
Berlin ist eine große Stadt, eine sehr große Stadt. Von der Fläche her würde Wien rund zweimal in Berlin hineinpassen. Entsprechend reichhaltig sind die touristischen Möglichkeiten und Angebote der deutschen Hauptstadt. Wir haben bei unserem letzten Besuch ein besonderes Kleinod ins Auge gefasst.
Flughafen Tempelhof
Gleichwohl die Geschichte Tempelhofs älter ist, beginnt sie erst so richtig während der Nazi Herrschaft in den 1930ern. Die heutige Form erhielt der Flughafen, basierend auf den Plänen von Ernst Sagebiel, zwischen 1936 und 1941. Wie alles unter den Nationalsozialisten war auch Tempelhof ein gigantonomischer Ausdruck einer monumentalen Selbstinszenierung eines ins Uferlose gesteigerten Größenwahns. Funktionell legt Tempelhof noch heute das Zeugnis eines technischen Highend-Baus ab, der in seiner grundlegenden Funktionsstruktur auch im 21. Jahrhundert bestehen könnte. Tausende Zwangsarbeiter mussten für den geplanten Weltflughafen der NS Diktatur schuften, und oftmals ihr Leben lassen.

In Hitlers Visionen war Tempelhof eine riesige Arena für ekstatische Menschenmassen, die sich an den Flugshows der Nazis regimekonform entfachen sollten. So weit kam es aber nicht. Nach dem für Nazi-Deutschland verlorenen Krieg übernahmen die Amerikaner Tempelhof und bauten ihren neuen Air Force Stützpunkt in der Folge zu einem CIA Zentrum aus. Mitten im Kalten Krieg eine gigantische Festung im Herzen des kommunistischen Feindes.
Doch Tempelhof war nicht nur ein westliches Bollwerk für Militär- und Spionagezwecke, der Airport erlangte weltweite Aufmerksamkeit während der sowjetischen Blockade Berlins 1948-49, als die sogenannten US Rosinenbomber (Candy Bomber) Westberlin mittels einer Luftbrücke mit absolut allem versorgten, was die Stadt und ihre Bewohner zum Leben brauchten. Ab Mitte 1951 wurde dann wieder der zivile Luftverkehr aufgenommen und Tempelhof avancierte mit bis zu 5,5 Millionen Passagieren zu einem Top-Flughafen.

Aufgrund seiner kritischen Lage mitten im Wohngebiet und dem Umstand, dass dadurch eine unbedingt notwendige Erweiterung unmöglich war, waren letztendlich die Tage Tempelhofs gezählt. Nach der Inbetriebnahme des Flughafens Tegel 1975 wurde Tempelhof vorübergehend, und 2008 endgültig für den Flugbetrieb geschlossen. Heute ist Tempelhof ein "Historisches Wahrzeichen der Ingenieurbaukunst in Deutschland" und eine führende Location für Projekte und Events. Es werden zudem zahlreiche Themenführungen angeboten, die absolut empfehlenswert sind.
Näher Infos dazu auf der Website Flughafen Tempelhof
JV
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