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Heute ist Montag, der 13.10.2008

Agli Artisti in Grado, Italien

Kinder Grados pflegen die kulinarische Tradition.


Ristorante
Agli Artisti
Campiello Porta Grande 2
I-34073 Grado, Italien

Telefon: +39-0431-83081
www.agliartistigrado.com

Ganzjährig geöffnet, Dienstag Ruhetag.

55PLUS: Agli Artisti, Grado

Artisten der Kochtöpfe

Der helle und sehr freundliche Raum mit nur einer guten Hand voll Tischen, einer kleinen Bar und seinem Ausblick auf die Piazza Duca d`Aosta mit der Markthalle von Grado (tv-symbol klick zum TV/Web-Video) wirkt schon beim Eintreten sehr sympatisch. An den kleinen Tischen am Fenster sitzt man in der Auslage, fühlt sich aber nicht beobachtet, sondern kann ganz im Gegenteil das Treiben auf der Piazza während des Essens verfolgen. Für die wärmeren Jahreszeiten gibt es einen kleinen Gastgarten vor dem Eingang. Das Agli Artisti gibt es schon seit mehr als 30 Jahren, seit sechs Jahren führen es Alessandro Corazza mit seiner Frau Franca in der Küche und seiner Schwester Lisa im Service. Als Kinder von gradeser Fischern sind sie mit den Meerestieren seit ihrer Kindheit aufs engste verbunden und die Qualität der Grundstoffe liegt ihnen besonders am Herzen.

Alessandros und Francas Küche ist eng mit der kulinarischen Tradition Grados verbunden. Aber es bleibt genug Raum für neue Kreationen, die immer im Lichte der jeweiligen Jahreszeit zu sehen sind. Interessierte Genießer sollten sich genau informieren, welcher Fisch und welches Meerestier gerade "Saison" hat und daraus werden Spezialitäten gezaubert, die in nördlicheren Gefielden einfach nicht zu bekommen, aber wahre Gaumenfreuden sind. Im Agli Artisti ist es am besten, sich in einen ruhigen Winkel zurückzuziehen und sich von Alessandro und Franca gradesisch verwöhnen zu lassen.

Der Geschmack Grados

Das erste Highlight ist schon das von Franca selbst gemachte, herrlich duftende Weißbrot. Sie macht auch alle Süßspeisen. Sardellen in Savor als lokaltypischer Starter. Zuerst frittiert und dann mariniert und mit Zwiebeln versehen, bestens. Dann die Venusmuscheln alla Marinara, in Grado Peverasse genannt. Die kleinen Muscheln aus der Schale zu lösen scheint mühsam. Der unverfälschte Geschmack ist jedoch so köstlich, dass diese Tätigkeit zur Sucht werden könnte. Je größer der Leergutberg wird umso mehr kommt vom Sud zum Vorschein, der wie geschaffen für Francas frisches Weißbrot ist und eine lobenswerte Kombination ergibt.

Das Gericht der Gradeser Küche schlechthin ist jedoch der Boreto (Fisch in eigener Sauce) mit weißer Polenta, der sich von anderen in Italien in vielen Punkten unterscheidet. Der wichtigste ist, dass keine Tomaten verwendet werden. Das lässt den Schluss zu, dass dieses Gericht schon vor der Entdeckung Amerikas in dieser Form zubereitet wurde. Tomaten fanden ihre weitere Verbreitung in Europa und Italien erst im 18. Jahrhundert. 55PLUS: Agli Artisti, Boreto mit Tintenfisch / Zum Vergrößern auf das Bild klickenWeiters wird ausschließlich Weinessig verwendet. Die armen gradeser Fischer tauschten oder kauften nur zu besonderen Gelegenheiten Wein am Festland in Aquileia. Dieser wurde in der salzigen Luft und aufgrund schlechter Lagerung bald sauer, wurde aber nicht weggeschüttet, sondern für den Boreto verwendet. Und schließlich wird nur mit schwarzem Pfeffer gewürzt. Nicht zu wenig davon, um den Geschmack des Tintenfisches hervorzuheben. Im Agli Artisti gibt es einen vorzüglichen Tintenfischboreto. Das Arme-Leute-Essen von früher hat sich zu einer respektablen Delikatesse höchster Güte entwickelt. Wer sagt, dass nur Könige gut speisen, der irrt. Der Preis für ein 4-gängiges Menü beträgt im Agli Artisti ungefähr € 35,--.

55PLUS: Grado, am Strand / Zum Vergrößern auf das Bild klickenDer Agli Artisti-Weinkeller ist Lisas Reich und sie bietet das Beste aus dem Friaul passend zur Küche der Lagunenstadt. Im Anschluss an dieses Meeresfrüchtemassaker ist ein Spaziergang lungomare eine wunderbare Möglichkeit, Sonne zu tanken, salzige Meeresluft zu schnuppern und im Gedanken noch immer die ausgezeichneten Speisen vor Augen.

Ein Lokaltipp von Gustav Schatzmayr.

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