San Daniele Schinken, Tocai friulano und Montasio-Käse. Die drei großen Genüsse im Friaul!
Die Anreise zum Geburtsort dieser friulanischen Spezialität ist durchaus spektakulär. In Tarvisio, gleich nach der österreichisch-italienischen Grenze, folgen Sie den Wegweisern 20 km lang nach Sella Nevea. Ein kleines Schigebiet mit schönen Pisten und Panorama, aber einigen extrem hässlichen Hotel- und Appartmentbunkern. In Sella Nevea biegt man rechts ab nach Alt. (Altipiano/Plateau) di Montasio. Holzhinweisschilder weisen den Weg zur Latteria Malga Montasio. Nach 6 km steiler Bergstraße erreicht man den Parkplatz inmitten der Almen am Fuße des
2753 m hohen Jof di Montasio, der dem köstlichen Käse seinen Namen gab.
Wichtige Zutaten für den charakteristischen Geschmack des Montasios, wie frische Gräser und Bergluft, treffen hier aufeinander und veranlassen die glücklichen Kühe, eine besondere Milch zu geben, die Grundmaterial für den Almkäse ist. Der wieder in Verbindung mit der glasklaren und frischen Bergluft heranreift. Auf dieser Alm gibt es mehrer Sennereien, die sich auf die Käseproduktion spezialisiert haben und diesen in ferne Länder exportieren. Heute wird der Montasio auch in anderen Gebieten im Friaul und Veneto produziert, wobei die Spezifika der ursprünglichen Produktion jedoch strikt beibehalten wurden und vom
Konsortium zum Schutz des Montasio-Käses überwacht wird.
Seit 1986 trägt der Käse das
DOC-Gütesiegel. Die Geschichte des Montasios geht jedoch bis in die Zeit um 1200 zurück. Mönche des Benediktinerordens begannen damals in der Giulia und in den karnischen Alpentälern den Käse herzustellen, der Mitte des 18. Jahrhunderts erstmals ein Exportprodukt dieser Region wurde.


Der Montasio zählt zu den Hartkäsesorten und hat eine leicht orangegelbe, glatte und elastische Rinde. Es gibt ihn in drei "Reifevarianten". Als
junger Montasio schmeckt er entsprechend mild (zwei bis fünf Monate Reifezeit). Als
Montasio mezzano hat er eine durchschnittliche Reifezeit von fünf bis zehn Monaten hinter sich und entfaltet sein kräftiges Aroma. Der
Montasio stravecchio lagert mehr als zehn Monate, bis er seinen vollen und kräftig würzigen, aber auf keinen Fall strengen Geschmack entfaltet hat. Junger Montasio eignet sich als Vorspeise und als Zutat für Hauptgerichte. Alter Montasio ist ein hervorragender Reibkäse, der durchaus anstelle von Parmesan verwendet werden kann.


Doch vor dem Genuss dieser Gaumenfreude ist eine kleine Wanderung zum
Alpenvereinshütte Rifugio Giacomo di Brazza (1.660m Seehöhe) angesagt. Vom Parkplatz weg wandert man ungefähr 45 Minuten auf schönen Wanderwegen bis zum Rifugio, das als Ausgangspunkt für einen Aufsteg zum Jof di Montasio gut geeignet ist. Bis dahin reichen solide Wanderschuhe und Fotoapparat, um den wunderbaren Ausblick in die Julischen Alpen festzuhalten. Die saftig grünen Almen werden sehr streng von steil aufragenden Felswänden bewacht und umrahmt. Die Kräfte der Natur wirken hier noch unmittelbar und man ist den Elementen bedingungslos ausgesetzt. Bei schönem Wetter zeigen sie sich von einer Seite, die man nicht missen möchte und lange nicht vergisst. Das muss man sich auf den Pupillen zergehen lassen.


Im Rifugio stärkt sich der müde Wanderer mit einem frischen Montasio oder einem Fricco mit Polenta. Dazu ein Glas Wein und die Kräfte für die weitere Wanderung zur
Latteria Malga Montasio kehren zurück. Diese liegt einen circa halbstündigen Fußmarsch von der Alpenvereinshütte Rifugio Giacomo di Brazza entfernt in der Nähe des Parkplatzes, der unser Ausgangspunkt war. Es erwarten frischer Almkäse, der im angeschlossenem Laden, neben einigen anderen Spezialitäten (Ricotta, Salami, Speck, ...) verkauft wird. Am besten schmeckt es jedoch vor der Latteria mit Blick auf auf den Jof di Montasio.
Ein Reise- und Genusstipp von
Gustav Schatzmayr. zurück