Heute ist Dienstag, der 24.10.2017 | Mail Newsletter | Geschenk Gewinnspiel
Print

Schlafstörungen

Schlafen ist nicht mehr zeitgemäß.
WhatsAppFacebookTwitterE-Mail

Schlafstörungen - Wenn sich der Körper mit Schlaflosigkeit rächt

Foto © Anita Arneitz, Klagenfurt / UnivProf Walzl beim Schlaf-Vortrag

Alles ist hell erleuchtet, das Leben in der Stadt pulsiert und der Tag hat für viele Menschen einfach zu wenig Stunden: Der Schlaf wird ins Eck gedrängt.

Schlafen gilt in unserer Gesellschaft nicht mehr als schick. Zu kostbar ist die Zeit, die dafür aufgewendet werden muss. Doch das lässt sich der menschliche Körper nicht gefallen – er rächt sich mit Schlaflosigkeit und zahlreichen psychischen sowie physischen Problemen. „Nur zehn bis zwanzig Prozent der Bevölkerung können gut schlafen“, weiß Universitätsprofessor Manfred Walzl, Schlafmediziner an der Landesnervenklinik Graz und ärztlicher Leiter der Werzer´s Schlafschule am Wörthersee. Er beschäftigt sich mit der Schlafmedizin, die noch ein relativ junges Fachgebiet in der Medizin ist.

Der Schlaf bestimmt das Leben der Menschen wie kaum eine andere Funktion: Im Durchschnitt verbringen die Menschen während ihres Lebens rund 24 Jahre mit Schlafen. „Kein Lebewesen auf der Welt kommt ohne Schlaf aus. Nur die Menschen glauben, sie können ihm entrinnen und haben Angst etwas im Schlaf zu verpassen“, erklärt Walzl. Daher leiden immer mehr an Schlafstörungen.

Revolution der Seele


Ständig grübeln, nicht einschlafen oder durchschlafen können, sich im Bett wälzen: 37 Prozent der Europäer leiden an Schlafstörungen. Die Belastung für den Körper ist groß – angefangen von Tagesmüdigkeit über Depressionen bis hin zu längeren Krankenständen sind die Folgen. Die Auswirkungen sind dramatisch. Die Weltgesundheitsorganisation zählt Schlafstörungen und deren Behandlung mittlerweile zu den großen vier Herausforderungen der Medizin in den nächsten fünfzig Jahren. Schlafmittel stehen in der therapeutischen Kette erst ganz am Ende. Am Anfang steht eine genaue Diagnose zum Beispiel im Schlaflabor oder in der Werzer`s Schlafschule.

Was passiert im Schlaf?


Foto © Anita Arneitz, Klagenfurt / UnivProf Walzl bei der Präsentation / Zum Vergrößern auf das Bild klickenDer Schlaf ist für den Körper und das Gehirn ein hoch aktiver Prozess. Während dieser Zeit erholt sich der Organismus und die Leistungsfähigkeit wird wieder aufgebaut. Der Schlaf wird in verschiedene Schlafphasen eingeteilt, die sich in der Nacht vier bis fünf Mal wiederholen. Ein Schlafzyklus dauert ungefähr 90 Minuten.

Am Ende eines Schlafzyklus steht der REM-Schlaf (Rapid Eye Movement). Die REM-Phase ist noch nicht komplett erforscht und ist bekannt als Tiefschlaf oder Traumschlaf. „Während wir träumen bewegen sich die Augen rasch und wir liegen zugleich wie gelähmt im Bett“, erklärt Walzl. Die Tiefschlafphasen sind am Morgen am längsten, wobei nicht die Menge, sondern die Qualität des Schlafes zählt.

Vielzahl von Schlafstörungen


Es gibt 120 verschiedene Schlafstörungen. Nun die gute Nachricht: Die meisten von ihnen können geheilt werden. Die Gründe von Schlafstörungen sind vielfältig. Walzl teilt die Ursachen von Schlafstörungen in fünf Bereiche oder die „5 P“ ein:
- Physische Ursachen wie Rheuma, Restless legs oder Schnarchen
- Psychologische Ursachen wie Stress
- Physiologische Ursachen wie ein Jetlag
- Psychiatrische Ursachen wie Depression oder Angst
- Pharmakologische Ursachen wie Begleiterscheinungen von Medikamenten

Auch die Schlafstörungen selbst werden in verschiedene Kategorien unterteilt. Es gibt die Dysomnien, darunter versteht man Einschlaf- oder Durchschlafstörungen sowie extreme Tagesmüdigkeit. Die Parasomnien umfassen die Störungen des Schlafprozesses wie Albträume, Schlafwandeln, Zähneknirschen oder Bettnässen. Weiters gibt es einen gestörten Schlaf aufgrund von Erkrankungen oder andere Schlafstörungen wie sogenannte Kurz- oder Langschläfer.

Presslufthammer im Schlafzimmer


Das Schnarchen ist ein häufiges Problem im Schlafzimmer und belastet so manche harmonische Partnerschaft. Ab dem 40. Lebensjahr nimmt das Schnarchen zu, mit 60 schnarcht bereits jeder zweite Mann sowie 40 Prozent der Frauen. „Das Geräusch beim Schnarchen beträgt 45 Dezibel, das ist lauter als ein Presslufthammer“, weiß Walzl. Hervorgerufen wird das Schnarchen durch anatomische Gegebenheiten, die Rückenlage, Übergewicht, Alkohol, Medikamente, starke Übermüdung oder die Behinderung der Nasenatmung. „Stoppen kann man das Schnarchen mit einer Anti-Schnarchspange oder operativen Eingriffen“, erklärt Walzl.

Sehr gefährlich können Atemstillstände (Apnoe) werden. Setzt die Atmung länger als zehn Sekunden aus, kann es zu einem Schlaganfall, Herzinfarkt oder einer plötzlichen Erblindung kommen. Rund 650.000 Österreich sind davon betroffen. Spezielle Beatmungsgeräte sorgen bei Apnoe für einen sicheren und ruhigen Schlaf.

Weitere Informationen zum Thema Schlaf finden Sie auch auf der Webseite der Österreichischen Gesellschaft für Schlafmedizin und Schlafforschung:
www.schlafmedizin.at

Ein Gesundheitstipp von Mag. Anita Arneitz.

Lesen Sie auch:

WhatsAppFacebookTwitterE-Mail
Redaktion | Partner | Impressum | Sitemap | Werbung im 55PLUS-magazin
© by 55PLUS Medien GmbH in Liqu., Wien / Stand Oktober 2017