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Die Habsburg und das Eigenamt der Habsburger

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Auf den Spuren der ersten Habsburger im Aargau, Schweiz.
Kanton Aargau, CH - Schloss Habsburg - © Edith Spitzer, Wien

Die Habsburg und das Eigenamt der Habsburger

Um die Themenreise in den Schweizer Kanton Aargau so richtig genießen zu können, lassen Sie uns kurz ein bisschen Geschichte Revue passieren.

Wir steckten im tiefsten Mittelalter, als ein gewisser Radbot, gräflicher Grundherr im Klettgau (am Oberrhein), der von seinem Vater Lanzelin einige, mitunter fragwürdig erworbene aber sehr fruchtbare Ländereien zwischen Aare und Reuss erbte, so rund um 1020/1030 eine Festung baute, die in der Folge Habsburg genannt wurde. Über den Namen der Festung am Wülpelsberg kursieren so manche Geschichten. So sagt eine, ein Habicht hätte den Standort auserwählt. Eine zweite wieder leitet den Burgnamen vom Begriff „Habe“ ab, also etwas, was man besitzt, abzusichern und wieder eine andere gründet auf der Bedeutung Furt bzw. Übergang (über die Aare).

Kanton Aargau, CH - Schloss Habsburg_Geschichte auf Schautafeln - © Edith Spitzer, Wien

Damals jedenfalls waren solche steinernen Bollwerke schlichte Zweckbauten und schon gar nicht gemütlich, sondern dienten bloß dazu, das Umland, das einem als Lehen anvertraut war oder gar selbst gehörte, wie eben das Eigenamt, zu schützen und zu verwalten. Auch der erste Bau der Habsburg, von dem heute bloß ein paar Mauerreste übrig sind, war unspektakulär. Aber dorthin zog Radbot, der Ahnherr der Habsburger, von seiner früheren Unterkunft, im Weiler Altenburg, auf dem Gelände des ehemaligen römischen Garnisonslagers Vindonissa in Brugg.

Kanton Aargau, CH - Schloss Habsburg_Blick vom Turm auf Ruine - © Edith Spitzer, Wien

Schon bald wurde die Habsburg baulich erweitert und modernisiert und mit Otto II., Radbots Enkel, nannte sich der erste Sproß dieser Familie ab 1108 offiziell „von Habsburg“, eine Namensbezeichnung, die fortan alle Familienmitglieder trugen. Gute 200 Jahre wohnten die Habsburger in ihrer Stammburg, ehe die Familie um 1230 in ein Stadtschloss nach Brugg übersiedelte, und von dort dann 1282 endgültig nach Wien.

Kanton Aargau, CH - Schloss Habsburg_Ruinenteil - © Edith Spitzer, Wien

Heute wird die Ruine vom Aargau Museum als Schloss Habsburg verwaltet und die Geschichte der Burg sowie der frühen Familie audiovisuell präsentiert. Dazu gibt es im Großen Turm über die verschiedenen Stockwerke hinweg eine chronologische Erzählung des habsburgischen Machtaufstiegs und des Verlustes der Stammlande infolge der Eroberung durch die Eidgenossen (1415). Abgerundet wird das Museumsangebot durch eine kommentierte Flug-Animation aus der Sicht eines Habichts, mit einer 3D-Brille, welche die Besucher zur Zeit (Stand Mai 2026) noch gratis ausleihen dürfen.

Kanton Aargau, CH - Schloss Habsburg_ Blick auf Turm - © Edith Spitzer, Wien

Im alten Außenbereich der Anlage kann man sich entlang der Mauerreste der komplett verfallenen vorderen Burg bewegen und anhand der informativen Schautafeln orientieren. Trittsicherheit und Schwindelfreiheit sind dabei aber anzuraten. Dass dies alles überhaupt möglich geworden ist, verdanken wir einer kuriosen Geschichte. Denn als Erzherzog Johann (1782 -1859) 1815 auf der Durchreise im Aargau Halt machte und dabei auch die Stammburg seiner Familie besuchen wollte, musste diese erst durch aufwändige Rodungen freigelegt werden. Ein Anstoß, der den, erst seit 1803 eigenständigen Kanton Aargau bewegte, Renovierungsarbeiten am Stammsitz der Dynastie in Gang zu setzen, auch oder vor allem, weil sich Österreich am Wiener Kongress nachdrücklich für die Selbständigkeit des jungen Kantons einsetzte, den die Berner wieder unter ihre Herrschaft bringen wollten.

Kanton Aargau, CH - Schloss Habsburg_Blick von Ruine auf Schloss - © Edith Spitzer, Wien

Für alle, die nach (oder schon vor) der Besichtigung der Habsburg hungrig und durstig geworden sind, bietet ein neues Gastronomiekonzept in der hinteren Burg schmackhafte Angebote. In einem historischen Ambiente auf verschiedenen Ebenen werden regionale Spezialitäten und abwechselnde Tagesgerichte kredenzt. Selbst die Sanitäreinrichtungen im Untergeschoss sind top. Mittlerweile ist die Habsburg auch eine beliebte und stark nachgefragte Location für Hochzeitsgesellschaften, was nicht verwundert. Denn es ist fürwahr nichts alltägliches, in der Stammburg einer Weltdynastie die Weichen für eine gemeinsame Zukunft zu stellen.

Kanton Aargau, CH - Schloss Habsburg_Schlossrestaurant - © Edith Spitzer, Wien

Die Anfahrt zur Habsburg ist gut beschriftet. Auch das Navi findet anstandslos hin. Am Fuße der Burgruine befindet sich eine größerer Parkfläche, die - im Gegensatz zu all den anderen Parkplätzen - noch kostenfrei nutzbar ist. Einen Besuch der Habsburg könnte man auch gut mit der Besichtigung von Schloss Wildegg oder dem Wasserschloss Hallwyl kombinieren. Letztere Burgen sind im Gegensatz zur Stammburg noch heute gut erhalten und wirklich sehenswert.

Kanton Aargau, CH - Schloss Habsburg_vom Tal - © Edith Spitzer, Wien

Exkurs: Das Eigenamt

Wer durch den lieblichen, sattgrünen Landstrich zwischen Brugg, Bremgarten und Muri fährt, befindet sich in einer der geschichtsträchtigsten Regionen der Schweiz. Dem ältesten und ideell wichtigsten Grundbesitz der Habsburger, dem sogenannten Eigenamt, nachdem diese Gegend bis heute benannt ist.

Dieser äußerst fruchtbarer Landstrich zwischen Aare, Reuss und Limmat, gehörte den Habsburgern exklusiv, war ein sogenanntes Allod. Im Mittelalter war dies nicht so selbstverständlich, denn die allermeisten Adeligen verwalteten bloß königliche Reichsgüter oder eben Allodialbesitz reicherer Adelsfamilien. Alles was das Eigenamt erwirtschaftete gehörte ausschließlich den Habsburgern, sie mussten davon also nichts an den römisch-deutschen König oder andere Lehensherren abgeben. Mit ein Grund, warum diese Adelsfamilie so reich und mächtig geworden ist.

Kanton Aargau, CH - Schloss Habsburg_Blick ins Tal - © Edith Spitzer, Wien

Ein Teil des Eigenamts war auch das Freiamt rund um Muri. Ziemlich verwirrend, nicht wahr? Nun, der Begriff Eigenamt stellte auf einen Landstrich, eine Region ab, während der Begriff Freiamt auf eine Personengruppe, in aller Regel freie Bauern abstellte. Diese freien Bauern in Muri hat einst Lanzelin, der Vater von Radbot, dem Erbauer der Habsburg, gewaltig über den Tisch gezogen und sich ihr Land gewaltsam angeeignet. Zur Sühne dieser Missetat bauten später Radbot und seine Frau Ita von Lothringen das Kloster Muri. Mehr dazu in einem anderen Artikel.

JV

Kanton Aargau, CH - Schloss Habsburg_Schautafel - © Edith Spitzer, Wien

Lesen Sie unsere Aargau-Habsburger-Serie:

Unsere redaktionelle Recherchereise im Mai 2026 wurde unterstützt von:
Schweiz Tourismus, Aargau Tourismus, Caspar Drei-Häuser-Hotel, Museum Aargau, Kloster Muri, Tourismus Rheinfelden sowie TourismusRegion Baden.

Spezielle Reiseinformationen zum Thema Habsburger im Aargau finden Sie bei Aargau Tourismus:
aargautourismus.ch/de/erleben/kultur/stammlande-der-habsburger.html

Unser Buchtipp für alle, die mehr über die Anfänge der Habsburger in der heutigen Schweiz erfahren wollen:
Ein Königshaus aus der Schweiz. Die Habsburger, der Aargau und die Eidgenossenschaft im Mittelalter.
Dr. Bruno Meier - Verlag Hier und Jetzt - ISBN 978-3-03919-643-2

 

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