Berlin ist zwar immer eine Reise wert, doch gerade in der Vorweihnachtszeit strahlt die deutsche Hauptstadt noch eine Spur heller.
Berlins Weihnachtsmärkte
Angeblich gibt es in Berlin über 100 Weihnachtsmärkte, doch so genau kann einem das niemand sagen. Auch oder gerade deswegen, weil es sehr viele, mitunter sehr kleine Pop Up Weihnachtsmärkte gibt, die nur kurze Zeit und/oder im kleineren Rahmen offen sind. Doch dann gibt es die großen und ganz großen Weihnachtsmärkte, die wie ein magischer Sog auf Berliner und auch auf Touristen wirken.
Insbesondere die Weihnachtsmärkte am Gendarmenmarkt, am Potsdamer Platz, vor dem Humboldt Center, am KuDam vor der Kaiser Wilhelms Gedächtniskirche und vorm Roten Rathaus nächst dem Alexanderplatz haben schon ordentliche Dimensionen.
Weihnachtsmarkt am Gendarmenmarkt
Er gilt als der schönste, beste, elitärste. Manche Berliner überschlagen sich dabei fast an superlativen Attributen, die sie diesem Weihnachtsmarkt zuschreiben. Zugegeben, es ist schon etwas dran, an dieser Euphorie. An einer der top Adressen Berlins gelegen, auch eine Verpflichtung. Für Touris wie uns, die aus einer Stadt kommen, die ihrerseits für sich das Monopol auf den großartigsten aller weltweiten Weihnachtsmärkte reklamiert, eine Herausforderung.
Also sachlich betrachtet gleicht der Gendarmenmarkt einer rundum abgeschlossenen Festung. Man kommt nur an bestimmten, gekennzeichneten Stellen rein, die von Sicherheitspersonal bewacht werden. Außerdem muss man für den Eintritt ein kostenpflichtiges Ticket lösen. Drinnen herrscht dann so eine Art Münchner Wiesn Stimmung vor, vor allem in den hochpreisigen und qualitativ hochwertigen Restaurantbereichen. Teils Schickimicki mit Austern und Champagner und Zigarren. Interessant zu beobachten, zum Beispiel beim etwas günstigeren Glühwein. Sollte man mal besucht haben, weil der Eintritt erschwinglich ist.
Ebenfalls an prominenter Adresse, geht es hier etwas bodenständiger zu, vielleicht sogar etwas volksnäher. Aber auch etwas kitschiger, gewöhnlicher, austauschbarer. Und, trotz höchster Berliner Bierkultur, im Einfluß einer traditionellen österreichischen Biermarke. Man staunt. Auch die Gerüche und Düfte, die sich wie Nebelschleier über den Festbereich legen, sind anders als am Gendarmenmarkt, aber nicht minder stimmungsvoll. Auch für Action ist gesorgt. Auf einem künstlichen Gebilde, einem Fake-Schlitten-Hügel, von dem man auf großen Schwimmreifen runter flitzen kann. Nicht ganz ohne, aber für junge Adrenalin Junkies ein Höhepunkt des dortigen Weihnachtsmarktes.
Nur wenige Gehminuten vom Potsdamer Platz entfernt, am Marlene-Dietrich-Platz, befindet sich das beeindruckende Theater am Potsdamer Platz, in dem seit kurzem der weltberühmte Cirque du Soleil seine erste permanente Show in Europa präsentiert, ALIZÉ.
Hier ist alles gigantisch. Das Theater, die Show, einfach alles. Das Haus ist so riesig, dass sogar zeitgleich zwei Mega-Events stattfinden können. Die Vorstellung des Cirque du Soleil, die wir besuchten, war bis auf den letzten Sitzplatz ausverkauft. Sage und schreibe 1.700 Besucher wohnten der fantastischen Show bei. Auf unzählig vielen Ebenen. Alleine die Logistik ist überwältigend. Die Garderoben, die Bars, die Sanitäranlagen. Schon die schier unendlichen Massen, die sich auf engstem Raum bewegen sind respekteinflößend. Aber alles geordnet und friedlich.
Die Show ALIZÉ selbst ist nur mit Superlativen zu beschreiben. Die Story, die erzählt wird, und die künstlerische und artistische Umsetzung sind, wie immer bei Cirque du Soleil, einzigartig, nahezu berauschend. Wer in Berlin zu Gast ist, sollte sich das nicht entgehen lassen. Es war wie ein vorweg genommenes Weihnachtsgeschenk.
Ein weiterer Höhepunkt einer vorweihnachtlichen Berlin Reise sollte das, 2023 eröffnete Deutschlandmuseum am Leipziger Platz sein. Ein einzigartig tolles Konzept aus Geschichtsvermittlung und Erlebniswelt. Ein interessanter, teils vergnüglicher jedenfalls aber spannend interaktiver Kurztrip durch die Geschichte des heutigen Deutschlands.
Das Haus erinnert, wenn überhaupt, nur sehr entfernt an ein klassisches Museum. Und wenn, dann eher im Sinne von wissensvermittelnd. Die Art und Weise, wie dieses Geschichtswissen jedoch vermittelt wird, ist vollkommen anders, als bei herkömmlichen Museen. Hier erleben die Besucher die Geschichte, mitten drinnen und aktiv.
Schon letztes Jahr besuchten wir das nebenan befindliche Deutsche Spionagemuseum, das ebenfalls vom selben privaten Träger betrieben wird, und waren begeistert. Das Deutschlandmuseum ist eine logisch geniale Symbiose dazu oder vice versa. Ohne Wenn und Aber ein klares Muss-man-gesehen-haben! Aber unbedingt vorab die Tickets online buchen, denn das Museum ist sehr stark nachgefragt und es gibt Zeitfenster für den Einlass.
Oft scheint es, als würde Berlin nur mit Superlativen aufwarten. Aber ja, auch das neue, (vorerst) temporäre Ausstellungsgebäude Pergamonmuseum mit seinem 360 Grad Panorama der antiken Stadt Pergamon zählt ohne Zweifel dazu. Und zieht die ungeteilte Aufmerksamkeit aller auf sich. Vor allem wegen seines zylindrischen Rundturms, in dem das 360 Grad Panorama der antiken Metropole Pergamon präsentiert wird. Ein Zeitsprung ins Jahr 129 n.Chr. in eine damals (ehemals altgriechische) Mega-City des Römischen Reiches nach Kleinasien, in die heutige Türkei.
Der weltbekannte Künstler Yadegar Asisi rekonstruierte den Zeitsprung in 40 fotografischen Szenen mit realen Menschen zu einer einzigartigen Rundum-Inszenierung. Inmitten der Szenerie befindet sich ein begehbarer (barrierefreier) Turm, von dem aus man auf mehreren Ebenen unterschiedliche Perspektiven von Pergamon entdecken kann. Inklusive eines künstlichen Tag-Nacht-Zyklus. Eine Ausstellung der Staatlichen Museen zu Berlin, die unbedingt sehenswert ist.
Anmerkung: Das „original“ Pergamonmuseum auf der Museumsinsel, gleich vis-à-vis des temporären Ausstellungsgebäudes ist zur Zeit wegen seiner Komplettsanierung gänzlich geschlossen. Stand Dezember 2025, ist die Wiedereröffnung in zwei Phasen ab 2027 bis 2037 geplant.
Übernächtigt haben wir diesmal im Hotel Hilton in der Anton-Wilhelm-Amo-Straße (vormals Mohrenstraße), beim Gendarmenmarkt. Tolle Lage, nicht nur wegen der nahen Weihnachtsmärkte. Der Name Hilton hält, was er verspricht. Ein imposantes Haus im gehobenen internationalen Qualitätssegment. Aber eben groß, echt groß. Mit langen Wegen durch lange Flure. Und mit teils sehr viel Gedränge, vor allem beim Frühstück. Wenn man das will, eine erste Wahl an einer absolut erstklassigen Adresse in Berlin.
Wie in nahezu allen modernen Metropolen gilt auch oder besonders in Berlin: nutzen Sie die Öffis! Genauer, die U- und S-Bahnen. Mit denen gelangt man nahezu überall hin. Und außerhalb der Stoßzeiten komplett stressfrei. Ganz im Gegensatz zum Individualverkehr, wo man fast immer im Stau seine Stress-Resistenz auf die Probe stellen muss. Selbiges gilt übrigens auch fürs Busfahren.
Das U- und S-Bahnnetz in Berlin ist engmaschig. Während die neuen Strecken mit topmoderner Infrastruktur punkten, tun dies die alten mit teils historisch wertvoller, vor allem aber interessanter baulicher Ausstattung. Mit Koffern, Kinderwagen oder gar Rollstühlen jedoch oftmals herausfordernd. Fürs entspannte Nutzen der Öffis empfiehlt sich, eine entsprechende Netzkarte zu lösen. Vor allem, wenn man sich in Berlin mehrere Tage aufhält und viel unterwegs ist. Es gibt diese konventionell in Papierform oder digital in der Handy-App. Je nach „Aktionsradius“ in 3 Bereiche gegliedert, A, B, C, wobei A nur in der inneren City gilt, während dann C auch das Berliner Umland, insbesondere den Flughafen BER und auch Potsdam umfasst, wo unsere Vorweihnachtsreise als nächstes hinführte.
Berlin, die Hauptstadt Deutschlands ist „wieder“ eine Weltstadt geworden. Nicht nur was Flächengröße und Einwohnerzahl anlangt, sondern als Inbegriff einer weltoffenen, kosmopolitischen Kulturmetropole mit nahezu endlos vielen Möglichkeiten. Natürlich gibt es, wie überall, neben Licht auch Schatten, doch überstrahlt die energetische Faszination Berlins nahezu jeden touristischen Besuch dieses städtischen Giganten. Jedenfalls, wenn man sich auf Berlin einlässt und selber offen für die Welt ist. Das gilt 365 Tage im Jahr.
Ein ganz besonderes Flair bietet die Metropole zudem in der Vorweihnachtszeit, in der es sich fürwahr lohnt, Berlin einen Kurzbesuch abzustatten. Für alle, die dann auch noch in origineller Einkaufslaune sind, ist Käthe Wohlfahrt am Hackeschen Markt einen Pflichtbesuch wert, wo sich die ganze Welt der Weihnachtsartikel in voller Pracht präsentiert.
Eine besondere, persönliche Empfehlung des Autors: Das Jüdische Museum Berlin.
JV
Anmerkung:
Die Recherche zu diesem redaktionellen Artikel fand im Rahmen einer internationalen Pressereise der Deutschen Zentrale für Tourismus Ende November 2025 statt.