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Heute ist Donnerstag, der 09.02.2012
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Syrien zwischen Gestern und Heute: Damaskus und Aleppo

Teil I - Von Kreuzrittern und alten Christen.


Auf den Spuren der Vergangenheit – Syrien zwischen Gestern und Heute


Schon früh war Damaskus im Abendland ein Begriff, jeder wollte den Damaszenerstahl aus dem Märchenland der Syrer besitzen sowie die Schätze des antiken Orients, von denen die Kreuzfahrer berichteten.

Syrien - Wüste zur irakischen Grenze

Damaskus im Jahre des Herrn 2008: Nächtens ist alles in ein blaues Licht getaucht, die Zeit scheint in der Hauptstadt des 15 Millionen Landes stillzustehen. Wie vor hunderten Jahren leben hier Muslime – Sunniten, Schiiten, Ismaeliten, Alawiten, Drusen – mit Christen der armenisch-gregorianischen, armenisch-katholischen und armenisch-protestantischen Kirche friedlich miteinander. Hier wurde aus Saulus der Apostel Paulus, von hier aus floh er um das Christentum im Orient zu verbreiten.

Damaskus ist am Tage eine pulsierende, moderne Stadt, in der sich die Römerzeit, das Mittelalter und der Aufbruch ins 21. Jahrhundert vermischen. In den Erinnerungen der Syrer nehmen Sir Lawrence von Arabien und seine Unabhängigkeitsbestrebungen noch immer einen hohen Stellenwert ein. Der alte Bahnhof der Bagdad-Bahn, längst außer Betrieb und liebevoll gepflegt, erinnert noch an jene Zeit.

Von Kreuzrittern und alten Christen


Wir verlassen Damaskus in nördlicher Richtung, zur Küste des Mittelmeeres mit seinen fantastischen Gärten in üppigem Grün und romantischen Kreuzfahrerburgen. Die bemerkenswerte und schönste Burg ist die auf hohem Berge sich erhebende „Krak de Chevalier“ aus dem 11. Jahrhundert. Rund hundert Jahre lang behauptete sie sich gegen die anstürmenden „Ungläubigen“. Als sie von Sultan Saladdin II. 1187 erobert wurde, bewies dieser einen für jene Zeit ungewöhnlichen Großmut, als er den Verteidigern die Wahl ließ als freie Bürger im Lande zu bleiben oder nach Europa zurückzukehren. Im Krak findet sich stets ein freundlicher Führer, der die Touristen – gegen Bakschisch selbstverständlich – über Mauern und unterirdische Gänge sicher geleitet. Bakschisch ist hier eher selten gefragt, denn die Syrer sind ein stolzes, aber äußerst freundliches Volk. Bettlern und bettelnden Kindern, wie sonst im Orient überall üblich, begegnet man kaum.

Syrien - Wasserrad am Orontes-Fluss / Zum Vergrößern auf das Bild klickenDie Begegnung mit dem Christentum in der Kreuzfahrerburg führt uns weiter zu Spuren der Urkirche: Wer hat schon die Möglichkeit von Menschen des 21. Jahrhunderts die Sprache von Jesus Christus zu hören. In Malula, rund 40 Kilometer nördlich von Damaskus, hört man tagtäglich das Aramäische.

Der syrische Dichter Rafik Schami schreibt in „Der fliegende Baum“: „Felsen begrenzen die Hänge hinter den Weinbergen … Das Zirpen der Zikaden in der Mittagshitze begleitet den Meisel der Zeit mit rhythmischen Gesängen … Hart ist das Leben der armen Bauern von Malula … Die blau und weiß getünchten Häuser … schmiegen sich eng an die Felswand … Nur das Kloster zum Heiligen Sarkis erhebt sich auf der Felswand über dem Dorf.“ In Malula leben christliche Nonnen und Priester ihren Glauben Seite an Seite mit Moslems.

Syrien - Zitadelle von Aleppo / Zum Vergrößern auf das Bild klickenDie Reise geht weiter entlang des Mittelmeeres nach Aleppo. In Aleppo ist das Miteinander von Vergangenem und Modernem fast noch stärker vertreten als in Damaskus. Inmitten der Stadt erhebt sich auf einem Hügel eine riesige mittelalterliche Festung, die islamische Zitadelle. Rund um den kreisförmigen Hügel strömt der Autoverkehr in einem für europäische Verhältnisse eher ungewöhnlichen Ausmaß. Sternförmig gehen hier Straßen ab, die zu den Karawansereien führen. In den Ställen, in denen früher die Kamele und Dromedare versorgt wurden, stehen heute in Boxen Mercedes und andere Luxusautos. Darüber finden sich meist teure Restaurants, die die originären Speisen des Nahen Orients anbieten. Für den Touristen kann es hier freilich Probleme geben, nicht wegen mangelnder Sauberkeit, sondern wegen der für unseren Magen ungewöhnlichen Gewürzmischungen.

Ein Reisetipp von Peter Soukup.

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