Fünf Grad über null, strahlend blauer Himmel – wenn nur dieser schneidende Wind nicht wäre! 
Als das Paar, viel zu luftig gekleidet, nach einem ausgiebigen Bergspaziergang die Hütte erreicht, schlottern beide vor Kälte. Unaufgefordert stellt ihnen der Hüttenwirt zwei dampfende Becher mit Tee auf den Tisch. Aus Erfahrung weiß er, dass seine Gäste an einer leichten Unterkühlung leiden. Wie kann das sein?
„Auch bei niedrigen Plustemperaturen sind Abkühlungen der unbedeckten Hautoberfläche, aber auch eine allgemeine Hypothermie, also eine Unterkühlung, möglich“, erklärt Professor Wolfgang Domej. „Schuld ist der sogenannte Windchill-Faktor. Er hängt von der Umgebungstemperatur und der Luftzirkulation ab.“ Je nach Windstärke kann bei fünf Grad plus die „gefühlte Temperatur“ bis zu zwölf Grad minus betragen.
Domej arbeitet an der Universitätsklinik im österreichischen Graz und hat sich auf Alpinmedizin spezialisiert. Gerade in höher und etwas abseits gelegenen Krankenhäusern werden während der Wintermonate fast täglich Patienten mit Erfrierungen oder Unterkühlung behandelt. Als häufigste Ursache diagnostizieren die Ärzte eine Unterschätzung der Witterungsverhältnisse. Um bei Kälteschäden Erste Hilfe leisten zu können, müssen die Helfer unterscheiden, ob es sich um Erfrierungen oder eine Unterkühlung handelt.
Das Kältetrauma, also lokale Erfrierungen an Ohren, Nasenspitze, Fingern oder Zehen, teilen die Mediziner in drei Schwere grade ein. Im harmlosesten Fall verfärbt sich die Haut weißlich, fühlt sich kalt an und prickelt. Dann gilt es, behutsam zu erwärmen, etwa mit einer sanften Massage. Ideal: den betroffenen Körperteil in etwa 37 Grad warmem Wasser eine Stunde lang baden. Bei Erfrierungen zweiten Grades wirft die Haut Blasen, die mit einer Flüssigkeit gefüllt sein können. Diese dürfen nicht geöffnet werden. Bei Gefühlsstörungen und Schmerzen sofort zum Arzt!
„Erfrierungen dritten Grades“, sagt Wolfgang Domej, „sind unumkehrbare lokale Gewebeschädigungen und sollten so schnell wie möglich medizinisch versorgt werden.“ Ein besonderes Augenmerk gilt Diabetikern. Wegen ihrer polyneuropathischen Gefühlsstörungen spüren sie Erfrierungen wie auch Verbrennungen erst zeitlich versetzt oder gar nicht. Diabetiker sollten bei Verdacht auf Unterkühlung bevorzugt überwacht werden.
Quelle: Ullrich Jackus, Apotheken Umschau / GesundheitPro; 10.02.2009
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