„The Shard“, der ganz London überragende Glasturm, kratzt mit seinen 310 m schon fast am Himmel. Wie die himmelstürmende Hotelkarriere von Kurt Macher, aufgewachsen in einem kleinen Dorf in Brunn bei Fehring, ausgebildet als Koch und Kellner im Gasthof Kraxner in Hatzendorf, der heute nicht nur Hotelchef des Shangri-La im Shard ist, sondern seit kurzem auch noch das Shangri-La in Paris führt. Irgendwie hat er es in die Wiege gelegt bekommen. Seine Mama war Konditorin, seine Tante führte eine Bäckerei, und im benachbarten Gasthaus hatte er schon mit fünf Jahren den Trick heraus, wie man zu Trinkgeld kommt: Er half beim Servieren, und so einem kleinen Stöpsel, der den Semmelkorb oder die Wasserflasche auf den Tisch stellt, kann man ja kaum widerstehen.
In Bad Gleichenberg holte er sich dann in der Landesberufsschule und danach im Tourismuskolleg die Grundkenntnisse und brillierte mit einer Silbermedaille im Bundeslehrlingswettbewerb. Er wollte schon damals hoch hinaus, stieg selbstbewusst in seinen kleinen roten Toyota Corolla und brauste in die Schweiz. Dort wurde er Bar-Manager in einem Fünfsternhotel, dem Suvretta House in St. Moritz, zwischendurch ging’s nach Frankreich, dann wieder nach Salzburg als Rezeptionist, von dort weiter als Chef Concierge nach Kanada. Er lernte viele interessante und wichtige Leute kennen, die ihm Tipps gaben, die ihn weiterempfahlen, in Dubai wurde er so zum Guest Relations Manager. Er erinnert sich, dass es da in den späten 1990ern noch recht schwierig war, mit der Kultur in den Vereinigten Arabischen Emiraten, mit den Mitarbeitern umzugehen. Aber treu seinem Motto „Nix scheissen!“ schaffte er auch das mit Charme und strenger Freundlichkeit. Dann ging’s wieder zurück nach Kanada, das Fünfstern-Hotel The Inn at Manitou freute sich über seine Mitarbeit. Und über seine Fremdsprachkenntnisse: Englisch, Französisch und einiges Chinesisch.
Seine weitere Karriere macht fast schwindlig. Das Four Seasons Resort Nevis, das Ritz Carlton in Chicago, das Four Seasons in Houston, das Peninsula in New York. Und von dort zur gleichen Hotelkette nach Hongkong, in deren Flagship Hotel, dem ältesten Hotel von Hongkong. Dann Resident Manager bei der Pan Pacific Hotels Group in Singapur, General Manager vom Temple House in Chengdu in China. 2000 erlebte er den Hurrikan Georges auf der Karibikinsel Nevis, der stürmische Anfang seiner Karriere mit der Hotelgruppe Four Seasons, und an den er mit Schrecken zurückdenkt. Auch an viele, viele Promis und Stars, über die er nichts erzählt, aber unendlich viel erzählen könnte. Seit 2019 ist er General Manager des Shangri-La in London, wieder eine andere Welt. Als er es übernahm, war es etwas steif geführt, jetzt bringt er hier österreichischen Charme ein – und seine unglaublich vielfältige Erfahrung. Er sieht vieles locker, solange es klappt und die Gäste im Restaurant, in der Bar und im Hotel glücklich sind. Man ruft sich jetzt im Personal bei Vornamen, interne Englischkurse sollen auch ausländischem Personal – im Shangri-La arbeiten Menschen aus 45 Nationen! – eine Karriere ermöglichen, und die Hierarchie wird nur merkbar gemacht, wenn einmal nötig. Das ist so erfolgreich, dass er auch das Shangri-La in Paris führt, wo er regelmäßig hinfährt - mit dem Eurostar Zug in nur 2,20 Stunden kein Problem - um nach dem Rechten zu sehen.
Dass Kurt Macher für „sein“ Shangri-La und viele andere der von ihm geführten Hotels alle möglichen internationalen Auszeichnungen bekommen hat – eh klar. Und weil sein Tag offenbar mehr als 24 Stunden hat, ist er auch noch bei verschiedenen Plattformen aktiv, für Aufforstung, Klimaschutz, für die Inklusionsplattform Pride (wofür man ihn schon ausgezeichnet hat) und diverse Krebshilfen. Vergisst auch Österreich nicht, vergibt Preise beim jährlichen Sheskis (Brustkrebshilfe) in Obertauern. Er setzt sich auch sehr persönlich ein: im April wird Kurt Macher am London Marathon zugunsten von Make-A-Wish UK teilnehmen, um Spendengelder für schwerkranke Kinder zu sammeln und ihnen lebensverändernde Wünsche zu erfüllen.
Was ihm noch wichtig ist, ist Förderung und Schulung einer nächsten Generation von Führungskräften in Luxushotels in aller Welt. Dafür wurden zum Beispiel zwei Graduate Manager aus dem Tourismuskolleg in Bad Gleichberg, mit dem er immer noch in treuem Kontakt ist , ausgewählt, die er zu einer Traineeship in London eingeladen hat.
Sein Lieblingsessen ist und bleibt der Apfelstrudel von der Mama. Er ist jetzt happy in London, immerhin schon sechs Jahre lang, ist frisch verheiratet und wirkt sehr glücklich mit Mann und Hund und Katze. Ein anderes Leben kann er sich gar nicht vorstellen. Und man sich den Steirer Kurt Macher auch nicht in irgend einem anderen Job.