschaft zu sichern, wurden überall adelige Verwalter, sogenannte Vögte eingesetzt, die überwiegend auf Burgen residierten, von denen es im Aargau so manche gab.
Wir haben auf unserer Reise einige habsburgische Städte besucht, die mitunter noch immer ein mittelalterliches Flair und die Nähe Habsburgs ausstrahlen. Bremgarten, in unmittelbarer Nähe zu Muri, Brugg, eine Residenzstadt der Habsburger, mit dem Kloster Königsfelden, das habsburgische Verwaltungszentrum Baden, sowie Laufenburg und Rheinfelden. Einen Abstecher machten wir auch zum Schloss Wildegg, das einst habsburgische, adelige Beamte bewohnten.
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