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Fashion Flower Bildband

Flora meets Fashion.
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© Illustration Aphia Sakyi / Sonnenblume_detail - Designerin Aphia Sakyi / Zum Vergrößern auf das Bild klicken

Fashion Flower Bildband

Nicht erst seit Flora, der römischen Göttin der Blüte, der Jugend und des Frühlings, einer jungen schönen Frau, ist die Natur Ursprung unserer Kreativität. Sie ist Anregung und unerschöpfliche Quelle der Inspiration. Farbenpracht, Eleganz, Duft und Schönheit der Blumen oder überhaupt der pflanzlichen Vegetation sind wahrscheinlich schon seit Jahrtausenden ein die Lust am Gestalten auslösendes Moment. Und das nicht nur bei der Entstehung von Kleidung und später von Mode, sondern auch für die Kunst ganz allgemein. Blumenprints sind ein fester Bestandteil der Mode. Heutzutage. In früheren Zeiten sind es Stickereien, Broderien, Wirkerei und Weberei, auf höchstem Niveau arbeitende, handwerkliche Zulieferer mit festem Sitz innerhalb der Mode vergangener Epochen. Vieles davon ist selbst in der modernen Haute-Couture nicht anders. Auch da sind Blüten, Pflanzen und allgemein vegetabile Formen aus der Produktion kostbarer Entwürfe nicht wegzudenken. Wie kann man sich nicht angesichts der wunderbar zarten Textur, der feinen Struktur und der unermesslichen Farbenfülle eines Blütenblattes fragen, ob dies auch auf synthetischem Weg in Form eines Stoffes oder eines Kleidungsstückes nachzuahmen ist? Oder wie die Botanik einer Pflanze Vorbild für die Physis einer schönen Gestalt sein kann? Wagen Sie eine Blick in den atemberaubenden und kostenlosen Bildband „Flora Fashion“.

Was trägt Flora?

Blütenmeere, zarte Schleier, glockige Formen, schwingende Kleider und eine unerwartete Lebendigkeit in der Farb- und Formgebung gehören als Zeichen einer alliance immortelle von Fashion und Flora zur Mode unbedingt dazu. Anleihen bei Blüten und Pflanzenformen machen die Mode lebendig, anschmiegsam, leicht und irgendwie auch frei. Und: Die Mode, die von der Natur inspiriert ist, ist weiblich, zumindest in der Form, den der vorliegende Bildband präsentiert. Was würde Flora tragen? Dies wäre eine durchaus berechtigte Frage beim Durchblättern der einzigartigen, eleganten und farbenfrohen Designs. Tatsächlich wäre die Antwort für dieses Buch: alles. Was nicht nur daran liegt, dass viele der Designerinnen und Designer, die hier vorgestellt werden, aus aller Herren Länder stammen. Die typische Flora ihres Heimatlandes haben sie bei ihren Kreationen, sofern sie sie nicht konkret thematisieren, natürlich im Hinterkopf. Denn Pflanzen, Blumen und Blüten sind international, sie teilen unser Schicksal. Sie sind eigentlich wie wir Menschen: Sie sind autochthon, erdverbunden und aus der Heimat stammend, oder sie migrieren und sind Neophyten.

Zuwanderung oder was Menschen und Blumen gemeinsam haben

© Illustration Designerin Rula von Kuniri / Nelke - Designerin Rula von Kuniri / Zum Vergrößern auf das Bild klickenAnleihen bei vegetabilen Blütenmustern, Farben und Formen müssen nicht immer zu einer Romantik in der Mode führen. Ganz im Gegenteil. Es ist Zeit, sich hier Einflüssen zu öffnen, welche die Modeindustrie nicht nur auf ideeller Ebene bereichern. Das Label Kuniri vereint Designerinnen und Designer wie Rula, die aus ihrer Heimat Syrien geflüchtet ist. Rula verbindet in ihrem romantischen und sehr weiblichen Entwurf durch Wildlederoptik, Tüll und überlappende Volants Formen, die an die zarten, mal gefransten, mal gekerbten Blütenblätter und den geheimnisvollen, sinnlichen Duft der ursprünglich im Mittelmeerraum beheimateten Nelke (Dianthus) sowie an die osmanische Kunst erinnern. Die Mohnblume hat bereits die bildende Kunst, vor allem die Malerei inspiriert. So wundert es nicht, dass sie auch in der Mode ihre Wirkung nicht verfehlt: Ein weiterer zu Kuniri gehörender Designer ist Hassan aus Afghanistan, der die leuchtende Farbe des Mohns (Papaver) mit einem eindrucksvollen Design zu einem atemberaubend schönen Entwurf verbindet. Kraftvoll wie die Farbe Rot und zart wie die Blütenblätter des Mohns ist die Wirkung des aus Satin und Tüll gefertigten Kleids. Die Tulpe (Tulipa), deren Bedeutung in vielen Ländern fest mit dem Frühling und der Rückkehr prächtiger, leuchtender Farben nach dem Grisaille-Grau-in-Grau des Winters verbunden ist, hat Zahra aus Afghanistan inspiriert, die ebenfalls für das Label Kuniri arbeitet. Ein geraffter Stehkragen in leuchtendem Pink, ein schwarzes Lycra-Oberteil sowie ein pinkfarbener Ballonrock spiegeln die Kombination von Tradition und prächtigen Farben wider.

Faire Arbeitsbedingungen, gemeinsam gehen – Kuniri

Kuniri ist ein Label, das seit 2014 aus Nähwerkstätten entstanden, zu einem professionellen Thinktank und Produzenten für nachhaltige Mode geworden ist. Eigentlich Werkstatt, Akademie und Label in einem, bietet Kuniri vor allem eines: Chancen. Für Geflüchtete, die bereits in ihrer Heimat Designer waren oder die es hier im Zielland werden wollten und wollen. Die sich im weiteren Feld der nachhaltigen Fashion bewähren wollen. Und was Mode besonders gut kann, und zwar schon immer, ist: Einflüsse fremder Kulturen in einzigartigen Designs in sich zu vereinen. Wo gelingt dies besser als bei einem Label, an dem immer Menschen zusammenarbeiten, die aus verschiedenen Kulturen stammen?

Nachhaltigkeit mit Hamaji

Louise Sommerlatte, aus Kenia und aus einer Unternehmerfamilie stammend, gestaltet mit ihrem Bohemian Fair Fashion Label Hamaji (auf Swahili "Nomade") eine perfekt in ihre Umgebung passende Kollektion mit bunten und vielseitigen Designs. Sanft fließend wie der Wüstenwind, erinnert ihr Entwurf in der Farbe und dem Motiv an die in Afrika heimische Pflanze der ariden Subtropen: Aloe Africana. Die als Heilmittel bekannte Pflanze mit dickfleischigen Blättern hat unter bestimmten Bedingungen eine sich ändernde Farbgebung der Blüten, welche die mit Stickereien aufgebrachten Blüten der wundervoll fließenden Kreation von Louise Sommerlatte inspiriert haben. Das Label widmet sich außerdem dem Upcycling von gebrauchten Kleidungsstücken und der Kooperation mit heimischen Handwerkern in Kenia.

Emine Capartas alias Emy on Mars

© Illustration Designerin Emine Capartas / Kaiserkrone - Designerin Emine Capartas / Zum Vergrößern auf das Bild klickenEmine Capartas kommt aus der Türkei und ihre Eltern sind von kurdischer Abstammung. Für die unter ihrem Künstlernamen Emy on Mars geschaffenen Entwürfe greift sie immer wieder auf die Inspiration der Flora zurück. Hier ist es die im Süden der Türkei beheimatete Kaiserkrone (Fritillaria imperialis), ein Liliengewächs, die ihr sanft fallendes Plisseekleid mit einem Head-Wrap aus Satin und einem aufgenähten Massai-Band zum Vorbild hat. Die Farbigkeit, aber auch die Form der Blüte faszinieren die Designerin. Die Kaiserkrone hat wunderschöne gelbe, ziegelrote oder orangefarbene Blüten, die anders als etwa die Tulpe nicht emporragen, sondern nach unten geneigt sind.

Moonlight Optic am Alpensaum

Der auch bei uns heimische, gerne im Gebirge vorkommende Enzian (Gentianae) gilt nicht nur in der reinen Blaufärbung als selten, sie sind auch ein Symbol der christlichen Liebe und Treue. Weltweit gibt es Hunderte von Enzianarten und sie sind seit der Antike auch wegen ihrer Wirkstoffe bekannt und ein gesuchtes Heilmittel. In unseren Breitengraden findet man eine ganze Reihe in den gemäßigten Zonen der nördlichen Hemisphäre, der Enzian findet sich aber auch in Südamerika, etwa in den Anden. Sarah Wolff, aus Jülich stammend und eine junge Absolventin der Hochschule in Trier, hat die intensive Farbgebung dieser so ansprechenden Pflanze zu ihrem traumhaften Entwurf aus dreilagigem Tüll und Seidentaft mit eleganter Silhouette inspiriert.

Those were the days: Flower Power als unsterbliches Phänomen

"If you are going to San Francisco, be sure to wear some flowers in your hair" – der die kalifornische Metropole verewigende Song von Scott McKenzie war einer der Kulthits der 1960er-Jahre. Die Zeit des Flower Powers mag vorüber sein, der Charme der Blumen, die in Kalifornien jedes Jahr zu Tausenden blühen, ist es nicht. Die kalifornische Wildblume inspirierte die Kreation der bekannten Designerin Elena Nazaroff, zu deren Kunden Drew Barrymore und Mariah Carey gehören. Auch arbeitete sie für das Couture-House Jacques Fath in Paris und Mario Moya und Zac Posen in New York. Die etablierte Designerin vereint in ihrem Design ein Gesteck künstlicher kalifornischer Wildblumen mit einem Denimstoff, der an eine anderes, ursprünglich in San Francisco beheimatetes Bekleidungsstück erinnern soll: die 1853 in San Francisco von Levi Strauss erfundene Blue Jeans. Elena Nazaroff, eigentlich in Russland geboren, nennt auch eine Denim-Marke ihr Eigen: die umweltfreundliche Marke Metamorfus.

Inside Africa and abroad: Mode von Aphia Sakyi

© Illustration Designerin Aphia Sakyi / Sonnenblume - Designerin Aphia Sakyi / Zum Vergrößern auf das Bild klickenEine Mode, welche die entferntesten Einflüsse zu vereinen scheint, ist die Mode von Aphia Sakyi aus Ghana. Sowohl ein eigenes Label wie auch eine Designschule betreibt die Westafrikanerin in Labone. Ihre atemberaubenden Kreationen verbinden die Strenge von indigenen Kleidungstraditionen mit europäischen Stilrichtungen wie der Renaissance und demonstrieren damit verblüffende Verwandtschaften. Im vorliegenden Design verbindet Aphia starke Kontraste: das leuchtende Gelb der Sonnenblume (Helianthus annuus) mit tiefem Schwarz. Ein Bleistiftrock im Wetlook trifft zudem auf groben, glänzenden Strick und eine Oversize-Stoffbrosche mit den Blüten der Sonnenblume. Weltweites Aufsehen erregte Aphia Sakyi mit ihrem Style für Janet Jackson sowie der Kollektion 50 Shades of Print, welche die Diversität afrikanischer Muster vor Augen führt. Im Jahr 2018 hat Aphia Sakyi den "Preis der Accessoire-Marke des Jahres" der Ghana Fashion Honours & Awards erhalten.

Ein ganz besonderes Flair: die Kombination aus praktischer und luxuriöser Mode

Kletterpflanzen wie die Wicken (Vicia) finden sich in vielen Regionen der nördlichen Halbkugel. Sie vereinen Gegensätze: nach bäuerlicher Arbeit klingende deutsche Namen wie "Ackerbohne" oder "Platterbse" und eine träumerische Vielfalt der Farben und Formen in ihren Blüten. Pragmatik einerseits und verschwenderische Fülle und Farbigkeit andererseits kennzeichnen auch das Design von Lara Regula mit einem körpernahen schwarzen Untergewand, einer duftig-zarten transparenten Tunika und einem auffälligen Make-up. Die aus Wiesbaden stammende und an der Hochschule zu Trier Modedesign studierende Designerin hat sich durch den ungeheuren Farbreichtum der Wicken inspirieren lassen. Die Wicke ist eine Kletterpflanze, die bis zu einer Höhe von zwei Metern Zäune und Fassaden hochrankt. Textildesign sowie Kostümbild für Theater und Film sind die Schwerpunkte, denen Lara Regula sich für ihren Beruf verschrieben hat.

Im Zeichen der Lilie

Die aus Frankreich stammende, in New York und Berlin arbeitende Designerin Sabine Feuilloley kennt die Bedeutung der Lilie für ihr Heimatland nur zu gut. Nirgendwo sonst hat die Lilie eine stärkere Verbundenheit zu Politik und Geschichte des Landes als in Frankreich, was einfach daher kommt, dass die Lilie über Jahrhunderte das Zeichen der königlichen Herrschaft war. Die Fleur-de-Lys ist das Muster, welches das Design von Sabine Feuilloley auf dem Rock ihres Schwertlilienentwurfs zeigt. Fleur-de-Lys ist zugleich das heraldische Zeichen der französischen Monarchie. Kopf, Arme und Beine sind in blutrotes Latex gehüllt. Die irritierende Kombination aus künstlerisch-modernen und traditionellen Elementen verweisen auf die Spannung zwischen Monarchie und Republik, welche die französische Nation bis heute prägen. Ein scharfe Waffe und eine zarte Blume: Auch die Schwertlilie (Iris) vereint in ihrem Namen extreme Gegensätze. Sie spielen auf Traditionen der Gewalt, der Macht und des Kampfes, andererseits auf Schönheit, Reinheit und Anmut an. Sabine Feuilloley arbeitet inzwischen als Stylistin für den Verlag HarperCollins, das New York Times Magazine und die US-amerikanische Kaufhauskette Neiman Marcus.

Florale Weltreise zwischen Diversität und Appropriation

Verträgt Mode alles? Designer und Nachwuchsdesigner nehmen den Leser in diesem Buch mit auf eine Reise durch die botanische Mode dieser Welt, die sich als besonders stilsicher zeigt: Einflüsse vielfältiger Pflanzen und Blüten bezeugen, wie Diversität die Mode in vielen Facetten bereichert. Wir wissen nicht, ob wirklich jeder Mensch durch Blumen schöner wird. Dennoch: Die Vielfalt der Strömungen und Einflüsse lässt sich nirgendwo so fruchtbar vereinen wie hier. Für manche Menschen ist Mode ohne Blumen tatsächlich wie ein Sommer ohne Sonne. Kulturelle Unterschiede und die Vielfalt der Pflanzenwelt stehen bei botanischer Mode in einem anregenden Verhältnis zueinander. Junge Talente, ihre frischen neue Ideen und Ansichten, gemeinsam mit etablierten Profis, deren Erfahrung und Expertise präsentieren eine überzeugende Kollektion: inspirierend, sommerlich, leicht, verführerisch, atemberaubend.

 
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