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Christbaumschmuck (1): Zierde aus Lauscha

In dieser Reihe wollen wir einen kurzen historischen Streifzug über die Anhänger vom Ende des 19. Jahrhunderts bis heute geben.
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Alter Christbaumschmuck aus Lauscha

Christbaumanhänger aus Lauscha

Christbaumbehang aus Lauscha / Zum Vergrößern auf das Bild klickenHeute gilt das Glas als das beliebteste und bekannteste Material für den Christbaumschmuck – bilden doch die leuchtenden Kugeln in verschiedenen Farben eine besondere Attraktion. Ein Blick zurück in historische Zeiten beginnt bei den schweren Glas-Farbkugeln aus der Biedermeierzeit, die einen wahren Boom auslösten. In den weiteren Jahrzehnten konnte sich die Herstellung von Schmuck aus Glas vor allem in Böhmen und Thüringen zunächst als Nebenerwerb entwickeln, um dann gegen Ende des 19. Jahrhunderts mit dem populär gewordenen Christbaum eine kaum vorstellbare Formenvielfalt zu erreichen. 

Christbaumkordeln aus Lauscha / Zum Vergrößern auf das Bild klickenIn Thüringen und zwar in und um Lauscha wird seit etwa 1850 gläserner Christbaumschmuck hergestellt. Die Erfindung der Bläserei von Glastropfen vor einer kleinen Flamme zu einer Hohlglasperle wurde zuerst für die Perlen der Schmuckindustrie genützt, was den Familien zur relativen Unabhängigkeit von den Glashütten verhalf. Als 1867 mit der Gründung einer Gasanstalt die Bunsenbrenner mit durch Preßluft angereichertem Leuchtgas gespeist und ihre Temperatur dadurch auf 1400° Celsius erhöht werden konnte, war die Voraussetzung für die massenweise Produktion von gläsernem Christbaumschmuck gegeben – im Prinzip nichts anderes als vergrößerte Perlen. Die heute selten zu findenden alten Ketten mit ihren kleinen Kugeln verraten ihre Herkunft aus der Perlenbläserei besonders deutlich.

Christbaumstecker aus Lauscha / Zum Vergrößern auf das Bild klickenEs war aber auch möglich, die warmen Glaskörper mit profilierten Holzstäben einzudrücken, die als „Reflexe“ sehr beliebt wurden. Thüringer Glaskugeln wurden zunächst innen mit geschmolzenem Blei, später mit dem gesundheitsschonendem Silbernitrat verspiegelt, an der Außenseite bemalt oder mit Gelatine überzogen und dann in "venezianischen Tau“  getaucht. Letzterer besteht aus winzigen Glaskügelchen, die an der Oberfläche haften bleiben. Auch Glastiere, Nüsse, Obst, Musikinstrumente, Glocken, Zapfen und phantasievolles kleines Spielzeug wurden zu Beginn des 20. Jahrhunderts als Baumanhänger hergestellt. Neben der Bemalung wurden die Stücke häufig mit „leonischen“ Drähten, also gelben Messingspiralen, umsponnen.

Lesen Sie aus der Serie "Christbaumschmuck":

Ein Kulturtipp der 55PLUS-Kunstexpertin Helga Högl.


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