Brugg, Rheinfelden, Laufenburg und Baden - Habsburgs Städte
Vor einem historischen Einstieg in die Habsburger Städte im Aargau eine kurze Anmerkung zu unserer Reise zur Wiege dieser Dynastie. Den Kanton Aargau gibt es in der heutigen Form seit 1803 und er ist Teil der Schweiz, jenes Alpenlandes im Herzen Europas, das weltweit unbeschreiblich viele Klischees verkörpert. Der Aargau ist eine fürwahr herrliche Reisedestination, aber der Aargau ist schlichtweg anders. Ruhiger, nicht so überlaufen, intimer, entspannter, natürlicher. Vielleicht liegt es ja auch daran, dass im Aargau noch immer ein wenig Habsburgisches mitschwingt. Entdecken Sie ihn am besten selbst!
Nun, das mittelalterliche Feudalsystem kannte anfangs nur die große Masse der leibeigenen Bauern und jene dünne Adelsschicht, die sie beherrschten. Die Herren an der Spitze der Pyramide, vom König über die Herzöge und Grafen, bedienten sich ihrerseits wieder kleinadeliger Krieger und Ministerialen, die ihre Gebiete und deren unfreie Bevölkerung verwalteten und militärisch schützten. Doch dem reinen Agrarsystem waren enge Grenzen gesetzt. Es brauchte Handwerker und vor allem Händler, welche die Wirtschaft ankurbelten und die Macht und den Reichtum der Herrschenden mehrten. So gründete man Städte oder baute bestehende massiv aus, und die Habsburger waren darin sehr versiert. Immer an strategisch günstigen Plätzen wie Flussübergängen, Kreuzungen von Handelsrouten, Burgen oder Klöstern.
Auf unserer Reise durch das Stammland der Habsburger, besuchten wir Brugg, Rheinfelden, Laufenburg und Baden, heute moderne Schweizer, genauer: Aargauer Städte, deren habsburgisch-mittelalterlicher Kern aber noch immer dominant ist.
Schon die Römer unterhielten hier ein Militärlager, das Vindonissa hieß. Auch Radbot, der Stammvater der Habsburger Dynastie, lebte anfangs in dem kleinen Weiler Altenburg, ehe er 1020/30 ganz in der Nähe die später namensgebende Habsburg baute. Nachdem die Habsburger rund 200 Jahre auf ihrer Stammburg weilten, übersiedelten sie um 1220/30 endgültig nach Brugg und machten sie zu ihrer Residenzstadt in den sogenannten Vorlanden, ihren ersten großen Besitzungen. Selbst als sie 1282 ihren Hauptsitz nach Wien verlegten, blieb Brugg aufs Engste mit der Familie verbunden, die bei ihren regelmäßigen Aufenthalten immer im Österreich-Haus weilte, das nach der Eroberung des Aargaus durch die Eidgenossen 1415 zum Effingerhof (siehe auch Schloss Wildegg) wurde. 1284 verliehen die Habsburger Brugg das offizielle Stadtrecht und lösten sie aus dem Eigenamt, ihrem Aargauer Privateigentum heraus.
Den habsburgischen Stadtpalast gibt es zwar heute nicht mehr, dafür aber noch den Schwarzen Turm an der (ab dem 16. Jahrhundert steinernen) Brücke über die Aare, die der Stadt den Namen gab. Der mittelalterliche Turm ist das Wahrzeichen und der Besuchsmagnet von Brugg. Von dort hat man auch einen wunderbaren Blick auf das sogenannte Wasserschloss, das geografische Dreieck, wo die Flüsse Aare, Reuss und Limmat zusammenfließen.
Schlendert man durch den alten Stadtkern gelangt man zum alten Zeughaus, in dem heute das Stadtmuseum untergebracht ist, und zum mächtigen Berner Salzhaus, wo der ursprüngliche Habsburger Palast stand, und das jetzt ein Kulturhaus ist. Der Ausblick von dort auf die Flusslandschaft ist beeindruckend.
Kulinarisch ist das beschauliche Städtchen auch ein Gedicht, die Auswahl an unterschiedlichen Gaststätten groß. Wir haben uns für traditionelle Kost entschieden, kehrten dafür im Café Fridolin in der Hauptstraße ein und probierten die Brätkügelchen, kleine Wurststücke in einer herzhaften Sauce mit Kartoffelpüree und gedünstetem Gemüse.
Die Autofahrt vom nahe gelegenen Kloster Königsfelden in die Stadt war - mit Navi - unproblematisch. Geparkt haben wir im Eisi Parkhaus, gleich beim Vindonissa Museum, was wir auch empfehlen würden, gleichwohl auch dort die Parkplätze sehr eng bemessen sind.
Auf unserer Fahrt von Brugg nach Rheinfelden haben wir einen kleinen Abstecher zu einem grandiosen Naturdenkmal gemacht. Einem Baum, genauer gesagt einer Linde, die 1.000 Jahre alt sein soll. Wenn man den Giganten vor sich sieht, erscheint das Alter nicht übertrieben.
Die Linde von Linn könnte Radbot bei seinem Bau der Habsburg beobachtet haben, denn sie steht genau gegenüber, linksseitig der Aare auf einem sanften Ausläufer des Jura Gebirges, mit direktem Blick auf das Stammschloss. Und mit ihr wird auch eine Prophezeiung verknüpft. Sollte ihr Schatten einmal auf die Burg treffen, ist das Ende der Welt gekommen. Nun ja.
Auf unserer Reise zur Wiege der Habsburger gelangten wir nun in ein Gebiet, das als Fricktal bzw. Frickgau bekannt war und selbst nach der Eroberung des Aargaus durch die Eidgenossen 1415 bei Habsburg-Österreich verblieb. Mit den Städten Rheinfelden und Laufenburg. Endgültig Schluss war dann nach der Invasion Napoleons. 1799 galt das Fricktal für Österreich als faktisch verloren. 1803 ging dieses Gebiet dann in dem neu gegründeten Kanton Aargau auf und der Rhein trennte fortan das davor von Habsburg beherrschte Vorderösterreich in ein deutsches und in ein schweizerisches Territorium.
Als wir in Rheinfelden einfuhren und zum feinen Kurhotel Schützen kamen, war uns klar, wir sind hier in einer anderen Welt angekommen. Das Umfeld des mittelalterlichen Landadels wich dem mondäneren Flair der rheinischen Weltoffenheit und dem Glanz der eleganten Salzsole-Kurtradition.
Obwohl der Stadtkern von Rheinfelden nach wie vor historisch-habsburgisch ist. Unbedingt zu empfehlen ist ein Besuch des altehrwürdigen Rathauses, wo im Ratssaal eine alte Habsburger-Gemäldegalerie zu bewundern ist, unter anderem mit den Bildern von Maria Theresia und Joseph II.
Beim Schlendern durch die breite Marktgasse in Richtung alter Stadtmauer und Stadttürmen kam bei den vielen Cafés und Gaststätten schon direkt ein relaxt mediterranes Feeling auf. Entspannen konnten wir dann auf jeden Fall beim Abendessen bei lauen Temperaturen auf der gemütlich-eleganten Terrasse des Kurhotels. Was sich leider nicht ausging, war der Besuch der bekannten und größten Brauerei der Schweiz, die in Rheinfelden ihren Hauptsitz hat, die Brauerei Feldschlösschen. Aber vielleicht beim nächsten Mal.
Ach ja, noch etwas. Aufgrund der willkürlichen Grenzziehung Napoleons gibt es im ehemaligen habsburgischen Fricktal nunmehr zwei gleichnamige Städte am Rhein, eine schweizerische und eine deutsche. Wir waren also in Rheinfelden AG, also in Rheinfelden im Schweizer Kanton Aargau, nicht in Rheinfelden im deutschen Baden-Würtemberg. Selbiges gilt auch für unser nächstes Ziel, Laufenburg.
Die Laufenburg, von der heute nur mehr eine Ruine mit begehbarem Bergfried an die einstige Größe und Ausstrahlungskraft erinnert, war ein strategisches Bollwerk an einer Engstelle des Rheins, mit einem grandiosen Ausblick. Am Fuße der Burg lag die mittelalterliche Altstadt, die auch heute noch genauso aussieht. Bei unserem Besuch im Mai 2026 wurden gerade umfangreiche Bau- und Revitalisierungsarbeiten in der gesamten Altstadt durchgeführt, die erahnen lassen, dass sich Laufenburg für touristische Besuche fein herausputzt.
Die Stadt und die Burg waren aufgrund des Rheinzolls ein wahres Füllhorn der Habsburger. Aber, wenn wir in Laufenburg von Habsburgern sprechen, müssen wir Acht geben. Denn hier residierten andere Habsburger als auf der Habsburg bzw. in Brugg, nämlich die Linie Habsburg-Laufenburg, die sich 1232 von der Hauptlinie abspaltete. Doch das war letztlich nur ein Intermezzo, denn die Seitenlinie überschuldete sich, wurde von der Hauptlinie Ende des 14. Jahrhunderts ausgelöst und starb wenig später im Mannesstamm aus. Seit 1386 ist Laufenburg samt dazugehörigen Besitzungen daher (bis 1799) Teil von Vorderösterreich gewesen.
Unser nächster und letzter Städtebesuch unserer Reise zur Wiege der Habsburger galt Baden, der bekannten Kurstadt an der Limmat, rund 30 Kilometer von Zürich entfernt. Die größte Stadt im Kanton Aargau war schon zur Römerzeit ein Hotspot heißer Quellen, Aquae Helveticae genannt. Die Habsburger, die sich Baden aufgrund einer nicht gerade noblen Vormundschaftshandlung von den aussterbenden Kyburgern aneigneten, führten dann 1297 die formelle Stadterhebung durch. In der Folge wurde Baden zu einer unüberwindbaren Festung ausgebaut und die wichtigste habsburgische Verwaltungs- und Archivstadt in den Vorlanden (Vorderösterreich). Der Landvogt, der höchste adelige Verwaltungsbeamte, residierte auf der mächtigen Festung Stein, hoch über der Altstadt.
1415 kam die jähe Wende, jedenfalls für die habsburgische Herrschaft über Baden, denn diese endete mit der Eroberung des Aargaus durch die Eidgenossen. Der letzte Habsburger Landvogt von Baden leistete zwar noch erbitterten Widerstand, musste aber aufgrund der Aussichtslosigkeit der Lage aufgeben. Im blinden Eroberungsrausch machten die Eidgenossen der stolzen Burg Stein den Garaus, weshalb wir heute nur noch eine Ruine besichtigen können. Und ihr eigener Vogt, den sie danach zur Verwaltung Badens einsetzten, musste daher längere Zeit in einer unwürdigen Absteige residieren.
Nichtsdestotrotz stieg Baden zur eidgenössischen Tagungsstadt auf, denn die Acht Alten Orte der Alten Eidgenossenschaft trafen sich im prachtvollen Badener Rathaus zur sogenannten Tagsatzung, wo sämtliche Angelegenheiten der Gemeinen Herrschaft über den vormals habsburgischen Aargau besprochen, und nebstbei den Annehmlichkeiten der heißen Quellen gefrönt wurde. Noch heute ist dieses historische Tagungszentrum eine Augenweide und ein Fixpunkt einer Tour.
Für den Besuch Badens sollte man sich Zeit nehmen, denn allein das Erklimmen der Ruine Stein und der Abstieg über die Oberstadt mit ihrem markanten Stadtturm bis zur Unterstadt dauert. Und dabei sprechen wir nur vom Erkunden des habsburgischen Erbes. In Baden gäbe es aber noch so viel mehr zu entdecken. Dafür, dass Baden im totalen Schatten des übermächtigen Nachbarn Zürich stand und steht, hat es sich dennoch toll entwickelt. Wussten Sie, dass der spätere Elektro-Weltkonzern Brown, Boveri & Cie. (BBC, heute ABB) 1891 in Baden gegründet wurde?
Übrigens, das Parken in Baden war eine Wonne, denn in den überraschend vielen, großzügig angelegten Tiefgaragen - wir parkten im Parkhaus Theaterplatz - sind die Stellplätze ordentlich dimensioniert.
In Baden endetete unsere letztlich viel zu kurze Reise zu den Ursprüngen der Habsburger. Es war ein unbeschreiblich interessantes Erlebnis, die Landschaften, Burgen, Klöster und Städte einer Familie zu erkunden, die von kleinen Landadeligen zu einer der bedeutendsten Dynastien der Welt aufstiegen. Viele kennen die Habsburger von Wien, Budapest oder Prag, und waren vielleicht auch schon dort auf einer Kultur- und Städtereise. Doch nur wenige kennen bislang den habsburgischen Aargau, wo das Imperium des Hauses Österreich seinen Anfang nahm. Es ist höchste Zeit, dies zu ändern!
Unser besonderer Dank gilt Herrn Dr. Bruno Meier - Historiker, Autor, Verleger - der uns einen erkenntnisreichen Einblick in das habsburgische Mittelalter im Aargau verschaffte und ein wunderbarer Tourbegleiter in Baden war.
Unsere redaktionelle Recherchereise im Mai 2026 wurde unterstützt von:
Schweiz Tourismus, Aargau Tourismus, Caspar Drei-Häuser-Hotel, Museum Aargau, Kloster Muri, Tourismus Rheinfelden sowie TourismusRegion Baden.
Unser Buchtipp für alle, die mehr über die Anfänge der Habsburger in der heutigen Schweiz erfahren wollen: Ein Königshaus aus der Schweiz. Die Habsburger, der Aargau und die Eidgenossenschaft im Mittelalter.
Dr. Bruno Meier - Verlag Hier und Jetzt - ISBN 978-3-03919-643-2
Diesen Artikel teilen
Ihr Kommentar
Was meinen Sie zu diesem Artikel? Schreiben Sie einen Kommtentar!